... is' ja wie beim Echo.

Die Grammys sind der größte Musikpreis der Welt und haben bereits ihren 60. Geburtstag hinter sich. Alleine schon nominiert zu sein, ist für viele Musiker wie Weihnachten und Geburtstag zusammen. Wie das bei Preisverleihungen aber so ist, kann nicht jeder gewinnen. Enttäuschte, entrüstete und wütende Gemüter liegen also in der Natur des Events und natürlich standen und stehen die Grammys als so wichtige und emotionale Veranstaltung immer wieder in der Kritik. Doch dieses Jahr war es irgendwie anders: Auf einmal scheint sich alle Welt gegen die Grammys zu kehren – was ist da los?

>> Warum Kendrick Lamar, Drake und Childish Gambino die Grammys boykottieren

Bereits im Vorfeld kam raus, dass Kendrick Lamar, Drake und Childisch Gambino die Grammys boykottieren werden. Heißt: Sie wollten am Abend weder auftreten, noch überhaupt erscheinen. Die Rapper haben nach wie vor das Gefühl, dass die Grammys Hip-Hop als Genre immer noch nicht so schätzen und würdigen, wie es eigentlich sein sollte.

Drake ist dann aber spontan doch erschienen und hat seinen mittlerweile dritten Grammy strahlend in Empfang genommen. In seiner „Dankesrede“ teilte er dann aber ohne Umschweife aus:

„Wenn es normale Menschen gibt, mit normalen Jobs, die durch Regen und Schnee fahren, um ihr Geld für eure Konzerte auszugeben, dann habt ihr bereits gewonnen und braucht das hier (den Grammy) nicht mehr.“ Die Rede wurde dann vom Veranstalter einfach abgebrochen. Lol – sind wir hier in Nord Korea?

Die Mutter von 21 Savage ihrerseits fuhr die Grammys an, weil sie ihr nicht die Tickets ihres Sohnes geben wollten, der wegen illegaler Einwanderung gerade in Haft sitzen muss und nicht erscheinen konnte. Sein gemeinsamer Song mit Post Malone „Rockstars“ war nominiert.

Nach der Verleihung rantete auch Ariana Grande. Im mittlerweile gelöschten Tweet schrieb sie: „Ihr ladet die Eltern von Mac Miller ein, aber gebt ihm keinen Grammy?! Seid ihr dumm?!“ Der Rapper ist vergangenes Jahr an einer Überdosis Drogen gestorben und war für sein letztes Album „Swimming“ nominiert. Aber so traurig sein Tod auch war: Die Grammys zeichnen Musiker für ihre Kunst aus und nicht für ihre tragischen Lebensumstände. Aber wieso ging das nicht auch bei 21 Savage?

Die Popsängerin hatte bereits im Vorfeld gewütet. Dabei ging es um ihre Entscheidung, am Abend nicht auftreten zu wollen.

„Ich habe drei verschiedene Songs angeboten. Für mich geht es dabei um Zusammenarbeit. Es geht darum, unterstützt zu werden. Es geht um Kunst und Authentizität. Nicht um Politik. Nicht um Gefallen und Spiele spielen. Für euch ist es ein Spiel ... und es tut mir leid, aber das ist nicht das, was Musik für mich ist.“

Ebenfalls auf Twitter aktiv: Rapper J Cole. Der hielt sich und allen anderen Stars ohne Grammy mit einem mehr als kitschigen kleinen Gedicht vor Augen, wie unwichtig der Preis ist:

„Meinem Herzen geht es gut, denn es weiß: Was für mich gedacht war, wird auch zu mir kommen und was mir fehlt, war nie für mich gedacht.“

Dann gibt es da noch die Taylor-Swift-Fans. Ihr Idol hat dieses Jahr leider nichts gewonnen, in der Vergangenheit aber bereits zehn Mal das Rennen gemacht. Ihre treuen Fans drohten nach dem Abend mit einem Grammy-Boykott ihrerseits. Wie genau sie das machen wollen, haben sie allerdings noch nicht gesagt.

Warum hasst gerade jeder die Grammys?

Vielleicht ist Hass nicht das richtige Wort. Aber es gibt gerade auf jeden Fall eine Ablehnung und Anti-Haltung gegen den Award und das nicht mehr nur von Rappern oder Einzelnen. Berechtigte Kritik oder abgehobene Star-Allüren der Popsternchen und Großverdiener? Ich denke, es ist die gute alte Mischung aus beidem.

Es scheint, als seien die Grammys tatsächlich ein totalitäres System, das sich benimmt, wie es will, weil es sich benehmen kann, wie es will. Wer auftreten will, tanzt nach den Regeln der Grammys. Wer in seiner Dankesrede Kritik ausübt, wird abgeschnitten. Warum hat die Mutter von 21 Savage nicht die Tickets ihres Sohns erhalten? Die Grammys stehen eh schon seit Ewigkeiten in der Kritik, Rap und People of Color zu benachteiligen. Das wäre doch die Gelegenheit gewesen, dagegen ein Zeichen zu setzen.

Klingt nach einer Veranstaltung, die man mit gutem Grund boykottieren kann oder vielleicht auch sollte. Die Krux für mich sind die Künstler, die die Grammys kritisieren, ihre Preise aber trotzdem annehmen – egal, ob persönlich oder nicht. Drake, wenn du die Grammys so scheiße und unwichtig findest, wie du im Vorfeld und während deiner Rede gesagt hast, dann nimm diesen verdammten Preis nicht an! Das Gleiche gilt für Childish Gambino, der mit „This is America“ gleich zwei Mal abgesahnt hat. Was soll das?!

An diesem Punkt sind die Kritiker leider keinen Deut besser, als der Veranstalter – äußern erst absolut gerechtfertigte Kritik, aber sind dann doch zu narzisstisch und erfolgsbesessen, um den Preis nicht anzunehmen.

Und das sind sie, die Grammys und ihre Stars: Ein repressiver Veranstalter mit fragwürdigen Werten, und ein großer Haufen erfolgssüchtiger Menschen, die für ein kleines goldenes Grammofon ihre Haltung über Bord schmeißen und sich im Nachhinein mit kitschigster Lyrik aufmuntern müssen, um über ihren Schmerz hinwegzukommen.

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Quelle: Noizz.de