So ein triviales, sexistisches Interview hat keine Frau verdient.

"Eins vorweg, Mädels: Die 33-Jährige ist nicht nur unglaublich schön, sondern auch sooo sympathisch", mit diesen Zeilen beginnt das exklusive "Cosmopolitan"-Interview von Model und Influencerin Bonnie Strange und sofort schüttelt es mich. (Das Wort Mädels möchte ich generell am liebsten mit einem Pfeffi-Rausch aus meinen grauen Zellen löschen.) Meine Freundin Kim hatte mir den Link zu dem Artikel geschickt, mit dem Kommentar: "Ich finde die Fragen alle richtig cringe, oder bilde ich mir das ein?"

Zum großen Leid von Bonnie sollte sie recht behalten. Die Fragen der "Cosmopolitan"-Redaktion sind flach und oberflächlich, als könnten Frauen eh nur über Dinge wie Make-up oder Frisuren reden. "Als Mama hat man nicht mehr so viel Zeit für die eigene Schönheit wie früher. Wie bekommt man Baby und Beauty so gut unter einen Hut wie du?", wird die junge Mutter gefragt. Als wäre das wichtigste im Leben einer Frau, dass man selbst mit Kind noch gut aussieht und sich der "eigenen Schönheit" widmet.

Nicht nur, dass die meisten Fragen von Cosmo fast nur auf Äußerlichkeiten abzielen – als wäre es 2010 und Feminismus in den Augen der Medien noch nicht erfunden – das Ganze wirkt durch die sich häufenden Komplimente recht unprofessionell und nicht ernst zunehmend. Es kommt mir vor, als würde ich gerade ein Interview mit Guido Maria Kretschmer im Deutsche-Bahn-Magazin lesen.

"Blond, Pink, Braun: Wir haben in kürzester Zeit so viele tolle Frisuren an dir gesehen. Wie schaffst du das nur?" – Hallo, liebe "Cosmo"-Person, hast du je einen Insta-Post von Bonnie angeschaut? Das Model schreibt immer wieder dazu, dass sie sich von Salons wie Reza Hair Perücken anfertigen lässt, die sie im Privatleben und bei Shootings trägt. An dieser Stelle habe ich keine Ahnung, ob es sich einfach nur um eine billige Herleitung zu dem Thema handelt oder ihr habt wirklich gedacht habt, das wären Bonnies echten Haare ... ?

Wir alle wissen, dass Bonnie Strange einfach eine wahnsinnig erfolgreiche Frau ist, die so einiges erreicht hat, regelmäßig große Deals an Land zieht und wahnsinnig viele Fans auf Social Media versammelt. Doch statt die beeindruckende Karriere der 33-Jährigen hervorzuheben wird ihr Erfolg auf die Formulierung "ein aufregendes Leben" reduziert.

Zur Beruhigung reibe ich mir bereits die Schläfen, als mir dann noch die vorletzte Frage ins Auge springt: "Manchmal zeigst du dich dort auch freizügig oder mit Joint. Welche Message möchtest du damit vermitteln?" Hm, ja, okay. Darf man nicht freizügig sein, einfach weil man will? Muss man da sofort eine Message haben? Auf diese Frage kann dann leider selbst die sonst so wortgewandte und schlagfertige Bonnie nur Dinge antworten wie: "Wenn man Lust auf etwas hat, dann sollte man es auch machen." Ja sehen wir, haben wir aber auch schon vorher gewusst und von 100 anderen Leuten gehört.

Im Namen aller Frauen, die bereits erkannt haben, dass ihr Wert nicht auf ihrer Schönheit oder ihrem Körper basiert, möchte ich mich hiermit offiziell bei der "Cosmopolitan" für das, wie sie es nennen "inspirierende Gespräch" bedanken und euch wärmstens die Werke von Judith Butler und Simone de Beauvoir empfehlen. Und mich im Namen dieser Frauen gleichzeitig bei Bonnie Strange dafür entschuldigen, dass ihr keine intelligenten, witzigen und emanzipierten Fragen gestellt wurden.

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Quelle: Noizz.de