Glasklare Kanäle in Venedig, Delfine werden in Häfen gesichtet und in China ist die Luftverschmutzung so drastisch zurückgegangen wie noch nie. All das sind positive Nebeneffekte auf unsere Umwelt seit dem Ausbruch des Coronavirus.
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Es ist unglaublich, wie stark CO2-Emissionen, seitdem die halbe Welt in Quarantäne ist, zurückgegangen sind. Die Zahl der Flugreisenden ist quasi komplett eingebrochen, es fliegen weniger Flugzeuge, Ausgangssperren und Grenzschließungen sorgen für weniger Autoreisen und die extrem umweltschädlichen Kreuzfahrten gibt es zur Zeit kaum noch.

CO2 Emissionen in China vor und nach dem Coronavirusausbruch

Rettet Corona unsere Umwelt?

Die Situation auf der Welt ist beängstigend, unsere Realität wirkt wie eine Science-Fiction-Dystopie und wir wissen noch nicht, wie es weiter geht: Bis dahin ist es wichtig, sich zu isolieren und den Virus einzudämmen. Währenddessen könnte Deutschland dieses Jahr überraschenderweise, ohne es gewollt zu haben, sein Ziel der geplanten CO2-Reduktion doch noch erreichen. Aber nicht weil wir uns freiwillig mit Flugreisen, Konsum, Fleischkonsum und dem Autofahren zurückhalten, sondern wegen der Folgen des Coronavirus.

Fridays-For-Future-Aktivistin Luisa Neubauer äußerte sich der "Tagesschau" gegenüber dennoch kritisch: "Es ist von niemandem das Interesse, eine Pandemie als Klimaschutzmaßnahme zu sehen." Jedoch betonte sie, wie agil Regierungen arbeiten können, wenn sie etwas bekämpfen möchten. Auch Umweltministerin Svenja Schulze warnte, es helfe der Umwelt nicht, wenn in einem Jahr die Emissionen zurückgehen und im nächsten wieder hoch.

Wetter und Klima werden trotzdem immer und immer wärmer

Klimaforscher beobachten seit Jahrzehnten einen Anstieg der Temperaturen auf unserem Planeten und die katastrophalen Folgen für den Menschen, wenn jetzt nicht gehandelt wird. Die Coronakrise zeigt uns, wie schnell man umdenken und Alternativen finden kann, diese Agilität muss man nun auf die Klimakrise anwenden. Dirk Messner, Präsident des Umweltbundesamtes, sprach über den Rückgang der Reisen in Deutschland von einem "Einmaleffekt" bei Treibhausgasen. "Nach der Krise sind diese Emissionen wieder da" sagte er.

Auch bei den Satellitenbildern und ihrer Interpretation sei Vorsicht geboten, warnte Expertin Ute Dauert, Fachgebietsleiterin beim Umweltbundesamt, "Sie sind ein Indiz, jedoch kein Beweis". Denn die Satellitenbilder erfassen nicht die Luftqualität am Boden, sondern der "Luftsäule" von oben bis unten. Man müsse erst alle Daten erfassen, um die Effekte der Veränderungen durch die Maßnahmen der Coronakrise bewerten, sagt Dauert im "Spiegel".

Für viele Menschen und Regierungen ist es schwer, nachzuvollziehen, dass wir mitten im Klimawandel stecken, da diese Krise viel abstrakter ist. Denn anders als bei einer Pandemie, wo man die Effekte sofort sieht und spürt, stößt die Erderwärmung vielmehr mehrere Effekte über Jahre hinweg an. Direkte Folgen spürt man beim Klima erst, wenn es längst zu spät ist. Und dabei Leben wir mit den Folgen von Extremwettern, Luftverschmutzung, Umweltkatastrophen und einem Anstieg der Meeresspiegel bereits.

Umwelt und Monsterkapitalismus können eigentlich nicht co-existieren

Wenn die Industrie weiterhin produziert wie eh und je, um unser unendliches Wirtschaftswachstum zu erhalten, und wir unseren Lifestyle nicht ändern, wird das schreckliche Folgen für die Umwelt und damit uns haben. 2019 war bereits das zweitheißeste Jahr seit Beginn der Wetteraufzeichnung, unsere Luft ist von CO2-Emissionen so verschmutzt wie nie, und unsere Pole schmelzen. Die Coronakrise ist eine Chance für unsere Regierungen, sich darin zu üben, auf Expertenmeinungen zu hören und ohne Zeit zu verlieren, für unsere Zukunft zu handeln, bevor es zu spät ist.

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Quelle: Noizz.de