Darf Kunst gewaltverherrlichend Politiker abschlachten?

Der Rapper Tarek K.I.Z. hat mit seinem neuen Musikvideo die alte Frage nach der Kunstfreiheit aufgeworfen. Was darf Kunst, was geht zu weit? Im Clip zu "Nach wie vor" schlachtet er Splatter-esque führende AfD-Politiker ab. Was Gegner des Rechtspopulismus lowkey befriedigen dürfte (und ich gehöre dazu), ist leider mehr als eine humorvolle Provokation – oder?

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Wie würden wir das Video wahrnehmen, wäre Tarek ein offen rechtsorientierter Rapper, der nicht die AfD, sondern SPD, CDU, Linke und Grüne abschlachtet? Ich glaube, der Skandal wäre um einiges größer. Und wohl zurecht.

Ich hasse die AfD, ich finde sie gefährlich und falsch, und würde mir nichts mehr wünschen, als einen Weg zu finden, Tareks Video richtig zu finden und unterstützen zu können. Doch das Video geht für mich zu weit, auch wenn ich mit Tarek und seiner politischen Haltung sympathisiere und ich finde, dass er für die richtige Sache kämpft und Position bezieht.

Ein Meinungstext, den ich eigentlich lieber anders schreiben würde.

Sympathie mit Tarek

Ich verstehe, wieso man intuitiv Sympathie mit Tarek und seinem Video empfindet. Die in Deutschland immer stärker werdende AfD weist inhaltlich und methodisch viele Parallelen zu den Nationalsozialisten auf, und das Dritte Reich ist und war ein Stück Geschichte, das wir so oder in ähnlicher Form niemals wiederholen wollen und dürfen.

Ein aktuelles Beispiel ist das Interview von Theo Koll mit dem frisch gewählten AfD-Chef Tino Chrupalla im ZDF, in dem der Politiker keinen Weg findet, sich von seinen ausländerfeindlichen und nationalsozialistischen Formulierungen zu distanzieren:

Wenn sich also jemand privat, öffentlich oder in seiner Kunst gegen die AfD und den Rechtspopulismus positioniert, finde ich das gut und extrem wichtig. Sollte hingegen jemand ein Schwert in die Hand nehmen und einem rechten Politiker den Kopf abschlagen, dann sieht die Kiste für mich anders aus. Töten ist verboten, das völlig zurecht, und da hilft auch keine edle politische Gesinnung.

Das weiß Tarek auch. Deshalb hat er die Klinge nicht im echten Leben gezückt, sondern zu einem Teil seiner Kunst gemacht. Trotzdem halte ich es für nicht richtig – frei nach dem Motto "Wer anders denkt, den töten wir."

"Ist doch nur ein Movie"

Das ist vielleicht das Gegenargument, das den meisten in den Sinn kommen würde, um Tarek zu verteidigen. Ich verstehe den Punkt, aber das macht es für mich nicht besser. Ich finde es falsch, solche Szenen zu verbreiten. Auch, wenn alles nur Fiktion ist und so übertrieben dargestellt wird, dass man eigentlich nur herzlich lachen möchte. Es geht für mich nicht, als Künstler Kriegsbilder zu entwerfen, die vom unterhaltsamen Tod der anders Gesinnten leben.

Und ich finde es grundsätzlich falsch, die Sprache der Gewalt zu sprechen, solange es noch irgendeinen anderen Weg gibt, den man gehen kann, um seine Stimme auszudrücken.

Ich habe es in diesem Text schon mehrfach gesagt, aber noch nicht oft genug: Die AfD ist für mich das größte nationale Problem und birgt ein riesiges Gefahrenpotenzial. Ich will jeden unterstützen, der sich gegen diese Menschen stellt. Aber es muss dabei eine Sprache gesprochen werden, die Probleme löst, die argumentativ überzeugt, die nicht noch mehr spaltet und aufheizt. Dieses Ziel das der K.I.Z.-Rapper mit seinem Musikvideo für mich unnötigerweise verfehlt.

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Quelle: Noizz.de