Entweder ist das ein schlechter Witz oder die Deutsche Bahn hat ein wirkliches Problem.

Hachja – alle Jahre wieder kommt das Christuskind … oder aber die Suche nach einem möglichst günstigen ICE-Ticket in Richtung Heimat über die Weihnachtsfeiertage. Das Problem dabei ist immer Folgendes: Jeder möchte zur ungefähr gleichen Zeit quer durch die Republik reisen und das auch noch möglichst günstig.

Jetzt gibt es allerdings erstens, nicht unendlich viele Fahrten, am sagen wir mal 23. Dezember, sondern eben nur ein paar. Und die billigen Fahrkartenkontingente sind sehr schnell einfach aufgebraucht.

Und: Ich habe aufgehört zu zählen, wie oft ich zwischen Berlin und Hannover in Richtung NRW im Gang sitzen musste. Obwohl ich ein Ticket für 60 Euro oder mehr gekauft habe. Oder wie viele Minuten Verspätung ich schon mit eingefahren habe in meinem Leben als Bahnfahrerin.

Das ist ja an sich nichts radikal Neues.

Jetzt kommt es aber noch dicker für leidgeplagte Bahnfahrer: Nur 20 Prozent aller ICEs haben nicht irgendeinen Mangel. Das hat das ARD-Magazin „Kontraste“ aus internen Unterlagen der Deutschen Bahn vom Juni recherchiert, die der „Kontraste“-Redaktion vorliegen. Der Grund dafür ist so verstörend simpel, dass man sich nicht fragt: Geht das nicht auch anders?!

[Auch interessant: Diese Waffen tragen S-Bahnfahrer in Berlin]

Laut den Bahn-Dokumenten kommen die Züge verspätet in die Werkstätte. Oft bleibe daher nur Zeit für sicherheitsrelevante Reparaturen. Auch Zugbegleiter bestätigen „Kontraste“, dass Züge teilweise Wochen oder Monate mit denselben Mängeln unterwegs seien. Kaputte Toilette? Kann Warten!

Nur um sicherzugehen: Wir reden hier von der Deutschen Bahn und ihren schnellstem Zugtyp, dem ICE.

Im Jahr 2017 beförderte die ICE-Flotte der Bahn 86,7 Millionen Fahrgäste – also ganz Deutschland und mehr. Das entspricht etwa 61 Prozent der Reisenden im Fernverkehr der Deutschen Bahn. Das System muss quasi funktionieren, denn sonst hat die Bahn ein ganz schön großes Problem. Sicherheitsrelevante Mängel gibt es zum Glück zwar keine, aber Reisekomfort bleibt oft auf der Strecke.

Oder wie oft habt ihr im letzten halben Jahr die Lautsprecherdurchsage „Dieser Zug verkehrt heute leider ohne Speisewagen“ hören müssen? Eben. Viel zu oft.

Und das ist nicht das einzige Problem der Bahn:

Für Oktober hatte der Konzern den Pünktlichkeitswert im Fernverkehr mit nur 73 Prozent angegeben – geplant waren eigentlich 82 Prozent.

Die Lösung für dieses Problem: Das Pünktlichkeitsziel hat man nach Angaben von „Kontraste“ nun auf das Jahr 2025 verlegt. Sehr zielführend. Eine wirkliche Problemlösung sieht anders aus. Das klingt eher nach Verdrängung.

Eine weitere Baustelle: Der Deutschen Bahn AG fehlen aktuell rund 5.800 Mitarbeiter im so genannten „betriebskritischen Bereich“, der direkt für den Zugverkehr zuständig ist. Unter anderem fehlen Lokführer, Instandhaltungskräfte und IT-Spezialisten. Ist das also die Ursache, wieso nichts funktioniert und kein ordentlicher Betrieb garantiert werden kann? Jein.

Zwar gelobt die Deutsche Bahn, Wartung und Instandhaltung ihrer Züge möglichst schnell zu verbessern. Dem Aufsichtsrat des Konzerns seien dazu „detaillierte und umfassende Vorschläge vorgelegt“ worden, teilte ein Sprecher der dpa mit. Wer's glaubt ...

Ein bisschen herunterspielen tun sie das Ganze aber schon. Ein Zug gehe schon dann als „nicht fehlerfrei“ in die Statistik ein, wenn eine Wagentür defekt sei oder eine Kaffeemaschine nicht funktioniere.

Ja, genau das ist das Problem! Wenn ich für eine Fahrt von beispielsweise Berlin und München hin und zurück als Normalpreis 300 Euro bezahlen muss, will ich verdammt nochmal, dass im ICE die Kaffeemaschine, Klimaanlage oder das W-Lan funktioniert. Selbst, wenn ich in Osteuropa Fernverkehr fahre, habe ich, was etwa Internet auf der Strecke angeht, mehr Komfort.

Wenigstens sagt die Bahn selbst:  „Mit dem aktuellen Stand der Fehlerbeseitigung in unserer Zugflotte sind wir selbst nicht zufrieden.“ Ob sich bis Weihnachten was ändert? Mir egal – ich musste vorher schon vorm Preissystem und Umweltbewusstsein kapitulieren. Ich werde fliegen. Ich halte aber fest: Ich wollte Bahn fahren, eigentlich.

>> Definitiv besser als mit dem ICE zu fahren: Diese Schoki-Käse-Zugfahrt durch die Schweiz

[Text mit Informationen von dpa]

Quelle: Noizz.de