Warum mir die Diskussion auf die Nerven geht.

Iris Elba, für viele der Wunschkandidat in der Rolle des nächsten, und ersten schwarzen Bonds, war wohl einer der Ersten, der den ganzen Wirbel um eine weibliche 007-Agentin lostrat.

In einem Interview im Januar droppte er nämlich einen Satz, für den er medienwirksam gefeiert wurde: „[Bond] könnte eine Frau sein – es könnte eine schwarze Frau sein, es könnte eine weiße Frau sein – why not?“

Ja, why not, dachten sich viele und sprangen direkt auf den Zug auf.

[Mehr dazu: Wird James Bond bald zum ersten Mal eine Frau?]

Seitdem halten sich die Spekulationen um „Jane Bond“ hartnäckig. So hartnäckig, dass sich vergangene Woche (endlich) auch 007-Executive-Producer Barbara Broccoli (ja, die heißt echt so) zu Wort meldete.

Und die Diskussion um einen baldigen Gender-Swipe des beliebten Agenten-Charakters eiskalt killte.

„Bond ist männlich. Er ist ein männlicher Charakter. Er wurde als Mann geschrieben und ich denke, er wird ein Mann bleiben“, sagte die 58-Jährige gegenüber dem „Guardian“.

Chapeau! Genau auf dieses Statement habe ich gewartet.

Denn die Diskussion um einen weiblichen Bond-Charakter nervt mich nicht nur unfassbar, ich finde sie auch einfach unnötig.

Versteht mich nicht falsch. Ich bin Feministin. Ich bin immer für starke, weibliche Hauptrollen zu haben. Weltrettende Superheldinnen, eiskalte Agentinnen oder bitterböse Schurkinnen - ich bin immer, immer, immer für einen starken Female Lead.

Aber männliche Rollen einfach weiblich zu besetzen, finde ich absoluten Bullshit.

Wie soll das funktionieren? Eine Rolle wie die des James Bonds, die in den 50ern entwickelt wurde und einen trinkenden, frauenfeindlichen, risikogeilen Macho mit Hyper-Selbstbewusstsein darstellt, lebt schließlich von genau diesen maskulinen Charaktereigenschaften.

Sie machen den Kult-Charakter aus, machen Bond zum berechnenden Womanizer und zum verkorksten, draufgängerischen strauchelnden Antihelden, den Daniel Craig in den letzten Filmen so gut verkörperte.

Es ist eine starre Rolle, die aber genau dadurch so gut funktioniert.

Dieses vor Alpha-Männchen-Gehabe strotzendes Franchise jetzt einfach mit einer Frau zu besetzen, würde wie ein billiges Cosplay rüberkommen: Es würde weder die Qualität der Filme steigern, noch irgendetwas beweisen.

Es würde sich von der ursprünglichen Essenz der Filmreihe verabschieden und trotzdem nicht davon lösen können, weil es immer mit den alten Filmen verglichen werden würde.

Gleichzeitig wäre es auch alles andere als feministisch: Schließlich würde die weibliche 007 nur in die Fußstapfen des altbekannten, männlichen Agenten stapfen, anstatt ihren eigenen Weg zu gehen. Revolutionär wäre das sicherlich nicht.

Also hört bitte endlich damit auf, der Idee einer weiblichen Bond-Darstellerin nachzuheulen und fangt an, outside of the box zu denken!

Wir müssen männliche Rollen nicht weiblich besetzen. Wir brauchen neue, starke Frauenrollen, die nicht mit Vorurteilen und männlichen Eigenschaften vorbelastet sind.

Denken wir an die ikonische Performance von Uma Thurman in „Kill Bill“, an den Überraschungserfolg von „Wonder Woman“ oder an Daisy Ridley als Rey in „Star Wars: The Force Awakens“ – das sind Frauenbilder, die die Filmindustrie revolutionieren.

Warum denken wir nicht darüber nach, einem der letzten Bond-Girls eine eigene Geschichte zu widmen und so aus der starren Rollenverteilung auszubrechen?

Warum wurde nie die Geschichte der mutigen Vesper aus „Casino Royale“ erzählt?

Warum gibt es plötzlich einen weiblichen „Doctor Who“, aber immer noch keinen „Black Widow“-Superheldinnenfilm?

Und warum jammern wir lieber über den stereotypischen James Bond, als Filme mit einer starken weiblichen Hauptrolle zu supporten?

Warum diskutieren wir über eine weibliche Indiana Jones, anstatt die hinreißende Alicia Vikander als neue Lara Croft in „Tomb Raider“ (2018) zu feiern?

Warum redet niemand über Jennifer Lawrence als russische Agentin im Thriller „Red Sparrow“ (2018)?

Warum hat „Atomic Blonde“ (2017), in dem Überfrau Charlize Theron die Paraderolle der toughen Agentin spielt, nur 95 Millionen US-Dollar eingebracht, aber die im gleichen Jahr erschienene Agentenkomödie „Kingsman 2“ 410,9 Millionen US-Dollar?

Wenn wir als Kinopublikum nur dem Abklatsch großer, schon bekannter Protagonisten sehen wollen, anstatt uns auf neue, mutige Frauenrollen einzulassen, erkennen wir ihnen dann nicht ihre Relevanz ab?

Bond-Executive-Director Barbara Broccoli ist übrigens der gleichen Meinung – lieber neue, starke Frauenbilder auf die Leinwand bringen, als umändern, was nicht umgeändert gehört.

Neben dem 25. Bond-Film ist sie gerade dabei, eine weitere Agenten-Story zu verfilmen: Im Spionage Thriller „The Rythm Section“ geht es um einen selbstzerstörerischen Rache-Engel, der den Tod seiner Familie rächen will.

Blake Lively wird die eiskalte Auftragskillerin Stephanie Patrick verkörpern – und uns Kinogängern damit ein weiteres Mal die Chance geben, ein neues Format mit einer krassen Actionheldin anzuerkennen, anstatt nach immer wieder neu aufgewärmte Stereotypen zu verlangen.

Wer war dieser Bond nochmal?

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Quelle: Noizz.de