Opern-, Theater-, Museen- und Galerie-Besuche können tolle Erlebnisse in Zeiten von Netflix und Co. sein. Aber nicht jede*r hatte bisher das (finanzielle) Glück, sich an der sogenannten Hochkultur zu beteiligen. Jetzt ändert sich das endlich!

Für manche ist das Geld für den Eintrittspreis schnell und gern ausgegeben, für andere ist ein Ticket für die Oper oder das Theater viel mehr eine Luxusausgabe, auf die sie verzichten (müssen). Wer einmal eine Oper oder das Theater besucht hat, wird festgestellt haben, das ein Besuch für die meisten Bürger eher eine einmalige, als eine regelmäßige Sache ist. Das Publikum ist eher alt als jung und meistens gut betucht. Bei einem Besuch in der Oper, im Ballett oder Theater wird sich streng an soziale Codes gehalten und die Vorführung wird für gewöhnlich in feiner Abendgarderobe besucht, das kann schnell elitär und ausgrenzend wirken.

Menschen, die wenig Bezug in ihrem Leben zu Bühnen oder anderer Hochkultur hatten, sind oft abgeschreckt, abgeneigt oder eingeschüchtert von den Codes jener Orte. Ein Opernbesuch gilt in vielen europäischen Ländern als Hochkultur und diese sogenannte "Hochkultur" erreicht meistens nur privilegierte Menschen, die sich locker mal ein Ticket leisten können und dabei nicht darum fürchten müssen, ob sie am Ende des Monats noch genug Geld übrig haben. Also genau die Menschen, die sowieso Zugang zu Bildung und sozialer Prestige haben.

Freikartenvergabe ist nicht einheitlich und transparent

Vor allem in Berlin gibt es keine einheitlichen Vorschriften für Bühnen, wie oder wie viele Frei- und Steuerkarten sie an Bürger verteilen dürfen und sollen. Alle Häuser führen eine persönliche Gästeliste, auf der oft auch Politiker und Personen des öffentlichen Lebens stehen. Für Künstler*innen und Darsteller*innen der Bühne gibt es für ihre Bekannten und Familienmitglieder kostenlose Tickets oder Steuerkarten. Steuerkarten sind Karten, die stark reduziert sind, sie kosten meistens 8-12 Euro. Freikarten gehen oft nur an Personen, die professionell Theater, Oper und Ballett anschauen, zum Beispiel Journalisten. Die Preise der Bühnen variieren von bis 38,00 Euro pro Karte bis hin zu unglaublich hohen Summen für einen guten Platz in "La Traviata" oder dem Nussknacker.

Öffentliche Museen, Theater und Bühnen bieten Menschen, die vom Staat Hilfe bekommen, deutlich günstigere Karten an, das klingt erst mal gut. Dennoch: Haushalte, die zwar ein geregeltes Einkommen haben und keine Arbeitslosenhilfe bekommen können sich trotzdem oft Tickets und Karten nicht leisten, da sie den vollen Preis zahlen müssten. Für viele Haushalte sind dann 49,00 Euro pro Karte pro Person unbezahlbar. Hinzu kommen alleinerziehende Väter und Mütter, denen weniger Geld übrig bleibt, als verheiratete Paare und Familien, da sie ohne Eheschließung in den meisten Fällen den höchsten Steuersatz zahlen und somit wenig vom Lohn übrig bleibt.

Bei solchen Preisen kann man es Menschen nicht verübeln, wenn sie lieber weiter auf ihren langersehnten Urlaub sparen, ein neues Küchengerät oder für die Klassenfahrt als für die gesamte Familie 250 Euro für Konzertkarten in der Philharmonie auszugeben oder die neue Inszenierung von XY im XY Theater.

"Kultur für alle!": Wird eine Forderung aus dem letzten Jahrzehnt endlich Realität?

In der griechischen Antike war ein Besuch im Theater das Recht eines jeden freien Bürgers der griechischen Demokratie. Im Paris des 21. Jahrhunderts ist der Besuch im weltberühmten Louvre und anderen Museen für alle Europäer*innen unter 25 Jahren kostenlos. In Deutschland gestaltet sich freier Eintritt etwas schwieriger, und diejenigen, die sich im eigenen Land keine Karten leisten können, werden erst recht nicht nach Paris reisen können, oder in andere Länder wo Eintritt auf Spendenbasis funktioniert, wie in England. Und sowieso kommt der freie Eintritt andernorts oft mit angespannter Überfüllung einher.

Durch die Coronakrise können Museen, Theater, Bühnen und Konzerte von keinem mehr besucht werden, auch nicht von denen die den Besuch regelmäßig leisten konnten. Die Lösung vieler Museen macht Kultur gleichzeitig für weniger Privilegierte zugänglich: digitale 3D-Touren durch Ausstellungen wie im Pergamonmuseum Berlin oder das National Museum of Contemporary and Modern Art in Seoul, können über das Internet besucht werden. Einige Theater wie das Maxim-Gorki-Theater in Berlin, das Deutsche Theater und das Volkstheater Wien streamen ihre Stücke einmal die Woche, umsonst und das Stück bleibt für ungefähr einen Tag online. Somit wird Kultur zugänglich für jede*n, wenn auch nur auf digitale Art und Weise und ein moderner Zugang zum Kulturgeschehen, auch wenn der Besuch einer Bühne bereits für viele – oft zurecht – als Prestige, altmodisch oder überholt gilt, ist immerhin ein Schritt in Richtung "Kultur für alle!".

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  • Quelle:
  • Noizz.de