Ein Selfie-Hintergrund ist kein Kunstwerk.

Am 26. September hat es eröffnet: das „Supercandy Pop-Up Museum“ in Köln. Als ich kürzlich die Werbung für den rosaroten Albtraum auf Instagram erspähte, war sofort klar: Hier handelt es sich um einen billigen Abklatsch des „Museum of Ice Cream“, einer Wanderausstellung aus den USA.

Der Zweck beider „Museen“ lässt sich relativ simpel zusammenfassen: Sie wollen Selfie-geilen Teenies und Bloggern das Geld aus der Tasche ziehen. Während das Original mit 38 Dollar zu Buche schlägt, kommen Instagram-Fans in Köln sogar richtig „billig“ weg. Denn wer es versäumt hat, den Frühbucherrabatt einzuheimsen, blecht für den Eintritt trotzdem nur knapp 30 Euro.

Von einem Museum kann dabei aber überhaupt nicht die Rede sein, denn statt Kunst finden Besucher nur etliche Räume, deren einziger Zweck Selfies sind. Ob im schwarzen oder pinken Bällebad, oder in einer pinken Badewanne: Im Supercandy-Pop-Up entstehen garantiert originelle Bilder. Denn abgesehen von den anderen Tausenden Besuchern, die die alte Fabrikhalle im Bezirk Ehrenfeld besucht haben, hat diese Selbstportraits wirklich keiner. Das Zielpublikum lässt auf der FAQ-Seite des „Museums“ ziemlich gut einschätzen:

„Ich habe ein Ticket für mich und meinen Freund gekauft. Der ist jetzt aber mein Ex. Gilt das zweite Ticket auch für meinen neuen Freund?“

... oder auch:

„Ich möchte mich in mehreren Outfits im Supercandy-Pop-Up-Museum fotografieren. Kann ich mich bei euch irgendwo umziehen?“

Der neue Boy kann übrigens mit und auch Umkleiden sind vorhanden....

Ja – auch ich liebe ein gutes Selfie. Und ich verstehe auch, dass es cool ist, ein ausgefallenes Bild bei Instagram hochzuladen (schließlich ist der Sinn und Zweck der App, andere neidisch zu machen). Das Ganze allerdings als Museum zu verkaufen, geht mir echt zu weit.

Was haben denn 20 verschiedene Selfie-Hintergründe mit Kunst zu tun? Das Bällebad von C&A hat damals ja auch keine Touristen aus fernen Ländern angelockt. Doch 2018 wird eben alles nur noch auf Instagram-Tauglichkeit reduziert – selbst die „Kunst“.

Auch Foodora beteiligt sich am Untergang der deutschen Kunstszene. Erst vor wenigen Wochen inszenierte Fast-Food-Lieferant in Frankfurt am Main eine „Ausstellung“, bei dem Fotos zum Thema Foodporn ausgestellt wurden.

Mit dabei: kesse Schnappschüsse von unseren Lieblings-Influencern beim Futtern von Nudeln, die natürlich von Foodora gesponsert wurden – #ad. Warum ich mir diese inspirierenden Ergüsse von Anouschka und Co. nicht einfach online anschauen kann – da wird ja schließlich das Gleiche gepostet – ist mir ein Rätsel.

Doch auch ernst zu nehmende Museen wie die Kunsthalle in München locken zunehmend mit Aktionen für Instagram-Jünger. So prangert dort mittlerweile dauerhaft ein Spiegel, der speziell für Selfies angebracht wurde. Natürlich mit der Bitte, den Hashtag zur aktuellen Ausstellung zu benutzen.

Diese Entwicklungen zeigen ziemlich deutlich, dass sich heutzutage wohl niemand mehr für Kunst interessiert, wenn man sie nicht für einen coolen Post ausschlachten kann. Denn selbst im weltberühmten „Museum of Modern Art“ in New York werden mittlerweile gefühlt mehr Blogposts inszeniert, als Warhols bestaunt.

Quelle: Noizz.de