"Aristocats", "Dumbo", "Peter Pan" – Disneys Klassiker sind nicht immer gut verdaulich. Sie strotzen teilweise nur so vor rassistischer Stereotype. Obwohl es schon lange ein Bewusstsein für diese problematischen Inhalte gibt, hat Disney erst jetzt Worte der Entschuldigung gefunden.

Es ist vergleichsweise leicht, Fehler der Vergangenheit in Vergessenheit geraten zu lassen. Viel schwieriger ist es hingegen, sich ihnen zu stellen und seine Schuld einzugestehen. Diesen Schritt hat nun der Streamingdienst Disney+ gewagt – endlich. Das Medienunternehmen konnte sich lange nicht eingestehen, dass einige seiner Filme ganz schön problematisch sind.

Disneys rassistische Darstellungen sind nicht nur veraltet – sie waren schon immer falsch

Vor Filmen, die rassistische Stereotype enthalten, blendet Disney+ seit einer Woche ein Statement ein: "Die [gezeigten] Stereotype waren damals falsch und sind es heute immer noch. Wir wollen diese Inhalte nicht entfernen, sondern ihre schädliche Wirkung anerkennen, davon lernen und eine Diskussion anregen, um zusammen an einer inklusiven Zukunft zu arbeiten." Die Warnung wird unter anderem vor "Dumbo", "Peter Pan", "Aladdin" und "Aristocats" gezeigt. Die Warnung enthält auch den Link zu einer Webseite, die problematische Szenen in einigen der Filme erklärt.

Disney+

Bei "Aristocats" wird zum Beispiel eine Siam-Katze gezeigt, die Klavier mit Stäbchen spielt, bei "Dumbo" Krähen, die eine Hommage an rassistische Blackfacing-Bands des 19. Jahrhunderts darstellen und "Peter Pan" zeigt eine vereinfachte Darstellung indigener Völker mit roter Haut. Disney+ wurde bei der Einordnung der problematischen Szenen von elf Organisationen wie der "African American Film Critics Association" und "CAPE (Coalition of Asian Pacifics in Entertainment)" unterstützt. Die Organisationen vertreten Minderheiten und beschäftigen sich mit der Darstellung von empfindlichen Inhalten in Film und Fernsehen.

Disneys Disclaimer findet zum ersten Mal den richtigen Tonfall

Disneys neuer Disclaimer ist mehr als überfällig. Noch vor zwei Jahren ordnete das Medienunternehmen die rassistischen Inhalte gar nicht ein, 2019 versuchten sie es dann mit dem Disclaimer: "Dieses Programm wird so gezeigt, wie es im Original kreiert wurde. Es könnte veraltete kulturelle Darstellung enthalten". Dieser Satz war womöglich gut gemeint – doch trotzdem war alles darin falsch. Das Wort "veraltet" deutet an, dass es mal in Ordnung war, rassistische Stereotype zu benutzen. Das Wort "kulturell" suggeriert, dass zum Beispiel Schwarz sein eine Kultur wäre – was es nicht ist.

Eine der rassistischen Szenen aus "Aristocats"

Das Bewusstsein für die schwierigen Inhalte klassischer Disney-Filme gibt es schon lange – doch erst jetzt, im Jahr 2020, findet Disney die richtigen Worte, um Fehler aus der Vergangenheit anzusprechen. Das Statement ist lange überfällig. Doch wenigstens existiert es jetzt – und setzt damit ein Zeichen für mehr Bewusstsein gegenüber rassistischer Inhalte, die wir viel zu lange als selbstverständlich angesehen haben und mit dem Vorwand einer "vergangenen Zeit" entschuldigt haben.

  • Quelle:
  • Noizz.de