“Letzte Preis“ ist kein Meme. Es ist bittere Realität.

Es ist mal wieder so weit – es werden Vorsätze gemacht. Solltest du dir zum Beispiel auf die Liste geschrieben haben, mal deine Bude auszumisten, ganz getreu dem Marie-Kondo-Motto: "Was macht dir Freude?" – good for you. Allerdings solltest du tunlichst vermeiden, deinen aussortierten Kram bei Ebay-Kleinanzeigen verticken zu wollen. Warum, fragst du? Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll ...

Vielleicht beginne ich am besten chronologisch. Nach langer Wohnungssuche – Berlin eben – bin ich im Oktober diesen Jahres umgezogen. Der perfekte Zeitpunkt also, um alten Ballast abzuwerfen, die letzten Möbel aus der Studenten-WG, die bereits drei Mal mit umgezogen sind, zu entrümpeln, um danach neues Interior-Flair in die neuen vier Wände zu bringen. Dachte ich mir.

Naiv und nachhaltig, wie ich bin, dachte ich, es wäre äußerst schade meine Möbel, die eigentlich noch okay sind, auf den Sperrmüll-Friedhof zu schicken. Jemand anders kann gerne noch mit meinen Möbeln seine Freude haben. Also begab ich mich auf Ebay-Kleinanzeigen.

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Ein schrecklicher Fehler, wie sich innerhalb kürzester Zeit herausstellen sollte. Nachdem du mehr als ein Teil bei Ebay-Kleinanzeigen verkauft hast bzw. online gestellt hast, weißt du nicht mehr, was wahr und was falsch, was Satire oder Realität ist.

Ich hatte mir vorgenommen zwölf Teile bei Ebays Kleinanzeigenportal – immerhin das größte Deutschlands – zu verkaufen: Ein Bügeleisen mit Mini-Bügelbrett, eine Stereoanlage, ein Bücherregal, ein Doppelbett aus Holz, ein Kleiderschrank, ein Schreibtisch, ein kleines Regal, eine Küchenzeile inklusive Elektrogeräte und einen Kühlschrank, sowie ein vollständiges Service.

Meine Auswahl an Waren klang eigentlich recht vielversprechend, alles war in ganz gutem Zustand und ich war zu Beginn meiner Mission echt positiv gestimmt – denn da wusste ich noch nicht, was auf mich zukommen sollte. Spoiler: Das Facebook-Profil "Best of Kleinanzeigen" ist nur ein kleiner, absurder Auszug dessen, was auf diesem Portal wirklich passiert. Solltest du denken, die Posts dort sind fake – nach meiner Odyssee kann ich sagen: Sie sind es definitiv nicht.

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Es gibt genau drei Arten von Menschen bei Ebay-Kleinanzeigen: Die, die wirklich ernsthaft an einem normalen Angebot interessiert sind. Die, die dich einfach nur über den Tisch ziehen wollen. Und schließlich die, sorry, ich kann es einfach nicht anders sagen, es gibt keine anderen Erklärungsansätze.

Ich habe sie alle erlebt, in diversen Chat-Verläufen

Ich will euch ersparen, wie ich jedes einzelne Teil losgeworden bin und möchte euch deswegen nur die Highlights, quasi die Crème de la Crème von Ebay-Kleinanzeigen präsentieren. Den ersten Moment bei dem ich dachte "Bitte, was?!", erlebte ich zwei Minuten nachdem ich meinen ersten Artikel online gestellt hatte: das vollständige Service für sechs Personen, Steingut in einem stylischen himmelblau-dunkelblau Verlauf. Das Ganze gab es zum Preis von 15 Euro auf Verhandlungsbasis (VB, wie es so schön im Kleinanzeigen-Jargon heißt). Eigentlich ein recht faires Angebot. Dachte ich.

"Halo. Gibst du für 5?", lautete die Nachricht, inklusive Vertipper oder Rechtschreibfehler. Ich antwortete nett zurück: "Hallo, cool dass du Interesse hast. Wollen wir uns vielleicht auf zehn einigen?" Woraufhin ich die erste Lehre zog: Sei niemals so nett. Die Antwort: "Also, ich komm selbst abholen. Einfach sagen wann, wo klingeln ich. Nimm das auch für umsonst." Ich frage nach: "Also nimmst du es für 10 Euro?" – der potenzielle Käufer: "Nein, hab doch gesagt umsonst." Danke, Ende des Gesprächs.

Wie kommt jemand auf die Idee, etwas geschenkt bekommen zu wollen, bei dem ich mehr Geld heraus handeln wollte, als es sein erstes Angebot war?! Die Logik von vielen Ebay-Kleinanzeigen-Nutzer ist schleierhaft. Oder nicht existent.

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Während mysteriöserweise mein wirklich durch genudelter Kleiderschrank mit kleinen Mängeln ein Verkaufsschlager wurde – ich hatte für keinen anderen Artikel so viele Interessenten – blieben einige Artikel echte Ladenhüter.

Das besonders Nervige an meiner Ebay-Kleinanzeigen-Tortur war vor allem die Tatsache, dass ich nicht mehr in der Wohnung wohnte, in der die angebotenen Artikel waren. Manche Interessenten glauben auch nicht, dass man so etwas wie einen Job hat und jeder Zeit abholbereit in der Wohnung wartet, sodass sie mal eben in fünf Minuten vorbeischauen könnten. Wie konnte ich nur! Dafür durfte ich mich auch öfters die eine oder andere unverschämte Bemerkung anhören. Oder eher: durchlesen. Pünktlich sein, ist für viele auch sehr schwierig. Aber dazu komme ich noch.

Richtig schwer los wurde ich meine Küchenzeile. Hoffnungsvoll versuchte ich für das Prachtstück inklusive Herd, Ceran-Kochfeld, Spüle und Mischbatterie 500 Euro rauszuschlagen. Das Problem ist nur: Ebay-Kleinanzeigen ist die Küchen-Resterampe. So was wie der letzte Club in den du gehst, weil du sicher bist, dass du da abgeschleppt wirst und billig auf deine Kosten kommt. Klingt ein bisschen eklig, ist es auch irgendwie.

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Küchen werden zu Schleuderpreisen verhökert, die man sich nicht in seinen kühnsten Träumen ausdenken könnte. Angeblich funktionstüchtige Küchen, die wesentlich hochwertige rund größer als meine Wohnküchenzeile mit 2,45 Meter Länge werden mit Elektrogeräten für keine 100 Euro verkauft. Auch ich muss vor diesem Wahnsinn kapitulieren und gehe mit dem Preis irgendwann auf 250 Euro runter.

An diesem Punkt lerne ich meine nächste Lektion: "Letzte Preis" ist kein Meme. Es ist bittere Realität. Ich wurde es gefragt. Als mir ein 50 Euro Angebot für die Küche gemacht wurde und ich dankend verneinte. Nur dass mit dem "Tchuligom" und "mein Couseng ist doof, der macht das" kam mir nicht über den Weg. Aber noch 'ne Woche länger auf Ebay-Kleinanzeigen und es wäre sowas von passiert.

Am Ende ging die Küche an eine blinde Frau, die mit Hilfe einer sehenden Freundin meine Küche besichtigt und erfühlt hat. Sie hat sie ohne zu meckern für die 250 genommen. Es gibt also auch nette Leute auf Ebay-Kleinanzeigen. Genauso mein Bett, Schreibtisch, Geschirr, Bücherregal und der Kleiderschrank. Neben kuriosen Kleinanzeigen-Nachrichten vorher, gingen diese Gegenstände, die meine erste Berliner Wohnung geschmückt haben, an normale Leute, Studenten und Pärchen, die einfach nur ein Schnäppchen machen, aber nicht abziehen wollten. Es gibt also auch Hoffnung auf Ebay-Kleinanzeigen. Aber auch die hat ihre Grenzen.

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Eine Frau hat zum Beispiel nicht verstanden, dass ich nur den Schreibtisch und nicht das Regal neben dran auf dem ersten Foto verkaufe. Die Überschrift der Kleinanzeige lass sich "Platzsparender Schreibtisch mit Aufsatz für Bücher" und hat in keinem Satz das Wort "Regal" erwähnt. Die Frau wollte es schon kaufen, und ist dann doch abgesprungen, als ihr klar wurde, dass sie nicht ein großes Bücherregal und Schreibtisch für 35 Euro bekommt. Danach hat sie mir erstmal eine schlechte Bewertung verpasst. Danke für nichts.

Letzter Ausweg: Verschenken

Wenn du zu faul bist, eine Sache zum Werthof oder Sperrmüll zu bringen oder du sie einfach gar nicht mehr loswirst, gibt es den einen letzten Ausweg. Die "Zu verschenken"-Kategorie bei Ebay-Kleinanzeigen. Es ist der schlimmste Ort. Mit etwas Glück gelangst du an irgendeinen Ramschhändler, der deinen Elektroschrott noch zu Geld machen will. Der oder die holt das Teil relativ unkompliziert ab und freut sich, ist sogar pünktlich. War so bei meiner alten, nicht mehr ganz funktionstüchtigen Stereoanlage.

Aber auch mein Kühlschrank musste an diesen schrecklichen Ort. Weil ich einen Tag vor Wohnungsübergabe war und keiner eine funktionstüchtige Kühl-Gefrier-Kombi in Silber für 50 Euro haben wollte. Ich verstehe es noch immer nicht. Wenn du bei Ebay Kleinanzeigen etwas auf "Zu verschenken" stellst, ist es im Nullkommanichts weg. Wenn es etwas umsonst gibt, wollen alle es haben. Auch der Kühlschrank fand dann einen ominösen Abnehmer.

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Der wollte um 10.00 Uhr, also rund einer halben Stunde nach meiner Wohnungsübergabe kommen und das Ding aufgabeln. Es war schon unten im Flur und ich wartete auf den erlösenden Abholer. Ich wollte das Teil nur noch loswerden. Leider verspätete sich mein Kühlschrank-Abholdienst immer mehr. Am Ende war er fast zwei Stunden zu spät. Bei einer Verabredung, bei der er etwas geschenkt bekommen sollte. Wie unverschämt ist das eigentlich?!

Übrigens, Ebay ist sich seiner Ansammlung von Kuriositäten durchaus bewusst. Zum Ende des Jahres hin, veröffentlichte das Unternehmen ein Listicle mit den zehn kuriosesten Kleinanzeigen des Jahres 2019 – meine Angebote waren nicht dabei. Dafür aber ein Gefängnis, 15 Tonnen Knoblauch zum Verschenken und eine handzahme Stubenfliege. Mach dir dein eigenes Bild daraus.

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  • Quelle:
  • Noizz.de