Plötzlich ist Schluss mit den unnötigen Flügen, dem ganzen Reisen und allem hin und her. Alle sitzen zu Hause und merken: Es geht auch so. Ein Plädoyer dafür, dass das auch nach dem Corona-Virus so bleibt.

Dies ist kein Artikel, der auch mal die positiven Seiten einer Pandemie betrachten will – war schon bescheuert als Cro das letzte Woche gemacht hat, NOIZZ-Redakteur Till ließ sich dazu bereits aus. An einem Virus, an dem Menschen sterben ist grundsätzlich nichts gut und wir hätten das hier alles wirklich nicht gebraucht. Gleichzeitig ist der Shutdown durch das Corona-Virus eine Ausnahmesituation, die uns zwingt, tägliche Praxen zu stoppen, sie dadurch automatisch zu hinterfragen und vielleicht tatsächlich zu erkennen, was an unserem ziemlich luxuriösen Leben eigentlich tatsächlich nötig ist.

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Corona-Virus und Flüge: Verträgt sich nicht

Zwölf Mal im Jahr tagt das EU-Parlament in Strassburg. Das bedeutet, dass sich zwölf Mal im Jahr 705 Abgeordnete und einige Mitarbeitende von Brüssel nach Strassburg bewegen müssen. Das kostet nicht nur sehr viel Geld, genauer genommen lockere 105 Millionen Euro, sondern ist auch extrem belastend für die Umwelt. Dieses hin und her wird schon länger kritisiert, aber dennoch weiterhin betrieben. Dank Corona geht das derzeit aber nicht, also: Alle bleiben zu Hause debattiert und abgestimmt wird via Internet. Geht plötzlich auch.

In Deutschland gibt es jährlich etwa 12 Millionen Geschäftsreisende. Nicht alle von ihnen reisen zu Meetings, allerdings sind es etwa 37 Prozent, die nicht zu Messen oder ähnlichen Veranstaltungen reisen. Diese Zahlen gehen auf Analysen des Verbandes Deutsches Reisemanagement zurück. Natürlich fliegen nicht alle, allerdings verzeichnete alleine der Flughafen Frankfurt im Jahr 2018 ganze 36 Prozent an Reisenden, die geschäftlich unterwegs waren. Bedeutet: Menschen fliegen von einem Ort zum anderen, um dort in einem Büro zu sitzen, Dinge zu besprechen und dann wieder zurückzufliegen. Also im Prinzip das zu tun, was in einem Google Hangout oder einer Zoom Session auch gemacht werden könnte – wie in Zeiten von Corona ja ganz eindeutig klar wird.

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Es geht ja nicht nur ums Geschäft

Arbeitsmeetings und Treffen, die irgendwas mit dem Job zu tun haben, werden schnell als dringend notwendig verbucht. Man tritt diese Reisen an, weil sie halt zum Arbeitsalltag gehören – und von Frankfurt nach Berlin, was ist das schon? Aber auch private Reisen mit dem Flugzeug haben in den letzten Jahren zugenommen. Mal schnell die beste Freundin übers Wochenende besuchen? Kein Problem: Die Flugstunde zwischen Berlin und Köln ist ja keine große Sache und kostet so gut wie nichts! Aber vor allem Kurzstrecken und Inlandsflüge sind das, was unseren Planeten so richtig bluten lassen.

Zu Zeiten von Corona geht Reisen aber nicht mehr. Die Erde atmet auf, seit alle zu Hause bleiben und sich gegen Ansteckungen schützen. Und siehe da: Wie es aussieht, wird Deutschland dieses Jahr, ganz ohne es geplant zu haben, sein Ziel der geplanten CO2-Reduktion einhalten können. Was der Corona-Virus insgesamt fürs Klima bedeutet könnt ihr hier noch einmal nachlesen.

Als ob nach Corona alle zu Hause bleiben

Die Sache ist nur die: Aktuell werden wir gezwungen, Meetings Online zu tätigen. Wir werden gezwungen, zu Hause zu bleiben und mit der besten Freundin eine Runde zu telefonieren, statt hinzufliegen. Und wir merken: Geht auch. Dennoch ist es höchst fraglich, ob wir diesen Gedanken auch nach Corona beibehalten. Denn: Freiwillig auf etwas zu verzichten, was wir haben könnten, ist nicht unbedingt eine menschliche Stärke. Wir werden wieder reisen und uns Venedig anschauen wollen – ganz egal, was da mit den Delphinen ist. Wir werden uns wieder aufmachen und für einen Tag und zwei Meetings kreuz und quer durch Europa fliegen, sobald wir wieder können. Die Dudes im EU-Parlament werden wieder zwölf Mal im Jahr Gelder verpulvern, um von Brüssel nach Strassburg zu gurken. Es sei denn, wir alle ändern ein kleines bisschen an unserer Haltung. Oder aber: Wir alle erkennen endlich, dass freiwilliger Verzicht unumgänglich ist, wenn wir vorhaben unsere Erde nicht komplett zu zerstören – auch wenn es schmerzhaft ist.

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Wie gesagt: Es soll hier nicht darum gehen, wie toll es ist, auch mal eine solche Katastrophe durchgemacht zu haben. Aber: Es wäre grandios, wenn von der uns jetzt aufgezwungenen Bescheidenheit ein bisschen was bleiben würde. Denn: Keinem bricht ein Zacken aus der Krone, wenn er statt zu fliegen, zur besten Freundin mit dem Zug reist. Auch im Job kann man lautstark anmerken, dass das x-te Meeting auch einfach via Internet stattfinden kann, statt wieder alle in den Flieger zu manövrieren. Oder aber, wir gehen einfach mal alle auf die Barrikaden, um zu erwirken, dass das EU-Parlament aufhört mit dem sinnlosen Rumgejuckel zwischen Brüssel und Strassburg. Denn die wichtigste Erkenntnis aus diesen Wochen ist und bleibt: Es geht auch ohne Flugmeilen, die sinnlos in den Orbit geschossen werden. Warum nicht einfach mal daran erinnern, wenn das mit Corona vorbei ist?

  • Quelle:
  • Noizz.de