Schluss mit diesem Druck! Endlich wieder entspannt verschenken.

Weihnachten ist die schönste Zeit des Jahres. Das Fest der Liebe. Ruhig. Besinnlich. Harmonisch. Nun ja. Spätestens, wenn es darum geht, was wir wem wann unter den Tannenbaum legen wollen, ist es mit der kuscheligen Spekulatius-Glühwein-Stimmung vorbei. Geschenke besorgen ist Stress pur.

Warum? Weil es oft einfach mit so vielen Erwartungen verknüpft wird. Das perfekte Weihnachtsgeschenk sollte im Idealfall etwas mit den individuellen Vorlieben des zu Beschenkenden zu tun haben, einer gewissen Qualität entsprechen (es sollte zum Beispiel auf keinen Fall aussehen, als käme es aus dem 1-Euro-Shop) und noch viel wichtiger: Es sollte dem Beschenkten auch gefallen.

Mit der Suche nach eben jenem Präsent verfällt man jedes Mal in die gleiche Misere: Eigentlich könnte es so einfach sein. Man geht in einen Laden, sucht was Hübsches aus, packt es nett ein – und fertig. Da habe ich aber die Rechnung ohne mein Entscheidungs-unfreudiges Gehirn gemacht. Ich beginne zu Grübeln: Ist das wirklich das bestmögliche Geschenk? Wie wird der oder die Beschenkte wohl darauf reagieren? Ach nein, ich kaufe, glaub ich, doch lieber das andere. Oder doch dieses eine Buch? Oder, oder, oder – es gibt so viele potentielle Geschenkideen, dass ich eigentlich nie weiß wo ich anfangen soll.

Dann ist es auf einmal der 23. Dezember, und ich stresse mich unnötig, indem ich auf den letzten Drücker von Laden zu Laden renne, um irgendwann entnervt am Glühweinstand im innerstädtischen Weihnachts-Höllen-Markt bei einer Tasse mit Schuss zu versacken. Ja, so ist das.

Aber Freunde, hört her – es gibt einen Ausweg!

Er nennt sich: Geschenke selber machen. Ja, ich weiß, es klingt albern und ein bisschen nach Kindergarten. Man denkt erst mal nur an Uhu-Kleber, Prittstift, Glitzermalstifte und so. Aber es ist weit mehr als das. Und es löst so viele Probleme auf einmal. Ihr wollt mir nicht glauben? Pfff! Ich hab am Anfang auch gedacht, was soll das. Aber wenn man eine gute Mischung findet, aus etwas selber machen und eine schöne Sache kaufen, entlastet das einen selbst ungemein.

Es bringt einen nämlich zur Vernunft, nicht jeden Wahnsinn mitmachen zu müssen. Lasst es mich genauer erklären:

1. Du setzt dich intensiver mit dir und den Menschen, die dir etwas bedeuten, auseinander

Eins vorneweg: Etwas Selbstgemachtes zu verschenken, bedeutet nicht automatisch, auf etwas verzichten zu müssen. Oder für die andere Person, der man eine Freude machen will, gar nichts einzukaufen. Ein DIY-Geschenk kann so vieles sein. Die Lieblingszimtsterne, eigene Pralinen, ein handgegossenes Stück Seife oder eine Kerze, ein selbst genähtes Kissen oder ein Jutebeutel. Oder aber ein Glas mit dem perfekten Dekor, das man natürlich selbstgezeichnet hat.

Aber bevor man jemandem eine Freude machen kann, muss man sich schließlich auch überlegen, was das denn sein könnte. Klar, das muss man bei einem Kaufhaus-Geschenk auch, aber es ist doch noch mal was anderes, wenn es um eine Eigenkreation geht. Es ist ein bisschen um die Ecke denken. Und dann setzt man sich automatisch viel intensiver mit den Menschen, die einem lieb und teuer sind, auseinander.

Denn man hat ja auch viel mehr Möglichkeiten, genau das auszuwählen, was der andere mag – an Farbe, Materialien, Zutaten etc. Unerwünschte Nebeneffekte, wie irgendein allergieauslösender Stoff, von dem man nichts wusste, sind damit schon mal ausgeschlossen. Yeah!

2. Du musst nur einmal losziehen, um deine Materialliste abzuklappern...

...statt in hunderten Etappen jedes Mal in einen Laden zu rennen, in der Hoffnung, etwas Cooles zu finden. Es ist so befriedigend, wie eine To-do-Liste abzuhaken. Und auch hierbei kann man ja solches und solches auswählen. Aber du wählst natürlich das beste und stilvollste an Material, was du finden kannst.

Ach ja, und falls ich das noch nicht erwähnt hatte. Für mich fallen auch selbstorganisierte Events unter ein selbstgemachtes Geschenk. Selbst wenn du für die Lösung mit Autor XY eine Karte besorgen musst, du gehst ja mit und sorgst für alles drumherum und dass es schön verpackt ist. Hier geht es schließlich nicht darum, den Kommerz oder Kapitalismus zu boykottieren. Es geht darum, sich vor allem mal mehr mit dem anderen auseinanderzusetzen, sich weniger zu stressen und Zeit zu schenken. Gleich im doppelten Sinne. Womit wir beim nächsten Punkt wären.

3. Du nimmst dir Zeit für das Geschenk – und das ist das vielleicht größte Zeichen von Wertschätzung

Sind wir ehrlich: Es ist mühsam. Wenn du in einen Laden gehst und ein Buch kaufst, ist das in maximal 20 Minuten erledigt. Willst du aber einen Kissenbezug nähen, ihn vielleicht sogar noch besticken oder einen Schal stricken – tja, das dauert mindestens ein paar Stunden. Je nachdem, wie geübt du damit bist. Aber auch das hat verborgene Vorteile.

Zum einen hast du in unseren rastlosen, digitalen Zeiten endlich ein Hobby gefunden! Und dann auch noch ein kreatives, etwas, das man mit der Hand macht. Wer das schon mal ausprobiert hat, weiß, dass die Entschleunigung verdammt gut tun kann. Vor allem, wenn man sonst ständig vor den Bildschirmen hockt. Du wirst sehen, sich mit den Geschenken zu beschäftigen, wird auch dich ruhiger machen.

Und auch für den Beschenkten hat die Zeit, die du in dein ganz besonderes, individuelles Geschenk investiert hast, einen ziemlich hohen Wert. Jeder, der es anschaut, wird wissen, dass du dich gezielt da rangesetzt hast und in dem Moment an denjenigen Gedacht hast und all deine Mühen da reingelegt hast. Das ist ein Zeichen von Wertschätzung und Anerkennung, das jeder nur lieben kann.

PS: Wer Skrupel hat, etwas selbst zu stricken, weil Omas Pullover ja immer so kratzig waren: Psst, die haben einfach keine gute Wolle gekauft.

4. Ein Geschenk selber zu machen, bedeutet nicht, dass es nur um immaterielle Dinge geht – aber es kann auch darum gehen

Wie ich bereits erwähnt hatte, ist es für mich kein Tabu, etwas Besonderes zu kaufen, das man dann noch aufbereitet oder individulaisiert. Schließlich kann nicht jeder ein mundgeblasenes Glas hervorzaubern oder eine Tasse töpfern. Falls doch: Good for you. Aber beim DIY-Geschenk geht es auch darum, seine eigenen Grenzen zu erkennen und sich selbst nicht unnötig zu stressen. Es kann schon schön sein, sein eigenes T-Shirt für die Freundin zu Batiken. Das T-Shirt dafür musst du aber dann höchstwahrscheinlich auch kaufen, oder?

Aber ein selbstgemachtes Geschenk kann auch ganz ohne einen Gegenstand auskommen. Hast du früher als Zehnjähriger aus purer Verzweiflung Mama einen Gutschein fürs Kuscheln geschenkt, kann vielleicht jetzt ein "Gutschein" für ein Kochdate oder eine Fahrradtour dann doch eine ganz charmante Idee sein. Wenn sie denn von Herzen kommt, schön verpackt wird und es eine Geschichte dazu gibt. Sich einfach so was aus den Ärmeln zu schlagen, ist natürlich boring. Man sollte die Mühe erkennen und eben auch wieder die Zeit, die du investiert hast.

5. Wer einen Teil seiner Geschenke mit den eigenen Händen macht, wird auch die Mühen anderer mehr zu schätzen wissen

Du hast alles durchgespielt: Die falschen Maschen gestrickt, das Kettenband beim selbstgemachten Lampenschirm ist gerissen, du hast dich auf dem Kaligraphie-Poster verschrieben, und, und, und. Nicht alles wird beim ersten Versuch einwandfrei über die Bühne gehen. Einiges wird schief gehen. Aber wenn dein Kunstwerk dann doch fertig ist – du wirst stolz wie Bolle sein.

Ein mit den eigenen Händen gemachtes oder aber mit dem Kopf selbst erdachtes Geschenk ist etwas, das von dir kommt. Es steckt Herzblut drinnen. Vielleicht klingt es ein bisschen pathetisch, aber es zeigt auch, was der Mensch kann. Und weil du weißt, wie anstrengend und phasenweise kompliziert es ist, das alles anzufertigen, wirst du auch das, was andere für dich tun, bald mehr zu schätzen wissen. Das ist doch ein schönes Gefühl.

6. Ein selbstgemachtes Geschenk nimmt dir den Druck, das perfekte Produkt finden zu müssen – denn du schaffst es dir einfach selber

Viel mehr gibt es dazu auch nicht zu sagen. Ich war selbst lang genug gefangen in diesem Dilemma. Je wichtiger dir die Person ist, der du eine Freude machen willst, desto mehr Druck machst du dir. Umgekehrt ist es wahrscheinlich – Schrägstrich hoffentlich – genau das Gleiche. An sich ist das natürlich irgendwie cool und süß, weil es ja zeigt, dass ihr euch viel bedeutet. Aber man kann dadurch auch richtig fies zu sich werden.

Vor allem, wenn dann der Tag der Bescherung kommt und man dann doch irgendwie vom Präsent des anderen enttäuscht ist. Das ist super mies und eigentlich auch mega unfair, weil der andere schließlich wirklich nicht die Intention hatte, was Doofes auszusuchen. Trotzdem nagt es irgendwie an uns dann.

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Kreierst du deine Gabe für unterm Tannenbaum einfach selber, nimmt das aber eine Menge Druck aus dieser Sache. Weil es nichts Vergleichbares dazu gibt. Es ist einzigartig. Und das gibt einem auch wieder ein gesünderes Verhältnis zueinander zurück.

7. Man motzt sich einfach weniger an. Wirklich. Es ist so.

Das geht natürlich mit Punkt sechs einher. Aber wenn man das DIY-Geschenk übergeben hat, ist es eben nicht nur das Geschenk an sich, es erzählt eine Geschichte. Wahrscheinlich wird man gefragt, wie man die Idee hatte, wie man es genau gemacht hat. Es ist einfach cool. Niemand kann sich da anmotzen. Amen!

Und wenn wir ehrlich sind: Wenn man etwas ganz alleine, selber gemacht hat, ist man irgendwie auch stolz auf sein vollbrachtes Werk. Ein kleiner Egopush. Gern geschehen.

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Quelle: Noizz.de