Manuellsen spricht offen über Rassismus gegen Schwarze in Deutschland

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Manuellsen bei GERMANIA Foto: Screenshot YoutTube

Die neue „Germania“-Folge geht unter die Haut.

„Germania“ ist ein Format auf YouTube, das sich mit dem Thema Migration in Deutschland befasst. Dafür werden – Folge für Folge – Menschen mit Migrationshintergrund interviewt und über ihre Erfahrungen mit Rassismus, Fremdenhass, Integration und Identität befragt. In der neuen Folge spricht Rapper Manuellsen, der als gebürtiger Ghanaer im Alter von sechs Monaten nach Deutschland kam und bei einer deutschen Pflegefamilie aufwuchs.

„Die Situation habe ich praktisch jeden Tag, dass mich jemand fragt, wo ich herkomme“

Als Schwarzer ist er unter Weißen aufgewachsen und hat das auch Zeit seines Lebens zu spüren bekommen: Aufgewachsen im Ruhrgebiet berichtet Manuellsen davon, dass rassistische Beleidigungen in den 80er Jahren an der Tagesordnung war – was bei einem Land wie Deutschland eigentlich undenkbar sein sollte.

„Meine Mutter steht mit mir im Kinderwagen an einer Bushaltestelle, und der Busfahrer hat sie nicht in den Bus gelassen. Er meinte so: ,Mit einem schwarzen Kind kommen Sie nicht in den Bus.‘“

Im Alter von circa neun Jahren hat er mit seiner Familie Urlaub auf einem Bauernhof gemacht. Dort wurde er beim Spielen mal wieder von anderen Kindern als „Neger“ beleidigt. Obwohl seine Eltern ihm immer sagten, er solle Streit aus dem Weg gehen, ist ihm dort der Kragen geplatzt und er hat zwei seiner Peiniger verprügelt – als Ergebnis mussten er und seine Familie den Bauernhof verlassen.

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„Juden-Hass ist nicht schlechter oder besser als Schwarzen-Hass, Deutschen-Hass, Irgendwas-Hass – [...] alles, was diskriminierend ist, ist gleich schlimm.

An anderer Stelle erzählt der Rapper, dass die Eltern seiner Mitschüler während seiner Schulzeit Unterschriften gesammelt haben, um zu verhindern, dass ihre Kinder mit ihm – also einem Schwarzen – zusammen auf Klassenfahrt fahren müssen. Unvorstellbar, wie sich das als Kind an seiner Stelle angefühlt haben muss.

Stark ist auch Manuellsens Statement zum Ende der Folge. Dort macht er deutlich, warum er sich von einem Weißen nicht „Nigger“ nennen lässt, er es aber absolut legitim findet, wenn sich Schwarze gegenseitig so nennen:

Die Bezeichnung „Nigger“ ist ein Schimpfwort für Schwarze und stammt aus der Zeit der Sklaverei. Um dem Wort seine grausame Bedeutung zu entziehen, fingen Schwarze irgendwann an, sich selbst untereinander so zu nennen und dem Ausdruck so mit der Zeit eine neue und positive Bedeutung zu geben.

Manuellsens Auffassung nach ist ein „Nigger“ in Kreisen seiner Ethnie heute etwas Cooles, mit dem sich viele Schwarze stolz identifizieren. Es ist ein Ausdruck geworden, mit dem sie ihre eigene traumatische Vergangenheit therapieren und therapiert haben.

Weiße hingegen haben kein solches Trauma erfahren und dementsprechend auch keinen legitimen Grund, weiter dieses Wort zu benutzen. Seiner Meinung nach sollten sie also demütig Abstand halten, Reue und Sensibilität an den Tag legen und den Schwarzen ihren Freiraum lassen, die Geschichte zu verarbeiten. Das finde ich auch. Starkes Interview von Manuellsen.

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Quelle: Noizz.de