Wir sitzen immer noch in der Corona-Isolation und lassen der Faulheit freien Lauf. Für viele Frauen* und Männer* heißt das auch, dass unnötiger Körperkult wie das Rasieren der Schambehaarung auf ein Minimum reduziert wird. Zeit wird's, denn es gibt nichts geileres, als weibliches Intimhaar.

In ihrer Kolumne "Fem as Fuck" betrachtet NOIZZ-Autorin Juliane Reuther aktuelle Geschehnisse aus einem feministischen Blickwinkel.

Schamhaar war schon immer ein kontroverses Thema, zumindest in meinem Leben. Schon als Teenager wusste ich, dass es sich als Frau gehört, einen glatten Intimbereich zu haben. Wieso? Keine Ahnung. Schönheitsideale halt, dachte ich und rasierte mir die ersten Härchen als Teenager mit der DM-Billig-Nachmache des Venus-Rasieres aus meinem Intimbereich. Die ersten Minuten nach der Rasur sind großartig, alles ist glatt und weich und fühlt sich einfach nur himmlisch an. Doch schon wenige Minuten danach beginnt der Horror. Stoppel sprießen und sehen einfach nur unästhetisch aus, sorgen für Juckreiz und kleine Pickelchen, wenn sich die Minihaare dann in deiner Spitzenunterwäsche verfangen.

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Kann mir irgendjemand ehrliche Vorteile eines glatt rasierten Intimbereichs nennen?

Dabei hat die Intimbehaarung beim Sex mit einer anderen Person – und das ist ja irgendwie der einzige Grund, wieso ich mir das angetan hab – eigentlich nie eine Rolle gespielt. Bei Unterhaltungen mit Freund*innen konnte ich mich oft nicht einmal mehr daran erinnern, ob mein Freund beim Sex gestern rasiert war oder nicht. Warum sollte es bei mir dann einen Unterschied machen? Mittlerweile liebe ich Intimbehaarung an mir beziehungsweise an Frauen* generell. Diese Verzückung ist nicht etwa aus einer feministischen Aktion heraus entstanden, sondern viel mehr aus Gemütlichkeit und mangelndem Bock auf einen juckenden, geröteten Venushügel.

Rein praktisch ist das Schamhaar sowieso die beste Lösung, wie oben genannte Nachteile ja zeigen. Dieser piksende Schmerz, wenn dir ein einen Tag alter Stoppel in den Fasern deiner Unterhose hängen bleibt und du dich dann ungeschickt bewegst, braucht in Zeiten von Donald Trump und Corona wirklich niemand auch noch aushalten. Und auch wenn nie jemand über Ausfluss und Periodenblut reden will, tut Schamhaar halt auch das, wofür es gemacht wurde. Körperflüssigkeiten irgendwie da behalten, wo sie hingehören.

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Das Ideal der immerjungen Frau* soll auch im Intimbereich gewahrt werden

Welche Menschen haben keine Schambehaarung? Kinder. Ich weiß, dieses Argument ist manchen jetzt vielleicht ein bisschen zu radikal. Aber: Seit ich mich mal mit der Fetischisierung von Kindhaftigkeit und Jugend, die sich in unserem weiblichen Schönheitsideal findet, auseinandergesetzt habe (ich fasse zusammen: Jung aussehende Frau – gut, alternde Frau – schlecht) ist es mir auch irgendwie unangenehm, komplett kahl rasiert zu sein. Denn rein natürlich kommt das nur vor, wenn man noch keine Intimbehaarung hat und damit ein Kind ist. Als 26-Jährige möchte ich aber nicht wie eine 13-Jährige aussehen und schon recht nicht, weil Männer* unserer Gesellschaft das als geil empfinden.

Aber im Alltag geht es mir noch nicht mal um diese Prinzipien, sondern einfach darum, dass Schambehaarung so unglaublich viel Spaß macht und echt einfach schön aussieht, in meinen Augen. Wenn die kleinen Härchen nach dem Duschen oder Baden gerade richtig weich sind und sich so perfekt kräuseln, dann ist das ein Anblick für die Götter. Und wenn man entspannt in der Badewanne oder im Bett liegt, während man in der einen Hand das Handy oder ein Buch hat, gibt es keinen chilligeren Zeitvertreib, als sich einfach die Intimbehaarung zu kraulen. Oder zu kleinen Spitzen einzudrehen, das ist so meditativ, als würde man gedankenverloren auf einem Block malen, während man gerade über absolut nichts nachdenkt. Und ein bisschen Meditation können wir gerade wohl wirklich alle gebrauchen. Na, überzeugt?

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Quelle: Noizz.de