Schlimmer geht es halt echt immer.

Die arabische Influencerin und Visagistin Ghadeer Sultan aus Kuwait hat bei Instagram eine große Reichweite – zwei Millionen Follower – und damit viel Einfluss. Wie läutet man als so erfolgreiche Bloggerin digital das Jahr 2020 ein? Na klar, mit einem Video, in dem man sich in verschiedenen Versionen von Blackface zeigt. (Du hast gedacht, langsam hätten alle verstanden, wieso Black- und Brownfacing nicht geht? Ja, wir auch.)

Zu der 2010er Version von "We Are the World" – gesungen unter anderem von Diana Ross, Stevie Wonder und Lionel Richie – zeigt sich Ghadeer in dem Clip mit verschiedenen Perücken und Hautfarben und spielt darin ein Musikvideo nach. Die Beauty-Bloggerin aus dem Land am persischen Golf hat selbst keine Schwarze Haut, doch hat sich für verschiedene "Figuren" in ihrem Video einen teils sehr (!) dunklen Teint geschminkt.

Das Ganze nennt sich dann eben Blackface bzw. Blackfacing, wenn eine nicht-Schwarze Person sich durch Make-up und Perücken in eine Schwarze Person "verwandelt" – und das fast immer basierend auf rassistischen Stereotypen über das Aussehen Schwarzer Menschen, die oft bereits in der Zeit der Sklaverei entstanden sind.

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Rassistisch findet Ghadeer das, trotz der grausamen Tradition von sogenannten Minstrel Shows, selbst überhaupt nicht. "Ich bin keine Rassistin, ich hasse Rassismus. Was ich getan habe, ist nur zu zeigen, wozu ich [als Make-up-Artist] fähig bin", schreibt sie zu einem Bild, auf dem sie in extremem Blackface zu sehen ist.

Wow, okay. Das ist also nicht "nur" eine Influencerin, die einfach zu viel ins Solarium geht, zu aufgespritzte Lippen hat und damit die Ästhetik Schwarzer Frauen imitiert was für viele nicht-weiße Frauen schon schlimm genug ist. Das ist eine Person, die sich vollkommen vorsätzlich mit Make-up in People of Color verwandelt.

Und das mit einer fadenscheinigen Begründung: "Egal, woher du kommst oder woran du glaubst, wir sind alle Kinder dieser Welt und wir alle teilen sie zu gleichen Teilen. Schönheit kommt in allen Formen und Farben, also lass uns einander lieben und unsere Einheit feiern", schreibt sie zu dem Video bei Instagram. Ja, also diese Aktion ist irgendwie nicht zu Ende gedacht.

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"Blackface im Jahr 2020, wow", schreibt eine Userin unter ein Bild der Bloggerin bei Instagram. Und auch sonst finden sich sehr viele negative Kommentare unter den entsprechenden Fotos und dem Video, die Ghadeer auf ihre unangebrachte Selbstdarstellung hinweisen. "Mir ist klar, dass du sagen willst: Hey, schaut mich an, ich bin nicht rassistisch. Aber Blackface ist nicht der Weg, das zu tun", kritisiert ein Nutzer, ein anderer urteilt glasklar: "Das ist Rassismus. "

Die Influencerin scheint sich an der ganzen Kritik nicht zu stören. Alle rassistischen Inhalte sind noch immer auf ihrem Instagram zu finden. Manche Follower vermuten daher schon eine clever geplante PR-Aktion. Leider auf Kosten vieler nicht-weißer Menschen.

Quelle: Noizz.de