Alle spielen die neuste Auflage von "Animal Crossing: New Horizons", die gerade bei Nintendo für die Switch erschienen ist. Quasi als ein Allheilmittel in der einsamen Corona-Isolation, aber what the hell – die Flucht auf eine einsame Insel ist das langweiligste Spiel ever! Ein Rant.

Ich weiß: Leute, uns ist langweilig. Ein ganzes Wochenende kann man eben nicht nur mit Skype-Calls, kochen, einem Spaziergang und Netflix füllen. Deswegen entdecken in diesen Tagen viele endlich wieder ihre Lust am Zocken. Mir geht es da nicht anders: Switch, Play Station, alles, was man hat, wird genutzt.

Nintendo hat in diesen quälenden Tagen der Corona-Isolation für uns alle auch ein supertolles Game herausgebracht, auf das quasi jede*r abfährt: "Animal Crossing: New Horizons". Gefühlt spielt jede*r es, alle fahren auf Nook Inc., so heißt die Firma des Waschbären Tom Nooks, dem eine Insel gehört, ab.

Nintendo beschreibt das Spiel wie folgt:

"Manchmal ist das moderne Leben einfach zu hektisch. Doch für alle Fans von Animal Crossing gib’s jetzt das Reif-für-die-Insel-Paket. Im ersten Nintendo Switch-Spiel der Kultserie erwartet sie eine einsame Insel mit unberührter Natur, absolute Freiheit und jede Menge Möglichkeiten kreativ zu werden können. Sie können Strandspaziergänge machen, das idyllische Eiland erkunden und dabei per Sprungstab Bäche überqueren. Vor allem können die Ärmel hochkrempeln und die Inselwelt ganz nach Wunsch gestalten. Sie sammeln Material und bauen daraus Häuser, Möbel, Werkzeuge oder was immer ihnen einfällt. Wer mag, darf sogar die Landschaft möblieren – und alle mit einem grünen Daumen, können Hobbygärtner werden oder sich mit Bäumen und Blumen austauschen. Die Nintendo Switch-Fans freunden sich mit Neuankömmlingen an und können gemeinsam mit bis zu acht Freund*innen die Jahreszeiten in ihrem Inselparadies genießen."

"Animal Crossing: New Horizons"

Nachdem ich die Demoversion von "Animal Crossing: New Horizons" angezockt habe, oder eher gespielt, von zocken kann man hier nicht reden, bin ich noch viel mehr auf Antikurs, als ich es schon durch meine Erinnerungen aus Kindheitstagen und dem "Animal Crossing"-Setting bei "Mario Kart" war. Nooks einsame Insel ist zwar kuschelig und bunt – wahrscheinlich kann man hier sogar eine Endorphin- und Vitamin-D-Überdosis bekommen –,aber ansonsten vor allem eins: ultramonoton und langweilig.

Wie sehr "Animal Crossing: New Horizons" auf heile Welt macht und dabei absolut unspektakulär ist, zeigt der Trailer von Nintendo:

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Vielleicht bin ich tatsächlich etwas zu hart zu dem supersüßen Nook. Versteht mich wirklich nicht falsch, ich liebe, wirklich ich liebe ultracute Games, die von ihrer Optik her eigentlich so gar nichts für Erwachsene sein sollten. Mein absolutes Lieblingsgame aller Zeiten ist "Yoshi's Island" bei dem eine ganze Armee bunter, süßer Yoshis einen Baby-Mario in einer Art selbst gebastelten Zuckerwolkenwelt retten müssen.

Ich liebe es, auf der Playstation den Wollknäuel aus "Little Big Planet" auf Abenteuer zu schicken, genauso zocke ich Pokémon (oh Gott, wie süß ist eigentlich Pikachu?!) und das neue Game "Dreams", wo du auf der PS4 kreativ selbst eigene Games in einer Art Traumwelt erbauen kannst, ist ein einziges Dessert. Diese Games haben aber einen entscheidenen Vorteil gegenüber "Animal Crossing": Sie sind nicht langweilig.

Das einzige Ziel, das "Animal Crossing: New Horizons" hat, ist es Nook zu dienen

"Animal Crossing: New Horizons"

Ganz ehrlich, wollt ihr mich eigentlich verarschen? Bevor diese Pandemie kam, wart ihr alle so fokussiert auf eure Individualität und Selbstbestimmung. Und jetzt verwandelt ihr euch in einen uniformierten Nintendo-Mii, zieht euch zurück auf eine einsame Insel und dient einem Waschbären und seiner Firma?! Wo sind eure Ideale hin? Und jetzt kommt mir nicht mit "Das ist doch nur ein Spiel" oder der Ausrede, "Ich habe das schon als Kind gespielt". Selbst als Kind war "Animal Crossing" auf dem DS langweilig.

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Dieses Spiel ist Calvinismus für die Konsole

Arbeite hart, Tag ein Tag aus, sei eins mit der Umwelt, Natur, den Tieren und du kriegst von Gott – hier: Nook – den Lohn für deine Mühen: Geld und Wohlstand – im Falle von Animal Crossing beknackte Klamotten für deinen Mii oder ein nices Gimmick für dein Haus. Aber mehr als anbauen in einer schönen heilen Welt, tust du auch nicht. Am Anfang hast du nur ein Zelt!

Ja, ich weiß: Eskapismus. Vielleicht auch, damit du weißt, wie es sich anfühlt, wenn all deine Mühen und harte Arbeit, endlich mal belohnt werden, du direkt einen Effekt siehst: Das kennen wir Millennials ja gar nicht mehr. Aber mal ganz ehrlich: Eine schöne Landschaft kriegst du auf der Switch auch bei "Zelda" und da kämpfst du wenigstens für deine Überzeugungen, hast eine Motivation. Es gilt den Feind zu besiegen. Du hast Antrieb.

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Wer "Animal Crossing" spielt und sich in Nooks moderne Sklaverei freiwillig begeben hat, hat schon verloren und ist vor lauter Konformität und Friede-Freude-Eierkuchen-Denken, schon zu einer großen Masse verschmolzen. Ja, im Kollektiv kann man viel erreichen. Aber nicht auf einer einsamen Insel, auf der man nichts anderes tut, als zu schuften. Mach ich auch gerade in meiner Wohnung. Auch eine Art einsame Insel, in der ich schufte, den Haushalt mache. Meine einzige Belohnung: Onlineshopping und Yoga.

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Fick dich Nook – auch wenn du niedlich bist

Die unendliche Maloche hat im Ruhrgebiet auch den wenigsten Bergarbeitern, die Kohle abgebaut haben, gutgetan. Dazu machen die tierischen Bewohner der Insel auch noch gute Mine zum bösen Spiel. Sie lächeln dich an, sie sprechen dir Mut zu, sie sind sooo liebenswert. Angeblich muss man sich um nichts Sorgen machen auf dieser Insel. Aber ganz eigentlich reden sie es dir nur ein, du musst dir nämlich Gedanken um deinen eigenen Spirit machen.

"Animal Crossing" macht mich wütend. Es ist wenig innovativ, bringt dir nichts Neues, es ist ein Positiv-Abdruck deiner Coronaquarantäne, die viel zu süß ist. Das stundenlang zu spielen, ist wirklich nur Zeit absitzen. Dazu ein Soundtrack, den man nach zehn Sekunden schon unausstehlich findet. Und mal ehrlich, Nook, du shady Waschbär oder was du auch immer für ein Tier sein sollst: Nenn mir mal bitte einen guten Grund auf deine Insel zu kommen?

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Eben. Hab ich mir gedacht. Tom Nook von Nook Inc. grinst nur blöd und klatscht Beifall.

>> Quarantäne-Entertainment: 5 Dinge für ein bisschen Fun in der Corona-Isolation

  • Quelle:
  • Noizz.de