Die NFL folgt blind dem US-Bild von Donald Trump.

Ob Colin Kaepernick wusste, was für eine Debatte sein simpler Kniefall vor zwei Jahren in den USA auslösen würde? Der damalige Quarterback der San Francisco 49ers wollte mit seiner Aktion ein Zeichen gegen Rassismus und Diskriminierung von Schwarzen in den USA setzen.

Für das weiße Amerika wählte er allerdings den falschen Zeitpunkt: Kaepernick kniete während der amerikanischen Nationalhymne, die traditionell vor jedem Spiel in den USA läuft. Aus dieser Aktion entwickelte sich eine Debatte, die gestern in einer weiteren Farce gipfelte und die tiefe Spaltung der US-Gesellschaft verdeutlicht.

Initiator der Proteste während der Nationalhymne: Colin Kaepernick Foto: EPA John G Mabanglo / dpa

Viele Sportler zeigten sich nach Kaepernicks Kniefall mit dem Sportler solidarisch und taten es ihm gleich. Doch die Football-Liga NFL hatte schnell Angst um ihr patriotisches Saubermann-Image.

Deswegen gelten ab der kommenden Saison neue Regeln: Ligaboss Roger Goodell erklärte am Mittwoch, dass Spieler in Zukunft während der Hymne dem Spielfeld fernbleiben dürfen, Strafen müssen sie nicht fürchten. Wer allerdings auf dem Feld ist, soll der US-Flagge und dem „Star-Spangled Banner“ seinen Respekt erweisen und sich erheben. Ansonsten erhält das Team von der NFL eine Strafe.

Die Liga verkaufte die neuen Bestimmungen als Kompromiss. Auf dem Feld geht es wieder nur um Sport. Wer damit nicht einverstanden ist, bleibt bitte draußen. Die Debatte ist damit aber nicht beendet: Es gehört zu einem Kompromiss, dass sich zwei Seiten einigen, in diesem Falle die Liga und die Spieler. Ein Mitspracherecht hatte die Spielergewerkschaft NFLPA bei den neuen Regelungen allerdings nicht.

Die NFL zeigt deutlich, um was es ihr wirklich geht: Sie will bloß keine „bösen Bilder“ von aufsässigen Schwarzen erzeugen. Die sollen ihre Konflikte lieber außerhalb des Stadions austragen, dort wo sie die Sportöffentlichkeit nicht sieht. In einem Land, in dem sich die Berichte häufen, in denen Schwarze von Polizisten überhart kontrolliert, schikaniert oder aus Nichtigkeiten erschossen werden.

Die Liga hätte sich auch solidarisch zeigen können mit ihren mündigen Sportlern. Stattdessen verfolgt sie die Linie eines weiteren weißen, alten Amerikaners: US-Präsident Donald Trump sagte zum Fall Kaepernick, dass er es gerne sehen würde, wenn ein Teambesitzer die demonstrierenden "Hurensöhne" vom Feld nehmen und feuern würden.

Die NFL folgt den Ideen des Präsidenten: Demonstrierende Spieler sollen mit der Maßnahme vom Rasen verschwinden. Und die Karriere von Colin Kaepernick ist aufgrund seines Kniefalls vermutlich ruiniert: Nach seinen Protesten wurde er 2016 von San Francisco entlassen – offiziell aus sportlichen Gründen. Dass ihn seit zwei Jahren allerdings kein Team mehr unter Vertrag genommen hat, dürfte andere Gründe haben.

Quelle: Noizz.de