Dumm fickt gut, stimmt nicht. Feminist fickt gut, vermutlich schon.

In ihrer Kolumne "Fem as Fuck" betrachtet NOIZZ-Autorin Juliane Reuther aktuelle Geschehnisse von einem feministischen Blickwinkel.

Nein, keine Sorge, das hier wird kein klischeehafter Artikel über Neujahrsvorsätze, die dein Leben verändern werden. Das ist ein Artikel darüber, dass kein Mensch, der noch irgendwie so etwas wie ein Selbstwertgefühl besitzt, 2020 noch mit Menschen Sex haben sollte, die sich nicht als Feminist*innen bezeichnen. Egal ob du Frau, Mann oder nonbinär bist.

Aber von vorne: Ein Feminist, das ist ein Mensch, der Feminismus unterstützt, so weit, so klar. Feminismus, das ist eine aktivistische Strömung, die sich (unter anderem) dafür stark macht, dass Frauen in unserer Gesellschaft gleichberechtigt behandelt werden. In meinen Augen erst mal nicht mehr und nicht weniger. Früher nannte man das deshalb auch noch Frauenrechtsbewegung.

Für viele schließt der Aktivismus heute, neben Frauen, alle systematisch benachteiligten Minderheiten ein. Ein Feminist sagt also: Hey, Frauen (und im Idealfall auch Transpersonen, nonbinäre Menschen und People of Color etc.) sind genauso viel Wert wie Männer und haben die gleichen Rechte verdient – das ist doch logisch. Leider nicht immer.

Eine Liste von Menschen, die meine Feminismus-Regel ausschließt und damit ihren Erfolg zeigt:

  • Donald Trump
  • Alexander Gauland
  • Dieter Nuhr
  • Piers Morgan
  • und dieser Typ, der immer unsere Facebook-Beiträge über Greta Thunberg mit dem Wort "Bitch" kommentiert

Für mich gibt es augenscheinlich mehrere Gründe, die Menschen, oder in meinem Fall Männer, davon abhalten, sich als Feminist zu bezeichnen. Erstens: Sie wissen eigentlich überhaupt nicht, was Feminismus überhaupt bedeutet. Selbst 2020 noch nicht. Das spricht für mich eine eindeutige Sprache: Du interessierst dich nicht für aktuelle Geschehnisse unserer Gesellschaft und blendest soziale Bewegungen wie das #MeToo-Movement einfach aus. An politischen Diskussionen zur Gleichstellung, ich sage nur Abtreibungsdebatte, kannst du dann eigentlich auch kein Interesse haben. Fazit: unfickbar.

Ein weiterer Grund, der eine Person davon abhalten könnte, sich als Feminist*in zu bezeichnen? Nun, manche Menschen glauben immer noch, dass Feminismus eine Bewegung ist, die den Mann unterdrücken und an den Rand der Gesellschaft drängen will. Noch besser: Menschen, die denken, als Feministin würde ich Männer hassen, weil Frauen sowieso viel besser sind.

Wie schwer ist es, einfach mal selbst nachzulesen, was Feminismus bedeutet?

Eine solche Person plappert einfach das nach, was sie in der Facebook-Kommentarspalte liest oder von Bekannten hört, "die da eine kennen, die ...". Sich keine eigene Meinung zu bilden, war schon immer verdammt unsexy. Noch mehr, wenn es nur einen einzigen Klick entfernt, im guten alten Internet, alle Informationen gibt, um fix nachzulesen, was es mit Feminismus auf sich hat. So faul und damit so ungebildet? Unfickbar.

Noch schlimmer wird es dann nur, wenn sich ein Mensch informiert hat und trotzdem dagegen ist. Das heißt dann nämlich wirklich nur: Gleichberechtigung für Frauen empfinde ich als irrelevant oder sogar kontraproduktiv für unsere Gesellschaft. Mit einer solchen Person sollte keine Frau, die noch irgendeinen Funken von Selbstrespekt hat, Sex haben. Ein Typ, der dir sagt, dass du nicht genauso viel wert bist wie er und nicht dieselben Rechte besitzen darfst, nur weil er einen Schwanz hat und du nicht? Unfickbar.

Ob aus Ignoranz, Faulheit, fehlender Bildung oder Überzeugung: Wer sich nicht als Feminist bezeichnet, kann sich den Slide in meine DMs beziehungsweise mein Bett sparen. Diese Regel wäre damit also etabliert. Who's in?

Eine Liste von Menschen, die meine Feminismus-Regel für gut befindet und damit ihren Erfolg zeigt:

  • John Legend
  • Ryan Reynolds
  • Beyoncé
  • Jameela Jamil
  • Barack Obama

Bei Fake-Feministen wird's schwieriger

Einziges Problem, was wenn Typen sagen, sie seien Feminist und verhalten sich dann aber überhaupt nicht so? Zu sagen, man sei Feminist und dann auch im Alltag einer zu sein, sind ja leider zwei paar Schuhe. Ich glaube fast, das lässt sich nur mit so etwas wie dieser altmodischen, traditionellen 3-Dates-Regel klären. Erst mal beobachten, in den Unterhaltungen ein paar rhetorische Fallen legen und abwarten. Oder einfach bei einem One-Night-Stand alle Prinzipien über Bord werfen, wie es ja ebenfalls Tradition hat.

Klingt beides nicht so optimal. Vielleicht auch einfach mal direkt nachfragen – zum Beispiel: Wie findest du es, dass Frauen immer noch weniger Geld verdienen als Männer und nicht-weiße Frauen sogar noch weniger? Wenn dann so etwas kommt wie: Na ja, die sind selbst Schuld, die fragen ja nie nach mehr. Dann greifst du nach deinem Glas Wein, trinkst es seelenruhig leer und rennst so schnell du kannst.

Mehr aus meiner Kolumne Fem as Fuck lesen – und dich damit in einen fickbaren Feminist verwandeln – kannst du hier.

>> Wieso wir immer noch zu wenig über häusliche Gewalt gegen Frauen reden

>> Jungfräulichkeit ist ein soziales Konstrukt, das Frauen und ihre Sexualität unterdrückt

Quelle: Noizz.de