Warum schauen so viele Menschen Hai-Filme? Sie sind einfallslos, schlecht produziert – und trotzdem üben sie eine Faszination auf uns aus. Zeit für einen Blick in die Geschichte – und die Urinstinkte des Menschen.

Hast du dich schon mal so richtig auf Netflix verirrt? So richtig, richtig doll verirrt, dass nicht mal mehr ansatzweise Filme oder Serien in Sicht waren, die dir gefallen könnten? Ich schon. Und ich landete in den Tiefen des Ozeans. Was jetzt sehr dramatisch klingt – war tatsächlich auch so. Denn in den tiefsten Tiefen von Netflix verstecken sich Filme, die einfach nur verstören: Wegen ihrer Brutalität, ihrer unterirdischen Produktionsqualität – und vor allem ihrer Einfallslosigkeit: Hai-Filme.

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Sie tragen Namen wie "Der weiße Hai – Die Abrechnung", "Sharktopus" oder "The Shallows – Gefahr aus der Tiefe" und unterscheiden sich nur in einer Sache: Nämlich wie es zu dem Hai-Angriff kommt. Manche Filme, wie "Sharktopus" oder der berüchtigte "Sharknado" setzen in Sachen Trash sogar noch mal eins drauf und driften in die Science-Fiction ab.

Die klassischen Hai-Filme

Eine Auswahl an Hai-Filmen

Doch die Haie im Film müssen nicht einmal in einem Tornado umher gewirbelt werden oder mit Tentakeln ausgestattet sein, damit die Story unterirdisch ist. Denn auch etwa der Film "47 Meters Down", dessen Story realistisch und Besetzung gar nicht mal so unpopulär ist, ist kaum auszuhalten. Hier ist der Trailer:

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Die immer gleiche Story der Hai-Filme

Die Story ist letztendlich immer dieselbe: Zu Anfang lernen wir die Hauptfiguren kennen, die nie komplexer konstruiert sind, als für die Story unbedingt nötig. Bei "47 Meters Down" bedeutet das: Eine der beiden Schwestern wurde gerade von ihrem Freund verlassen und möchte sich deshalb beweisen, dass sie eine spannende Persönlichkeit hat. Da kommt das Tauchen in einem Käfig, der von Haien umzingelt ist, natürlich gerade recht.

Tja und viel mehr Story kommt dann auch nicht mehr. Es gibt unzählige Aufnahmen, wie ein Körperteil aus dem Käfig hängt und man mit bedrohlicher Musik im Hintergrund einen Hai heran schwimmen sieht. Naht die Rettung, sterben alle? Im Film geht es nur um Panik, herausgerissene Körperteile und den Nahkampf ums Überleben. Wer zieht sich freiwillig so etwas rein? Und da die Antwort angesichts der vielen Hai-Produktionen offensichtlich "viele" lautet, müssen wir uns viel eher fragen: Warum zieht man sich so etwas freiwillig rein?

Beginn in den 70er-Jahren

Schuld an der ganzen Hai-Film-Misere ist der US-amerikanische Autor Peter Benchley, der Anfang der 70er-Jahre mit seinem Roman "Der weiße Hai (Jaws)" einen wahren Bestseller erschuf. 1975 drehte ein damals noch junger und noch relativ unbekannter Filmemacher namens Steven Spielberg die filmische Adaption zu dem Buch. Auch der Film wurde ein Superhit: Vom unvergesslichen Filmplakat bis hin zum musikalischen Thema, das nur aus zwei Tönen besteht (dädäm däädäm dääädäm) war einfach alles originell.

Das legendäre Filmplakat zu "Jaws" (Deutsch = Kiefer)

Ursprünglichste Angst des Menschen

Typisch für Spielberg: Am gruseligsten waren die Film-Szenen, in denen man den Hai nur kurz oder gar nicht sah. Denn der Regisseur hat eines verstanden: Von einem unsichtbaren Monster, das von unten kommt, lebendig gefressen zu werden, wenn man hilflos im Meer und weit vom Strand entfernt ist, ist eine der ursprünglichsten Ängste des Menschen.

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All die Technologie, die der Mensch erfunden hat und mit der er sogar zum Mond reist, ist jetzt nutzlos und kann dich nicht vor dem Tod schützen: Mitten im Ozean bist du nicht mehr als Beute: Wie eine Maus, die einer Katze gegenübersteht. Nur dass du nicht einmal weglaufen kannst: Der Lebensraum Ozean ist für uns Menschen lebensfeindlich, unüberschaubar und so riesig, dass wir uns darin verloren fühlen.

Haie töten in unseren Augen grausam

Dazu kommt: Haie sind nicht wie andere Raubtiere, die dich erst töten und dann verspeisen. Haie zerreißen dich Stück für Stück mit ihren Zähnen und du kannst nach jedem Angriff sicher sein, dass sie gleich wiederkommen.

Symbolbild: Weißer Hai

Faszination Hai

Was ist also der Grund dafür, dass so viele Menschen Hai-Filme schauen? Die Antwort lautet: Faszination. Heutzutage geraden wir so gut wie nie in Situationen, in denen wir ums nackte Überleben kämpfen. Aber die Weite des Ozeans und die Unsicherheit darüber, was darin lauert, bedienen unsere tiefste Urangst, die wir sonst nie zu spüren bekommen. Dieses Gefühl ist heutzutage so ungewöhnlich, dass es uns fasziniert. Diese Erklärung gilt jedoch nur für "realistische" Hai-Filme. Was Menschen antreibt, die "Sharknado" anschauen, werden wir wohl nie erfahren.

  • Quelle:
  • Noizz.de