Und eine Studie zeigt jetzt, warum ihr das eigentlich macht ...

Es ist ein Foto, das ich schon zigfach gesehen habe. Und doch gewöhne ich mich nicht daran. Jedes Mal aufs Neue: Meine Nackenhaare stellen sich auf, meine Augen verdrehen sich wie autopilot-gesteuert in Richtung Decke, und ich wische hektisch mit dem Finger übers Smartphone, um das Grauen schnellstmöglich aus dem Sichtfeld meines Facebook-Feeds zu bekommen.

Mein persönlicher Horror hat einen Namen: „followmeto“ („Folg mir nach“). Er besteht größtenteils aus einem Rücken – bevorzugt einem weiblichen – und zwei Händen, die sich aneinander festhalten. Im Idealfall vor malerischer Urlaubskulisse, tropischer Strand, azurblaues Wasser, sowas. Romantisch finden das viele. Zum Kotzen, finde ich.

„Followmeto“ ist ein Pärchen-Phänomen und soll dem Betrachter vermitteln: Ich hänge an der Hand meiner großen Liebe, ich lasse mich mitziehen, wo immer sie auch hinwill. Das ist schön für euch, liebe followmeto-Pärchen. Aber es interessiert mich nicht.

Die Händchenhalte-Bilder sind nur ein Teil des Pärchen-Posings, das ich jeden Tag in meiner Facebook- oder Instagram-Timeline ertragen muss. Knutsch-Selfies, das liebevoll vom Partner zubereitete Frühstück am Bett, die Flugtickets für den gemeinsamen Urlaub. #relationshipgoals. Für mich: #dunervst.

Bevor jetzt der „Die ist ja nur neidisch“-Shitstorm über mich hereinbricht: Ja, ich bin single. Mit meiner Abneigung gegen übermäßiges Zurschaustellen der eigenen Beziehung hat das aber rein gar nichts zu tun. Ich frage mich: Warum muss das sein? Ist das eigene Beziehungsglück nicht etwas Intimes, das man zu zweit genießen möchte?

Eine Studie aus Großbritannien von 2014 hat bestätigt, was ich schon lange vermute: Viele Pärchen-Poser sind einfach unsicher. Durch ihr übermäßiges Social-Media-Gepose möchten sie anderen, vor allem aber sich selbst, beweisen: In meiner Beziehung läuft alles bestens.

Social Media-Inszenierung ist den Forschern zufolge ein Weg, die eigene Angst vor Ablehnung oder dem Verlust des Partners zu verringern. Interessant: Es sind eher introvertierte Menschen, die dazu neigen, ihre Beziehung öffentlich darzustellen.

Für mich ergibt das Sinn: Wer sonst nicht mit seiner ach so glücklichen Beziehung angeben kann, weil er zu schüchtern dafür ist, wählt eben den weniger direkten Weg – und nervt mit Pärchen-Content im Internet.

Ich finde: Wie viele Pärchenfotos man in Social Media postet, sagt nichts, aber auch gar nichts, darüber aus, wie glücklich eine Beziehung wirklich ist. Außerdem nervt der „followmeto“- und Knutsch-Content die meisten eurer Freunde.

Investiert doch lieber eure Energie, um euch im echten Leben um euren Partner zu kümmern. In der Zeit, die ihr dafür braucht, Filter und Hashtags für eure Pärchenbilder zu finden, könntet ihr ihm oder ihr zum Beispiel einfach einen Kuss geben.

Quelle: Noizz.de