Homophobie finden die bei Coca-Cola Austria nämlich trotzdem ok.

Juni ist Pride-Monat. Das ist inzwischen auch bei den letzten Marketing-Gangs angekommen. Alles, was nicht niet- und nagelfest ist, wird jetzt also mit pseudo-inklusiven Botschaften bestückt und in Regenbogen-Farben gehüllt, bis man sich wünscht, farbenblind zu sein. Oft ist der bunte Spaß nämlich eher eine lahme, fake PR-Masche. Darüber hatten wir uns ja bereits ordentlich ausgelassen.

Wie wenig hinter solchen Kampagnen steckt, hat Coca-Cola Austria jetzt bewiesen. Die Werbe-Kampagne in Zusammenarbeit mit EUROPRIDE VIENNA fährt nämlich das volle Programm: Ein cutes Influencer-Homo-Couple (@lisbia_) wurde auf Plakate gedruckt und quasi ganz Österreich damit vollgeplastert. Sogar Wiener Zebrastreifen sind jetzt bunt bemalt. Der Slogan: LOVE = LOVE. Die Etiketten der Coke-Flaschen sind regenbogen-gestreift und auch auf Social Media wird wild mit der Pride-Fahne geschwenkt. So weit, so gut.

Was aber, wenn sich Instagram mal wieder von der schlimmsten Seite zeigt und sich die homophoben Troll-Kommentare bei Coca-Cola nur so häufen? Sollte der Konzern mit einer klaren Message antworten? Homophobie die Stirn bieten? Hahaha. Nicht so Coca-Cola Austria.

Ein User schreibt, "Das ist der Grund warum ich ab jetzt nur noch Pepsi kauf", ein anderer: "Macht’s euch ned peinlich". Unmengen an Kotz-Emojis und Aussagen, die wir euch lieber ersparen, folgen. Immer wieder antwortet @cocacola_at:

Screenshot: @cocacola_at auf Instagram Foto: Instagram/@cocacola_at

"Wir respektieren aber auch andere Meinungen zu diesem Thema ..." Bitte was? Homophobie soll also eine Meinung sein? Eine Meinung, die auch noch respektiert werden soll? Wie sieht's mit Rassismus aus? Ist das dann auch eine Meinung, die man so stehen lassen und akzeptieren kann? Oder Sexismus? Geht das auch klar? NEIN. Nicht 2019. Und vor allem nicht, wenn man auf den LGBTQ*-Zug aufspringen und seine Werbekampagnen mit niedlichen lesbischen Pärchen schmücken möchte.

Homophobie ist vieles: scheiße, engstirnig, traurig, besorgniserregend, voller Aufklärungsbedarf. Aber sicher keine Meinung. Die hat man, was Musik angeht, oder die Vorliebe in Sachen Erfrischungsgetränk – aber nicht zur sexuellen Identität anderer Menschen.

Die queeren Peepz anhauen, mehr Cola zu kaufen und so irgendwelche bunten Bracelets zu gewinnen, mit der Europride gemeinsame Sache machen, aber homophobe Kommentare zulassen, quasi bestärken? Zu sagen: OK COOL, ist deine Meinung, tolerieren wir?

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Sorry, Coca-Cola Austria, aber da müsst ihr euch schon entscheiden, euch klar positionieren. Alles andere ist Heuchelei. Entweder, oder. Da gibt es keinen ach so toleranten Mittelweg mit Lachsmiley. Ihr könnt nicht alle Kunden gleichzeitig glücklich machen. Sollen doch alle homophoben Arschlöcher Pepsi saufen, ey.

Während ich hier wütend in die Tasten haue, werden unter den Coca-Cola-Posts etliche Kommentare gelöscht. Zunächst nur die, die Coca-Cola auf eben diese Meinungs-Problematik hinweisen. Plötzlich sind auch die Copy-und-Paste-Antworten von @cocacola_at und die Kotz-Emojis verschwunden. Unter den älteren Pride-Posts prangern sie zwar noch, aber es scheint dennoch, als sei die Kritik der User langsam auch bei den dortigen Social-Media-Menschen angekommen. Jetzt müsste aber ein klares Statement folgen. Wenn nicht, bleibt Coca-Cola Austria in dem regenbogenfarbenen Heuchler-Nest sitzen, das es sich da gemacht hat.

UPDATE: Inzwischen gibt es ein Statement von Coca-Cola Austria. Folgendes haben sie unter ihrem "LOVE = LOVE"-Post kommentiert:

Statement von Coca-Cola Austria Foto: @cocacola_at / Instagram/@cocacola_at

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Quelle: NOIZZ-Redaktion