Überkommerzialisiert und sowieso …

2008 gilt als das Geburtsjahr des RSD (kurz für „Record Store Day“). Er findet seitdem jedes Jahr irgendwann an einem Samstag im April statt, das Datum ist aber eher zufällig gewählt. Es ist der internationale Tag der unabhängigen Plattenläden, hat seinen Ursprung in den USA und gilt als so ziemlich das größte zeitgleich stattfindende Musikevent. An diesem Tag erscheinen ausgewählte Sonder-Editionen von zumeist namhaften Künstlern.

Der Fokus liegt ganz klar auf Vinyl: Es geht im Grunde darum, wieder Gefallen am guten, alten Plattenladen zu finden, statt wie blöde, ohne Sinn und Verstand unendlich viel Musik downzuloaden oder wie wild ein Schnäppchen nach dem anderen auf Amazon.de oder so zu bestellen. Es geht ums Erlebnis. Gut. Habt ihr’s? Seit einiger Zeit gibt es aber quasi einen kleinen Bruder des Record Store Days. Den Black Friday Record Store Day. Der ist allerdings der größte Unsinn.

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Denn die jährlichen Sondereditionen zum Black Friday, der dieses Jahr am 23. November stattfindet, zielen noch mehr als die im April, nur darauf ab, möglichst viel Kohle zu machen – mit zum Teil absurden „Sammlerstücken“, die an diesem Tag angeboten werden.

Eine Kostprobe? Etwa Weezers grottiges Toto-Cover von „Africa“, ehrlich man – wer gibt dafür Geld aus?!

Oder einen Stranger-Things-Irgendwas-Halloween-Soundtrack. Nicht schon genug, dass das „Stranger Things“-Mixtape bei Urban Outfitters zu finden war und einen Mini-Kassettenhype ausgelöst hat, nein, jetzt auch noch dieses „Black Friday Special“. Eine gesamte Liste aller super-spezial Veröffentlichungen gibt es hier.

UND: Angeblich will Kanye West sein Album „YANDHI“ eben an jenem prestige-kommerziellen Black Friday veröffentlichen. Vor so viel Kommerzialisierung eines eigentlich coolen Events kotze ich gleich. Sehr wahrscheinlich werden indirekt auch große Handelsketten, die ebenfalls Musik verkaufen, auf den RSD-Black-Friday-Zug aufspringen.

[Und hier gibt es noch eine Portion Konsum-Kritik]

Und ihn zwar nicht als solchen deklarieren, aber mit ähnlichen Angeboten locken. Wer soll da noch den Überblick behalten? Ja, ich weiß, in den USA läutet dieser Tag die Weihnachtskaufsaison ein. Aber brauchen wir das wirklich? Auch bei uns? Kann es nicht einfach nur den einen Record Store Day im April geben? Ich meine, selbst der wird immer fragwürdiger, bei der 300.000. Sonderpressung von was-weiß-ich-einer-Simon-&-Garfunkel-Platte. Okay. Ich hör auf damit. Gutes Shoppen oder so ähnlich.

Quelle: Noizz.de