Menschengroße Murmeltiere und Thomas Gottschalks absolute Unfähigkeit – ein Traum.

Als wohl letzte Verfechterin des alljährlichen Trash-Spektakels "Germany’s next Topmodel" habe ich das Finale gestern einfach nur genossen!

Die letzte Folge der 14. Staffel im Schnelldurchlauf: Als Erstes flog die nichtssagende Cäcilia raus, die bildhübsche Sayana wurde Zweite und Simone – eine etwas weniger authentische Version von Betty aus Staffel neun – gewann das letzte Foto. Viel interessanter als die Siegertreppchen waren aber all die großartigen Absurditäten, die Prosieben in diesem Jahr als Highlights in die Show einbaute.

Ich liebe es – lasst mich!

Während ich im Internet und im echten Leben mit absoluter Fassungslosigkeit über eben diese Absurditäten des 14. GNTM-Finales begrüßt wurde, fällt es mir echt schwer, Heidi und ihre Mädels weiterhin zu verteidigen. Doch ich werde es im Folgenden versuchen. Denn ich finde, GNTM immer noch richtig richtig lustig, Heidi manchmal sogar sympathisch, und das Finale einen perfekten Abschluss zu einer wirklich unterhaltsamen Staffel.

Das absolute Highlight im Finale war natürlich die Hochzeit zwischen Kandidatin Theresia und ihrem Thomas. Die Beziehung zwischen den beiden war schon die ganze Staffel ein zentrales Thema. Unter anderem, weil Theresia immer ihr Kuscheltier-Murmeltier "Herbert" dabei hatte, den ihr Thomas schenkte. Dann, als in Folge acht ein Casting für Brautkleider anstand, erzählte Theresia schon, sie wolle UNBEDINGT in dem Brautkleid dieser Designerinnen ihren Thomas heiraten. Den Job bekam sie leider nicht.

Eine TV-Hochzeit mit einem Plüschtier als Trauzeuge

Doch im gestrigen Finale durfte sie das Brautkleid der Designer dann tatsächlich doch tragen – und heiratete in dem Kleid ihren Thomas. Life im TV, quasi. Heidi führte die Zeremonie durch und Teilnehmerin Tatjana war zusammen mit einem menschengroßen Plüsch-Murmeltier Trauzeugin. Zufälligerweise war es sogar der Jahrestag von Theresia und Thomas, und obwohl alles hart Kitsch schrie, war es trotzdem leider wirklich süß. Mit einer halben Träne im Auge dachte ich mir nur: Wie schön, dass Theresia alles bekommt, was sie je wollte. Sich darüber das Maul zu zerreißen, wäre gemein und nicht gerechtfertigt.

Doch bei dem menschengroßen Murmeltier hört die wundervolle Absurdität des Finales nicht auf. "Klaudia mit K" aus Staffel 13 moderierte den Abend und hielt vom Backstage ihre Ansprachen unentwegt mit einem riesengroßen glitzernden "K" im Hintergrund. Extrem überzogen und albern – und deswegen gut.

Auf der Bühne spielte sich derweil ein ganz anderes Spektakel ab. Thomas Gottschalk, das wohl verpeilteste Mitglied des ganzen Abends, wurde von Heidi und der anwesenden Tyra Banks mit so abschätzenden Blicken bestraft, dass er sich hoffentlich heute selber schämt für seinen Auftritt gestern Abend. Er nannte einen Walk der Mädels "Kinderfasching", legte sich einmal halb auf die Couch, wobei er fast im Obstsalat landete, war laut Heidi bei keiner der Proben für die Show anwesend (was sie ihm unter gezwungenem Lachen auf der Bühne an den Kopf warf), und verpatzte seinen einzigen Job als Ring-Träger bei der Hochzeit. Er verstand nicht, dass das Brautpaar die Ringe wohl auch brauchen würde, wenn sie heiraten. Irgendwann raunte Heidi ihm sogar auf der Bühne zu "Ich lass dich jetzt nicht mehr alleine."

Simone ist an diesem Abend so oft umgeknickt, dass es schon mir als Zuschauer wehtat. Zum Ende hin trug sie auch eine Bandage. Wie durch ihre Bänder nach diesem Abend eigentlich waren, will ich gar nicht wissen. Diese Frau muss unglaubliche Schmerzen ertragen haben und ließ es sich gar nicht anmerken. Tapfer lief sie bis zum Ende, obwohl man die Tränen in ihren Augen gesehen hat. Jemand, der sich immer in den richtigen Momenten zusammengerissen hat. Ein Skill, den sie schon die ganze Staffel über zur Schau gestellt hatte.

Das heimliche Highlight: Tokio Hotel

Sie lieferten mit ihrem Auftritt des Songs "Melancholic Paradise" richtig ab, Bill sang wie ein zweiter Freddie Mercury auf der Bühne, dann ging auf der Bühne der Regen los und die klitschnassen Boys feierten sich. Als sie von der Bühne kam, begrüßte Heidi den Gitarre-spielenden Tom so liebevoll, dass ich mir ein Lächeln nicht verkneifen konnte.

Also hasst ruhig die Menschen, die sich jedes Jahr ganz un-ironisch das GNTM-Finale reinziehen. Trotzdem muss man nicht aus Prinzip haten, weil etwas trashig ist. Denn das wäre doch viel zu einfach. Vielleicht kann man auch manchmal wertschätzen, wie viel Mühe sich die Kandidaten und die Planer der Show geben, und dass der Abend für sie zwar (machen wir uns nichts vor) überzogener Karneval ist, aber dieser Karneval eben auch echt unterhaltsam ist.

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Quelle: Noizz.de