Diese abstruse Idee stammt von zwei französischen Forschern. Haben die etwa geglaubt, wir können wegen unseren von Corona-Angstzuständen vernebelten Gehirnen nicht mehr richtig denken? Einen Impfstoff auf dem Kontinent Afrika zu testen, dass fällt selbst uns labilen Europäern noch als lupenreiner Kolonialismus 2.0 auf!

Zwei französische Ärzte haben kürzlich im Fernsehen "bewusst provoziert", wie sie es nennen. Sie haben vorgeschlagen, einen Impfstoff gegen das Coronavirus in Afrika testen zu wollen. Jean-Paul Mira, Chefarzt am Pariser Cochin Krankenhaus, sagte, da es dort keine Masken, keine Behandlungsmöglichkeiten und keine Wiederbelebungsmaßnahmen gebe, wäre Afrika ein idealer Ort, um die Wirksamkeit zu überprüfen. Camille Locht, Forschungsdirektor des Inserm-Instituts, bekräftigte die Aussage des Mediziners: "Sie haben recht, wir überlegen, eine parallele Studie in Afrika durchzuführen." Wait a minute ... wait a minute!?

Liebe französische Forscher, ihr wisst schon, dass Afrika ein Kontinent und kein Land ist?

Dass in 55 Ländern 1,2 Milliarden Menschen leben. Dass es krasse Unterschiede in der medizinischen Versorgung und bei staatlichen Mitteln gibt und nicht jedes Land "keine Masken, keine Behandlungsmöglichkeiten und keine Wiederbelebungsmaßnahmen" hat? Diese Banalisierung eines ganzen Kontinents ist nicht nur wahnsinnig rassistisch, sondern auch eurozentrisch und zeugt davon, dass Weiße in den meisten Fällen einfach keine Ahnung davon haben, was vor Ort eigentlich los ist.

Mal abgesehen davon, dass es in afrikanischen Ländern bisher nur eine vergleichsweise geringe Anzahl von Coronafällen gibt und eine großangelegte Studie wohl gerade in den USA oder in Spanien und Italien am besten aufgehoben wäre. Am Ende ihrer Ansprache haben die beiden Mediziner zwar in einem Nebensatz noch erwähnt, dass auch parallele Studien in Europa und Australien denkbar sind, doch ganz klar soll der Wirkstoff erst einmal an "Afrikanern" getestet werden.

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Klar, da haben die europäischen Wissenschaftler keine Verluste im eigenen Land zu verzeichnen

"Afrika" ist eh so weit weg und so arm, da macht es ja auch nichts, wenn es dann doch schlimme Nebenwirkungen gibt und ein paar mehr Menschen sterben, als geplant. Wenn da mal nicht das kolonialistische Gedankengut der ehemaligen Kolonialmacht Frankreich wieder schön an die Oberfläche geschwemmt wurde.

BPoC regen sich auf Social Media gerade zurecht darüber auf und teilen massenweise Bilder mit dem Zitat: Africa is not a testing lab. Yes, afrikanische Länder sind auch kein Versuchslabor und die Menschen Afrikas sind keine Versuchstiere. In Deutschland gab es vor allem von Schwarzen Fußballern eine klare Verurteilung des Vorhabens, den neuartigen Corona-Impfstoff auf dem Kontinent zu testen.

Antonio Rüdiger schreib via Twitter: "Ich habe eine Weile gebraucht, um Worte für diese Leute zu finden. Zwei französische Ärzte schlagen im TV vor einen Covid-19-Impfstoff in Afrika zu testen ... als ob Afrikaner eine Art Tier wären. Beschämend!" David Alaba gab sich ähnlich erschüttert: "Sind diese beiden Männer Ärzte oder Clowns? Das ist eine Art Rassismus, den ich mir nie hätte vorstellen können. Beschämend und inakzeptabel!"

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Quelle: Noizz.de