Alle hassen mich, weil ich das Coachella Festival liebe

Juliane Reuther

Popkultur, Politik & Feminismus
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Schauspielerin Shay Mitchell beim Coachella Festival in Palm Springs Foto: shaymitchell / Instagram

Ich habe trotzdem no shame.

Gute Musik, schöne Menschen und Sonnenschein: What's not to love? Das Coachella Valley Music and Arts Festival hat sich im Zeitalter von Instagram-Models und Influencern zu dem wohl ikonischsten Festival unserer Zeit entwickelt. Dort trifft schließlich die Crème de la Crème aufeinander – und die ganze Welt schaut via Social Media zu. Für viele sind diese 10 Tage purer Spam nicht auszuhalten, ich dagegen vergöttere diesen Spam. Denn zum einen hat das Coachella Festival, dass jedes Jahr im April in der Wüste von Palm Springs stattfindet, die größten und angesagtesten Künstler am Start. Zum anderen ist das menschliche Treiben genauso spannend wie eine Telenovela.

Doch erst einmal zur Musik: In diesem Jahr hat das Coachella so richtig aufgefahren und schon damit mein Herz erobert, dass meine Lieblingsband The 1975 den ersten Tag des Festivals, das zwei Wochenenden umfasst, mit einer gigantischen Show eröffnen durfte. Neben der Indieband aus England haben Größen wie Childish Gambino, Jaden Smith und Blackpink den ersten Tag geheadlined und damit schon mehr gute Performances abgeliefert, als jedes deutsche Festival an einem ganzen Wochenende.

Am Samstag und Sonntag haben dann auch noch Tame Impala, Ariana Grande, Virgil Abloh, Billie Eilish, Kid Cudi, Juice WRLD und viele mehr die Besucher des Music and Arts Festivals mit ihrer Präsenz beehrt. Neben dem genialen Line-up, das man sich als Allmann ganz einfach via YouTube-Livestream geben konnte, sind auch die Performances selbst einfach episch. So hat beispielsweise Ariana Grande eine Show abgeliefert, die es so wohl bei keinem anderen Festival gegeben hätte.

Neben Nicki Minaj hat sie auch NSYNC (leider ohne Justin Timberlake) für eine gemeinsame Performance von "Tearin’ Up My Heart" auf die Bühne geholt. Ich bin zwar kein krasser NSYNC-Fan, aber selbst mir ist bewusst wie großartig das ist. Childish Gambino stellte dagegen während seiner Performance seinen Film "Guava Island" vor, in dem auch Rihanna mitspielt und der ab sofort bei Amazon Prime zu Verfügung steht. Jaden Smith rappte bei seinem Auftritt auf einem fliegenden Tesla. Coachella eben.

In den letzten 20 Jahren war das Coachella Festival Austragungsort für viele historische Performances. 2012 hatte Snoop Dogg bei seiner gemeinsamen Headlineshow mit Dr. Dre gemeinsam mit einer Projektion von Tupac Shakur die Songs "Hail Mary" und "2 of Amerikaz Most Wanted" performt. 2014 machte Outkast ihre Wiedervereinigung mit einem Auftritt auf dem Festival offiziell, 2018 hatte das Musik-Event mit Beyoncé und Eminem zwei wahre Ikonen als Headliner parat.

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Nicht nur die Künstler sorgen beim Coachella für erstklassige Unterhaltung, auch das Publikum trägt für mich maßgeblich zur Unterhaltung bei. Tausende Influencer, Models und Künstler aus der ganzen Welt pilgern mit teuren Pressetrips irgendwelcher Marken in die Wüste von Palm Springs und erinnern ein bisschen eine Herde Elefanten, die nach einer langen Reise eine Wasserstelle erreicht. Denn auf dieses Festival arbeiten viele Stars und Starlets das ganze Jahr lang hin.

Wie schamlos die sechs Tage Action dann auf Instagram und YouTube ausgeschlachtet werden, finde ich einfach nur großartig. Irgendwo zwischen Fremdscham und Neid bewegt sich der Reiz, den mir mein Instagram-Feed zu dieser Zeit gibt. Denn mal ehrlich, wer will nicht während des deutschen, verregneten Aprils lieber in der Sonne von Kalifornien mit Jaden Smith und Kendall Jenner auf einem Festival abhängen und live sehen, welche Promis da so Hand in Hand rumlaufen oder mit ihren berühmten Exen rumknutschen.

Wenn ich ganz ehrlich bin, habe ich auch einiges an Bewunderung für die Outfits der Influencer-Boys und -Girls übrig, die teilweise wirklich extrem geil und kreativ sind. Speichere ich mir halt auch einfach direkt für den CSD in Berlin ab. Da hat man halt als arme No-Influencerin in Deutschland auch was davon. Es kommt eben einfach auf den Blickwinkel an. Klar, ich verstehe schon, dass das Coachella in manchen Dingen durchaus zweifelhaft ist, aber nur weil ich darüber abhate, wie meine Mitmenschen, ändert sich da ja auch nichts. Wenn der ganze Content schon in meiner Bubble rumschwimmt, dann kann ich es doch auch einfach mal genießen – wie eine viel luxuriösere und niveauvollere Version von "Berlin – Tag & Nacht" mit einem abgefahren gutem Soundtrack eben.

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Quelle: Noizz.de