"Manche Leute rauchen, du hast deine Duftkerzen."

"Durch die Nacht? Das ist doch gefährlich!", erwidert meine Freundin, als ich ihr davon erzähle, wie friedlich es ist, zu einer Kerze mit Lotus-Duft einzuschlafen. "Nee, das ist schön", versuche ich ihr, mit Worten zu erklären. Doch fühle ich mich im selben Moment albern. Denn zu versuchen, das Gefühl, das mir Duftkerzen bereiten, zu verbalisieren, wäre einfach Blasphemie. Trotzdem werde ich es im Folgenden versuchen.

Es gibt viele Gegner der Duftkerze. Allen voran meine geschätzte Kollegin Silvia Silko, die Duftkerzen zuletzt als "sinnloses Geldgrab" verunglimpft hat. In ihrer Polemik schreibt sie, die Kerzen seien "ein Angriff auf die Geruchsnerven" und "teuer erkaufte Achtsamkeit". Andere Freunde sagen mir "Manche Leute rauchen, du hast deine Duftkerzen". Doch in meiner Welt sind Duftkerzen keine Geruchsnerven angreifende Störfaktoren. Sie sind gesundheitsfördernde, den Alltag entschleunigende Wohlfühl-Faktoren.

Und das kann ich beweisen.

Ein angenehmer Duft kann für einen Raum und das Wohlfühlvermögen extrem wichtig sein. Das bestätigt auch Geruchsforscher Hanns Hatt in einem Interview mit "Spiegel Online". Dort sagt er, dass Gerüche "unseren Körper, unsere Entscheidungen und Handlungen" beeinflussen. Sein Argument: Beim Betreten einer Bahn mit unangenehm stechendem Geruch fühlst du dich auch unwohl.

Heißt das nicht auch, dass dich ein angenehm riechendes Zimmer im Gegenzug automatisch wohlfühlen lässt? Ich kann das zumindest bestätigen.

Beim richtigen Einsatz können Duftkerzen sogar gesundheitsfördernd sein.

Kerzen mit natürlichen ätherischen Ölen bilden bei dem Verbrennen Stoffe, die andere schädliche Bakterien vernichten, wie aus einem Beitrag der "Handelskrankenkasse" hervorgeht. Besonders gut ist zum Beispiel Orangen-, Thymian- oder Eukalyptusöl. Orangenöl wirkt als Einschlafhilfe, da es das Schlafhormon Melatonin beeinflusst, Thymianöl hat eine belebende Wirkung, und Eukalyptusöl macht Atemwege frei. Ein Arzneischrank, verpackt in einer Handvoll Wachs, getarnt als entschleunigendes Entspannungsprodukt.

Ein bisschen vorsichtig musst du Duftkerzen trotz aller Vorteile genießen. Denn bei zu langem Aufenthalt in Räumen mit Duftkerzen können die verbrannten ätherischen Öle die Raumluft belasten und Kopfschmerzen auslösen, so "Stiftung Warentest". Kleiner Tipp: Irgendwo im Raum ein Fenster gekippt lassen. Problem solved (you’re welcome).

Gerne können die Duftkerzen-Hater dieser Welt sich darüber auslassen, dass eine Duftkerze nichts weiter als ein überteuertes Prestige-Produkt ist. Doch sind das nicht vielleicht Leute, die nie gelernt haben, Ruhe in ihr Leben zu bringen?

Es geht nicht darum, stolzer Besitzer eines Luxus-Lifestyle-Produkts zu sein oder seine Wohnung mit unnötigem Kleinkram vollzustellen. Es geht darum, sich mit einer kleinen Geste selber daran zu erinnern, dass es auch manchmal gemütlich sein kann. Dass du einfach zuhause in einem Schaukelstuhl sitzen kannst, während du ein Buch liest und einen Tee trinkst, ohne dich dabei mit negativ belasteten Begriffen wie "dekadent" oder "spießig" beschreiben zu müssen. Und während du da so sitzt, in deinem Schaukelstuhl, flackert in der Ferne eine kleine Flamme, und in der Luft liegt ein leichter Hauch Lavendelblüten.

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Quelle: Noizz.de