Jessica Chastain wirft der Handlung der Serie Verharmlosung vor.

Achtung, Spoiler: Wir sprechen an dieser Stelle über explizite Inhalte von "Game of Thrones". Vor allem geht es um die vierte Folge der achten Staffel – alle, die also hier noch nicht zu viel wissen wollen: Bitte Gehirn ausschalten beim Lesen.

US-Schauspielerin Jessica Chastain beanstandet die Entwicklung der Figur Sansa Starks in "Game of Thrones". Die Figur gilt als Badass-Woman, zu der sie allerdings erst heranwachsen musste. In früheren Folgen der Serie treffen wir Stark jedenfalls noch als schüchterne 13-Jährige. In der aktuellen Staffel nennt Stark nun auch den Grund für ihre positive Selbstbewusstwerdung zu einer starken Frau: Als Sansa in der neusten Episode auf Sandor Clegane ("Der Bluthund") trifft, kommt zur Sprache, dass er Sansa damals aus King's Landing retten wollte. Wäre sie mit ihm gegangen, hätte sie ihre mehrfachen Vergewaltigungen abwenden können – so der Bluthund.

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Sansas Statement dazu: "Ohne Kleinfinger, Ramsay und den Rest wäre ich mein Leben lang ein kleiner Vogel geblieben." Also genau die Männer, die auch ihre Peiniger waren, und Sansa erniedrigten, quälten und aus Lust an ihrer Macht missbrauchten.

Persönlichkeitsfördernde Vergewaltigungen?

Starks Aussage ist unmissverständlich: Ihre Vergewaltigungen haben sie dazu gebracht, sich nicht unterkriegen zu lassen. Ihr wurde schreckliches Leid angetan und nun ist sie unerschrocken und angstfrei. Jessica Chastain findet genau diese Message kritikwürdig: Eine Vergewaltigung sollte nicht der Anstoß sein, einer Persönlichkeit Kraft zu verleihen. Hier noch mal ihr Tweet dazu:

Chastain hat ja irgendwie Recht mir ihrer Aussage, dass die Kraft Starks nur aus ihr selbst heraus kommt. Nur würde man ihre Kritik ernster nehmen, wenn Jessica Chastain selbst Figur in "Game of Thrones" wäre – und die Regeln, Logiken und Entwicklungen dieser dort dargestellten Welt selbst mitgemacht hätte. Chastain ist allerdings Teil unserer wirklichen Welt, ihre Kritik wiegt also ähnlich schwer, wie wenn man sich darüber aufregt, dass der gesamte Plot von "Star Wars" im Prinzip auf einem überdimensionierten Vaterkomplex aufbaut. Wäre Darth Vader vielleicht immer noch brav unterwegs, wenn er nicht mit seinen schmerzhaften Erfahrungen zu kämpfen hätte?

"Game Of Thrones" – der Spiegel unserer Gesellschaft?

Die Diskussion die Chastains Tweet hier eröffnet ist nicht neu: Wie sehr darf Fiktion kritisiert werden? Eine Geschichte hat eben immer ihre Plots, Wendungen und eben ihre eigene Logik und Entwicklungen. Konjunktive sind da höchstens schöne Gedankenexperimente – die aber wiederum auch nur sinnvoll sind, wenn man sie auf Grundlage der gegebenen Fiktion anstellt.

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Die Entwicklung einer fiktionalen Figur zu kritisieren ist also schwierig. Man kann sich aber durchaus darüber Gedanken machen, warum eine Serie wie GoT so beliebt ist, und warum alle diese Mischung aus Mittelalter, Sex, Mord, Inzest und Gandalf so hart abfeiern. Brauchen wir den Bilderrausch? Brauchen wir brutale Bilder? Oder ist es eher eine Art Spiel mit dem Extremen – nur, um sich danach wieder an unserer schönen, sicheren Gegenwart zu erfreuen? Eine Gegenwart in der Chastains Worte sicherlich wahr sind: Eine Person sollte nicht durch schreckliche Erlebnisse gegangen sein müssen, um innere Stärke zu erfahren.

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Quelle: Noizz.de