Seit Dienstag ist die Corona-Warn-App verfügbar: Sie soll helfen, die Ansteckungskette besser zu verfolgen und Nutzer*innen informieren, wenn sie in der Nähe eines Covid-19-Erkrankten waren. Eine super Idee – oder nicht?

"Corona Warn" ist eine App des Robert-Koch-Instituts. Sie soll helfen, die Pandemie zu bekämpfen. Die Idee: Mithilfe deines Handys soll kontrolliert werden, ob du dich länger in der Nähe eines Corona-Infizierten aufgehalten hast. Falls ja, wirst du benachrichtigt und gewarnt. Du kannst dich in Quarantäne begeben und dich und andere Menschen schützen. Die privaten Daten seien laut Hersteller sicher. Klingt nach einer super Idee. Die App allein kann den Virus aber nicht bekämpfen. Damit sie helfen kann, muss ein Großteil der Menschen ihren Beitrag leisten – und genau da liegt das Problem.

>> Hier kannst du die App im Apple Store und hier bei Google Play downloaden.

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Wer die Corona-App nutzen will, braucht mindestens ein iPhone 6s

Als ich am Dienstag die App herunterladen möchte, stehe ich vor dem ersten Hindernis. Ich suche, ganz naiv, nach der "Corona App". Was mir angezeigt wird, hat nichts mit der App des Robert-Koch-Institutes zu tun. Ich muss erst googeln, um den richtigen Namen der App zu erfahren. Gesucht, gefunden. Ich soll aber zuerst ein Update, iOS 13.5, installieren, um "Corona Warn" zu downloaden.

Das ist für mich kein großer Aufwand. Für den ein oder anderen älteren Nutzer oder Nutzerin könnte das schon die zweite Hürde sein. Das nächste Dilemma: Apple und Google, die laut "Spiegel" gemeinsam die Technologie entwickelt haben, setzen bestimmte Voraussetzungen: Die App könne, aufgrund des Updates, nur Personen herunterladen, die mindestens ein iPhone 6s – oder ein neueres Modell – besitzen. Bei Android-Smartphones braucht es ebenfalls ein relativ modernes Betriebssystem, damit die App funktioniert.

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Daten, Daten, Daten – ist das alles sicher?

Heruntergeladen und geöffnet folgt ein sehr langer Info-Text über die App: Ob man sie freiwillig herunterladen kann, ob die Daten sicher sind, wie die App funktioniert, wer sie erstellt hat und warum. Wahrscheinlich liest sich keiner – es sei denn derjenige steckt schon in Quarantäne und hat nichts zu tun – diesen Batzen durch. Eine kleine Zusammenfassung, und ein Verweis auf die lange Version auf der Homepage der Bundesregierung, hätten es auch getan. Noch besser: ein Erklärvideo anstelle des langen Textes. Omi wäre höchstwahrscheinlich bei all den Wörtern über "Datensicherung" eher besorgt anstatt beruhigt.

"Corona Warn" ist installiert, der Text überflogen. Nun werde ich gebeten, das Bluetooth anzuschalten. Das muss gemacht werden, bedingt aber gleichzeitig, dass ich immer ein Ladekabel parat habe. Der Akku ist sonst schnell leer – und die App wohl nutzlos.

Symbolbild Coronavirus

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Wie funktioniert nun die App?

Laut Hersteller heißt es, dass "die Risiko-Ermittlung funktioniert, indem Ihr Handy per Bluetooth verschlüsselte Zufallscodes anderer Nutzerinnen und Nutzer empfängt und Ihren eignen Zufallscode an deren Smartphones weitergibt […]". Es wird also kontrolliert, ob du dich längere Zeit neben einem Corona-Infizierten aufgehalten hast. Falls ja, wirst du benachrichtigt. Voraussetzung dafür: Ihr beide seid Nutzer*innen, hattet euer Handy bei euch – und der Erkrankte hat der App mitgeteilt, dass er sich infiziert hat. Erst dann wirst du benachrichtigt. Allerdings etwas zeitversetzt, damit du nicht weißt, bei wem du dich unter Umständen angesteckt haben könntest – aus Datenschutzgründen.

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Was ist das Problem an der App?

Je älter man ist, desto höher ist der Risikofaktor an dem Virus zu sterben. Das Todes-Durchschnittsalter liegt laut "Statista" bei 82 Jahren. Allerdings haben nur 64,5 Prozent der über 70-Jährigen ein Smartphone. Davon wohl nur wenige ein so modernes Handy wie das iPhone 6s. Ein noch kleinerer Teil ist wahrscheinlich gewillt, den Namen der App zu googeln, weiß, was "iOS 13.5" bedeutet, wie man ein Update herunterlädt oder Bluetooth anschaltet. Zudem kommt der lange Text, die Voraussetzung, sich zu testen und als Infizierter zu melden – und immer sein Smartphone bei sich zu haben.

Da ich aktuell davon ausgehen, nicht infiziert zu sein und seit Dienstag, bis auf kleine Spaziergänge, nicht das Haus verlassen habe, konnte ich die App nur teilweise testen. Dass ich – im Falle einer Infektion – den QR-Code meines Test-Dokuments scannen und mich dann mit einer Tan registrieren muss, schreckt selbst mich etwas ab.

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Das Fazit zu "Corona Warn"

Klingt nach vielen Hürden. Ist die App deswegen nutzlos? Auf keinen Fall. Sie ist aber darauf angewiesen, dass wir alle unseren Beitrag leisten: die App herunterladen, sie richtig nutzen und sie anderen erklären. Und wer macht das? Wahrscheinlich genau die Leute, die sich an die Vorschriften halten, eine Maske tragen und 1,5 Meter Abstand halten. Wie sinnvoll die App ist, sei damit dahingestellt. Doch wer sie nutzt, hilft – und ermutigt vielleicht andere, es ebenfalls zu tun.

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Quelle: Noizz.de