Man sollte es der CSU hoch anrechnen, dass sie digitaler werden will – kann man aber nicht.

Die CSU will mit einem neuen Videoformat junge Leute erreichen – vergrault sie aber stattdessen. Der erste "CSYOU"-YouTube-Clip ist der verkrampfte Versuch hip und cool zu sein und erinnert ein bisschen an den ersten Selfie-Versuch der Großeltern: "Wo ist die Front-Kamera? Ach, wie lustig, diese Hundefilter!" Der Unterschied: Wir lachen mit Oma und Opa – aber wir lachen leider über die CSU. Denn die Christlich-Soziale Union sollten wissen, wie man mit Social Media umzugehen hat.

Warum macht die CSU das eigentlich?

Drei Tage vor der Europawahl erlangte YouTuber Rezo durch ein Video mit harter Kritik an der CDU und CSU bundesweite Bekanntheit. Fast eine Stunde wettert der 26-jährige Wuppertaler in seinem Video über Parteien und trifft dabei einen Nerv: Wie er scheinen viele junge Deutsche ziemlich unzufrieden damit zu sein, wie die Regierung Millennial-Themen behandelt. (Millennials sind Menschen im Alter von circa 15- bis 35-Jährigen): Außen- und Klimapolitik, Bildung, Migration, Drogen oder Digitales.

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Auf Letzteres will die CSU nun mit dem neuen Videoformat "CSYOU" kontern. "Die Antwort auf Rezo heißt Armin", schrieb die Landesgruppe auf Twitter, als die erste Folge am Samstag auf Facebook und Instagram online ging.

Ganz klar: Mit dieser Antwort möchte die CSU zeigen, dass sie Digitalisierung verstanden hat. Leider weit gefehlt. Das Netz macht sich über die erste Episode lustig: "Selten, wahrscheinlich noch nie so fremdgeschämt wie eben, als ich das #CSYOU Video gesehen habe", heißt es an einer Stelle. Außerdem kritisiert das gnadenlose WWW den Inhalt. Am Ende sollte man es der CSU aber doch wenigstens anrechnen, dass sie versucht digitaler zu werden.

Sollte, kann man angesichts der ersten Episode aber einfach nicht.

Effekte wie KiKa auf Koks

Der Moderator mit den blond gefärbten Haaren soll das bayrische Pendant zu Rezo darstellen: Armin Petschner. Der 30-Jährige ist für die digitalen Kanäle der Landesgruppe zuständig. In dem Video fuchtelt er mit den Händen wie ein Wettermoderator, der die Hoch- und Tiefdruckgebiete auf der Deutschlandkarte zeigt. Seine Gesten werden dabei von ständigen Geräuschen, Effekten und Smileys unterlegt. Eine einzige Überforderung für Augen und Ohren. Jedes Wort erscheint dabei in Großbuchstaben, verschiedenen Farben und Schriften auf dem Bildschirm. Im Hintergrund sind Fake-Skrillez-Beats zu hören und der Bundestag mit dem Hashtag #CSUliefert zu sehen. Das Einzige, was die CSU liefert ist Fremdscham.

Die Episode wirkt wie die Kinder-Nachrichtensendung "logo!" von KiKa – auf Koks: völlig überdreht und mit eindeutig zu viel Nachdruck. Die vielen Special-Effects lenken von den Informationen ab – aka den misslungenen Witzen auf Kosten der Klimaaktivisten Greta Thunberg.

Witze über Klimaikone "Abramowitsch" und den Grünen bei der Bundeswehr

"Klimaikone Greta Abramowitsch", fängt Armin Petschner seinen Satz an und verbessert mit "Thunberg", während der Scherz von einem "Ups"-Soundeffekt hinterlegt wird. Er kritisiert Greta für ihre Atlantiküberquerung und meint, dass ihre Segelreise nach New York wohl doch nicht so klimafreundlich sei. Für alle die in den letzten Tagen keine Nachrichten gelesen haben: Diese Info ist schon zwei Wochen alt. Der Witz vorbei.

"Also, liebe Greta...", redet Petschner weiter – als ob er gerade einem Kleinkind erklärt, dass Süßigkeiten schlecht für die Zähne sind – "... nimm einfach den Flieger, ist besser für das Klima!" Dabei zwinkert er mit einem Auge und ergänzt: "Dennoch ein guter Ansatz." Altersdiskiriminierung alias Ageism at its best!

Weiter geht es in dem Video mit Bashing der Grünen, die wohl häufiger als andere Parteien in den Flieger steigen. Gefolgt von der Beschwerde, dass bei der "Unteilbar"-Demo in Dresden nicht die deutsche Flagge erwünscht war. "Mit Extremisten gegen Extremismus demonstrieren? Krasser Fail!", so Petschner. Dabei ist ein wirklich krasser Fail das Wort "krasser Fail" zu benutzen.

Über die Hälfte des Videos ist vorbei – bisher kritisiert die CSU mehr, als von sich zu überzeugen. Aber vielleicht haben die Zuschauer die deutsche Politik einfach falsch verstanden. Schließlich ist die "Good News der Woche": Die GroKo ist wohl besser als ihr Ruf. Ist das Satire? Ist das Ironie? WAS ist das?

Am Ende wird noch dafür geworben, wie toll die Bundeswehr ist. Dabei richtet sich Petschner an die Grünen und stellt die Frage: "Wann habt ihr jemals was für die Bundeswehr getan? Genau, noch nie!" Er fügt hinzu: "Aber wenn ihr eure Meinung jetzt geändert habt, bitte, ihr seid immer willkommen." Wie jetzt? Quatscht uns Petschner gerade persönlich an und meint, dass wir alle der Bundeswehr beitreten sollen? Oder sollen das alle Parteimitglieder der Grünen? Um auf die Wahlen in Brandenburg und Sachsen aufmerksam zu machen heißt es zudem: "Am Sonntag nicht vergessen: Tatort schauen!" LOL. ROFL. Richtig lässig, wichtige Wahlen mit einem TV-Tipp zu banalisieren.

Das Fazit: Manchmal sollte man Oma und Opa einfach kein Smartphone in die Hand drücken. Zumindest nicht, bevor sie einen Social-Media-Kurs gemacht haben. Sonst landen komische Videos von ihnen im Netz, die sie am Ende selbst noch bereuen. 

Quelle: Noizz.de