Was die Meme-Kultur aus unserem Humor gemacht hat.

Ich würde mich eigentlich als ziemlich humorvollen Menschen beschreiben. Wer sich noch an „Upps! – Die Pannenshow“ erinnert (übrigens existiert sie tatsächlich noch!), kann dann auch so ungefähr einordnen, wo die Messlatte meines Humors liegt. Man will nicht lachen, schaut trotzdem hin, schmunzelt irgendwie und weiß: Bis hier hin und nicht weiter.

Wenn man jenseits der Grenzen eines solchen Humors herumtastet, findet man dann so was hier:

Ein Glitzer-Sarg, erhältlich in allen Farben des Regenbogens, mit dem du dich „stilvoll“ verabschieden kannst. Urnen und Schatullen gibt's übrigens auch. Fantastisch!

Und das Netz freut sich:

Wie cool dieser Sarg doch wäre und wie es für einige „der einzige Sarg“ sei. „Bringt nach dem Tod ein bisschen Glitzer in euer Leben“, lautet die Devise.

Ich hingegen frage mich: Was ist hier eigentlich los?

Es kann doch nicht wirklich sein, dass sich Menschen die Ruhestätte eines toten Menschen angucken und denken: Hier fehlt jetzt noch eine flapsige Deko aus der modernen Popkultur.

Zum Lesen des nächsten Abschnitts bitte ich euch, dreimal auf Holz zu klopfen.

Das Leben hat seine unschönen Seiten. Man stelle sich – wenn auch nur ungern – vor, dass irgendwann ein geliebter Mensch von einem geht. Denkt euch rein hypothetisch in folgende Situation: Im hohen Alter bekommt eure beste Freundin eine Krebsdiagnose, nachdem sie sich wochenlang durch Chemos kämpft und dann liegt sie machtlos, erschöpft und am Ende im Krankenhaus, während der Arzt feststellen muss, dass sie innerhalb des nächsten Monats sterben wird. Wer fände es in dieser Situation immer noch so lustig, ein scheißglitzernden Sarg vorne am Altar zu sehen?

Bitte versteht mich nicht falsch. Kultur, Witze und Memes sind super. Sie schaffen es, dass wir über die Banalität des Alltags lachen. Aber Leute: Der Tod ist keine Banalität des Alltags. Es ist das Ende des Alltags und verdient alles andere, als eine weitere Meme-Attraktion zu sein. Sich immer über alles lustig machen, selbst über den Tod – das kann ich einfach nicht nachvollziehen.

Zerstört die Meme-Kultur unser Moralverständnis?

Ich bin ungern die Omi, die über einem Gläschen Weißwein darüber schwadroniert, wie sich junge Menschen im Zeitalter überschneller Medien von der Wirklichkeit entfernt haben. Aber heute muss ich leider mal diese Rollen einnehmen (sorry, Guys).

Bitte wacht auf. Auch Humor darf reflektiert werden! Lacht nicht blind über irgendwelche Sachen, die im Netz veröffentlicht werden, nur weil sie im Meme-Format in eurem News-Feed aufploppen. Ihr dürft Sachen auch mal nicht lustig finden. Ist gar nicht schlimm.

Die Hater aus der letzten Reihe denken sich jetzt wahrscheinlich wieder: „Manno, heutzutage kann man echt keinen Witz mehr machen.“ Hier kann ich nur sagen: Witze sind super und Humor kann in emotional anstrengende Situationen wirklich wichtig sein. Aber einen Sarg mit Glitzer zu bekleben ist einfach nur geschmacklos – und das hat nichts mit Humor zu tun.

Da guck ich mir lieber „Upps! – Die Pannenshow“ an.

Quelle: Noizz.de