Das Coronavirus breitet sich gerade über die gesamte Welt aus. Neben wenigen Ausreißern und Nachzüglern, fahren die Staaten der Erde dabei folgende Strategie: Ansteckung vermeiden, Kranke retten. Trump und seine Konsorten sehen das anders: Die Wirtschaft ist heilig und der Virus keinen längeren Shutdown wert. Gouverneur Dan Patrick erklärte sogar, sein Leben geben zu wollen, solange weiter gearbeitet werde.

Was tun, wenn die ganze Welt von einem Virus befallen wird? Fast alle Länder sind sich einig: Leben retten, Wirtschaft pausieren, Ausbreitung eindämmen, Wirtschaft im Nachhinein wieder aufbauen. Die Republikaner der USA haben da andere Vorstellungen. Bestes Beispiel: Dan Patrick (70), Vizegouverneur des Bundesstaats Texas.

Er gab bei Trumps Lieblings-Sender "Fox News" gerade zum Besten, dass er persönlich zu sterben bereit sei, denn das Wichtigste ist, dass dieses Virus nicht das ganze Land zerstöre, was seiner Einschätzung nach bei einem länger anhaltenden Shutdown passieren würde: "Sie wollen sagen, dass diese Krankheit Ihr Leben nehmen könnte, aber dass das nicht das Schlimmste in dieser Situation wäre?", wird Patrick bei "Fox News" gefragt. Seine Antwort: "Ja."

Damit deckt er sich mit Trump, der eben erst zu verstehen gab, dass "die Heilung nicht schlimmer sein darf, als die Krankheit selbst", und die Leute dazu aufrief, zurück zur Arbeit zu kehren. Eine Position, an der mehr ist, als man denken möchte, wenngleich im Falle von Trump, Patrick und Co. wohl nichts weiter als Menschenleben verachtender Kapitalismus dahinter steht.

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Corona: Wirtschaft vs. Leben retten

Es ist wohl erst mal selbsterklärend, dass in einem Szenario, wie jetzt beim Coronavirus, die erste Reaktion ist, Leben retten zu wollen - heißt: Infizierte behandeln und die Ausbreitung des Virus zu bekämpfen. Doch das geschieht bekanntlich nicht umsonst. Dass allein in Deutschland bis zu eine Million Arbeitsplätze verloren gehen könnten ("Tagesschau") und auch aktuell schon etliche Menschen in wirtschaftliche Existenzkrisen gerade, ist das Opfer, was gerade in Kauf genommen wird. Spinnen wir das mal weiter.

Gäbe es nicht irgendwann einen Punkt, an dem wir sagen würden: Nein, so viele gescheiterte Existenzen können wir nicht verkraften, wir müssen damit leben, dass das Virus vielen Menschen in hohem Alter das Leben kosten wird. Ich will hier selber nichts bewerten und finde die Frage quasi unlösbar schwer. Aber ich will sagen, dass wir momentan eine Waage an Gewinn und Verlust haben, die theoretisch auch in die andere Richtung kippen kann, in der man Corona nicht zum wichtigsten Ding der Welt macht. Jetzt zurück zu Trump.

Was wär das für eine Schlagzeile: "Wie das Coronavirus Donald Trumps Wiederwahl zunichte machte"!

Coronavirus vs. Trumps Wiederwahl

Hier ist sie, die Preisfrage, die jeder von uns für sich beantworten kann: Ist Donald Trump die Sorte Mensch, die sich für die nachfolgende Generation aufopfernd, gar selbstlos, hingeben würde? Oder sehen wir Donald Trump eher als machtgeilen, egomanen Kapitalisten, dem seine persönliche Karriere und die Wirtschaft der USA so heilig sind, wie Fast Food von Wendy's? Frage beantwortet. Wohl eher Letzteres. Doch es steckt noch mehr dahinter.

Trump muss um seine Wiederwahl im November bangen. Das zentrale Argument, das der Republikaner vor der Ausbreitung des Virus im Wahlkampf anführte: die boomende Wirtschaft in den USA. Diesem Boom setzt die Krise nun ein jähes Ende. Die Investmentbank Morgan Stanley sagt einen Rückgang des Bruttoinlandsprodukts um sagenhafte 30,1 Prozent im zweiten Quartal voraus - und einen Anstieg der Arbeitslosenquote von 3,6 auf 12,8 Prozent. Auch am Aktienmarkt - den Trump zu seinem Erfolgsmaßstab gemacht hat - sieht es düster aus. Der Aktienindex S&P 500 ist zwischenzeitlich unter den Wert zum Zeitpunkt von Trumps Einzug ins Weiße Haus gefallen. Desaströse Zahlen.

Bis Ostersonntag - den 12. April - will Trump die USA deshalb wieder weitgehend im Normalbetrieb sehen. "Ich denke, das ist absolut möglich", sagt er mit Blick auf die nicht einmal dreiwöchige Frist. "Wir müssen unser Land wieder an die Arbeit bringen." Es ist ein hochriskantes Manöver: Eine Studie des Imperial College in London aus der vergangenen Woche geht von geschätzten 2,2 Millionen Toten in den USA aus, würden keinerlei Maßnahmen zur Eindämmung des Virus ergriffen. Trump argumentiert, Schutzmaßnahmen wie Händewaschen oder Abstand halten, seien auch am Arbeitsplatz möglich.

[Text: Zusammen mit dpa]

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  • Quelle:
  • Noizz.de