Bundeskanzlerin Angela Merkel rät in einer Coronavirus-Pressekonferenz dazu, unsere sozialen Kontakte auf ein Nötiges zu reduzieren, um eine weitere Ausbreitung von CoVid-19 zu verhindern. Medizinisch durchaus einleuchtend – aber das hat auch Auswirkungen auf unsere Mental Health.

Der Mensch liebt Freiheit, aber er liebt auch Regeln. Solange sich unsere Freiheit in einem gewissen Rahmen austoben darf, finden wir das ganz gut. Weil wir dann wissen, worauf wir achten sollen und das Zusammenleben dadurch einfach wird. Nun befinden wir uns zurzeit in einer ziemlich obskuren Lage: Ein Virus, auf das wir kaum oder wenig Einfluss haben, macht uns zu schaffen. Damit sich der Erreger des neuartigen Coronavirus' nicht weiter ausbreitet, gibt es allerhand Maßnahmen für uns, die im Grunde auf eine Sache hinauslaufen. Nämlich, dass sie unsere Freiheit einschränken.

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Das drückt natürlich auf die Stimmung. Am Anfang ist es für uns alle bestimmt noch okay, aber wenn die Ausnahme Dauerzustand wird, ist so etwas nur schwer zu ertragen. Zumindest so lange, bis wir uns daran gewöhnen. Insbesondere, da die Eindämmungsmaßnahmen noch einen wunden Punkt von uns treffen: Sie schränken unser Miteinander ein. Der Mensch ist nicht gemacht, um alleine zu sein. Klar, wir brauchen alle mal etwas Me-Time, aber auf Dauer wollen wir andere um uns herum haben.

Sogar die Teilnehmer eines Marathons im japanischen Kumamoto tragen einen Mundschutz aus Furcht vor dem Virus.

Wenn wir nicht mehr unter Menschen sein können

Wenn die Bundeskanzlerin Angela Merkel in einer Pressekonferenz, die über den Stand der aktuellen Coronaviruserkrankungen in Deutschland informiert und präsentiert, welchen Plan die Bundesregierung hat – dann vor allem dazu rät, unsere sozialen Kontakte auf ein Minimum zu reduzieren, ist das aus medizinischer Sicht der einzig richtige Weg das Virus einzudämmen. Psychologisch gesehen, ist das aber ganz schön scheiße für uns. Plötzlich ist nicht mehr meine übertrieben nervige extreme Pollenallergie das größte Problem im März, sondern das Coronavirus.

Auch "alle nicht notwendigen" Veranstaltungen mit weniger als 1.000 Teilnehmern sollten abgesagt werden – aber wer entscheidet darüber, was unnötig ist? Denn Details nannte sie nicht. Auch diese Unklarheit sorgt bei uns im Inneren für Anspannung. Wenn man sich am Wochenende drei Mal überlegt, ob man zu der Geburtstagsfeier einer sehr guten Freundin fahren soll, sagt das verdammt viel aus. Nämlich, dass wir nicht wissen, womit wir es hier zu tun haben. Welche Folgen noch kommen werden.

Die vorübergehende Schließung von Kindergärten und Schulen ist schon beschlossene Sache und setzt viele berufstätige Eltern unter Druck: Wie kann ich mich um mein Kind kümmern und selber arbeiten? Dass Stress nicht unbedingt gut für unsere Seele ist, wissen wir. In Belgien sind wegen des Virus' alle Cafés, Restaurants und Diskotheken bereits geschlossen, in Italien ist das gesamte kulturelle Leben zum Erliegen gekommen.

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Wenn wir nicht mehr zur Arbeit fahren, keine Freunde mehr treffen oder uns auf Konzerten vergnügen können, werden wir schnell einsam. Ja, wir haben das Internet und soziale Medien, um uns auszutauschen, aber den persönlichen Kontakt kann das nicht ganz ersetzen. Vor allem Menschen, die alleine leben haben daran besonders schwer zu nagen. Dagegen helfen kann es, sich zuhause zumindest ein positives Umfeld zu schaffen. Nicht umsonst empfiehlt die Bundesregierung im Notvorrat für den Fall der Fälle (der im Falle der Coronakrise sicherlich nicht eintreten wird) auch Süßigkeiten – der Zucker kann nämlich echte Glücksgefühle verursachen.

Mach Zuhause Sachen, die dir Spaß machen, mache Sport, sorge für frische Luft und Tageslicht. Auch ein normaler Tagesrhythmus zuhause kann dir dabei helfen, dich wohler zu fühlen. Konzerte über Livestreams wie die von James Blunt oder Gianna Nannini sorgen zumindest kurz für ein kollektives Miteinander und Glücklichsein.

Hinzu kommt die Angst vor dem Coronavirus

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Aber es gibt noch einen weiteren Faktor, der unserer Mental Health zusetzt: Das Coronavirus löst Angstzustände aus. Weil es etwas Unbekanntes und wenig Greifbares ist. In Deutschland sind bislang mehr als 2.400 Infektionen mit dem neuen Coronavirus bekannt. Am Donnerstagabend wurde der sechste Coronavirus-Todesfall in Deutschland gemeldet – es ist der dritte im besonders betroffenen Kreis Heinsberg. Die Todesopfer in Deutschland sind zwischen 67 bis 89 Jahre alt.

Menschen tätigen Hamsterkäufe, wir sollen Zuhause bleiben, der Busfahrer sperrt sich mit Abgrenzungsband von den anderen Fahrgästen ab – als würden die Viren diese Barriere nicht nehmen – und nur wenige wissen wirklich, was bei einer Viruserkrankung im Körper passiert und wieso es überhaupt so wichtig ist, dass wir nicht so viel miteinander zu tun haben. Auch wenn vielleicht noch keiner in deinem näheren Umfeld an dem Virus erkrankt ist.

Das alles zusammen kann, wenn man keinerlei Vergleichszahlen kennt, und auch sonst kein anderes Thema als Coronavirus in den Medien sieht, schon wie eine Bedrohung vorkommen. Aber wie soll man mit so etwas nur umgehen?

Tipps gegen die Angst

Lass dich bloß nicht hängen

Es gibt einige wertvolle Tipps, mit denen man zumindest der Angst und Panik ein bisschen den Wind aus den Segeln nehmen kann. Damit du nicht voll in Panik verfällst, solltest du dich informieren. Dabei hilft es dir aber nicht, wahllos, alles was die Medien dir über das Thema bieten, einfach aufzusaugen. Schlagzeilen, die nur Panik verbreiten und Spekulationen beinhalten, bringen dich nicht weiter, auch wenn es noch so verlockend ist, da einmal drauf zu klicken.

Stattdessen solltest du dir lieber bei offiziellen Stellen wie dem Robert Koch Institut oder der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BzGA) vorbeischauen und das mit den News in den gängigen Leitmedien abgleichen. Glaube nicht unreflektiert irgendwelchen Foren oder Gruppen in sozialen Netzwerken. Es kursieren nämlich leider viele Fake-News. So fühlst du dich schon mal ein bisschen sicherer – was stimmt und was nicht.

Auch das Gespräch mit anderen über die empfundene Bedrohung und wovor du unterbewusst oder unbegründet vielleicht Ängste hast, kann helfen. Wenn du dich an die Ratschläge zur Prävention durch die oben genannten Institutionen hältst, hast du schon mal ganz gute Voraussetzungen.

Die Sache mit der Einsamkeit wird uns allerdings langfristig noch etwas mehr zu schaffen machen. Telefonate, Videoanrufe können zumindest ein bisschen helfen. Und so blöd es klingt: Auch eine Kuscheldecke, Wärmflasche oder ein Schaumbad. Denn das suggeriert Nähe und schüttet zumindest Ansatzweise die Hormone im Körper aus, die wir sonst auch im Kontakt mit Menschen als tägliche Dosis bekommen. Ein bisschen hilft also doch was gegen den Coronablues.

[Recherche: dpa]

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  • Quelle:
  • Noizz.de