Von manchen Traditionen muss man sich lösen können.

In Mannheim ist gerade einen heißdiskutierte Debatte entbrannt. Das Zentrum der öffentlichen Diskussion: der "Sarotti-Mohr". Die Werbefigur des Schokoladenherstellers hängt dort nämlich in dem Kulturzentrum Capitol, einem Veranstaltungsort, an dem auch anti-rassistische Veranstaltungen stattfinden. Für viele Bewohner der Stadt ein absoluter Gegensatz, der sich nicht gerade gut macht.

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Der "Sarotti-Mohr" , für alle, die die Figur gerade nicht vor Augen haben, ist ein schwarzer Diener in bunten Pluderhosen und Schnabelschuhen und mit einem Tablett in der Hand. Kritiker sehen darin eine Manifestation der kolonialistischen, abwertenden Sicht auf schwarze Menschen. Sie wurden zu dieser Zeit als "Diener" versklavt und als Menschen zweiter Klasse angesehen – wenn ihnen die Menschlichkeit denn überhaupt zugesprochen wurde.

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Diese Ansicht hat 2019 natürlich nichts mehr in einem Kulturzentrum verloren. Offiziell hat sich selbst Sarotti bereits von dem Logo getrennt, dass an die dunkle Kolonialgeschichte Europas erinnert. Nur das Kulturzentrum in Mannheim zeigt sich bei der Debatte und der geforderten Abnahme der alten Sarotti-Werbung uneinsichtig. Immerhin versucht es, sich seinen Entschluss allerdings schönzureden. Die Darstellung der rassistischen Stereotype sei als "eine Irritation des Betrachters hier gewünscht und beabsichtigt, diese soll den Dialog anregen", so die Verantwortlichen laut "Focus".

Weiße Menschen haben also entschieden, dass die Diskussion über Rassismus auf dem Rücken von schwarzen Menschen stattfinden soll. Ob ihre hauseigenen Veranstaltungen zur Thematik "Kein Platz für Rassismus" den Diskurs nicht sowieso am Leben halten, sei dahingestellt.

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Der Kampf gegen den "Mohr" herrscht in Deutschland schon seit Jahren. Ob "Mohren-Straße", "Mohren-Apotheke" oder der "Coburger Mohr": Deutsche scheinen an dem negativ belegten Wort zur Bezeichnung schwarzer Menschen zu hängen. Dass es aus einer schmerzhaften historischen Periode stammt und damit schwarze Personen an die Grauen ihrer Vorfahren erinnert, scheint dem Alman als Argument einfach nicht gut genug zu sein. Und schließlich wissen doch Weiße immer, was das Beste für Nicht-Weiße ist, oder? NEIN!

Die Mannheimer Diskussion ist eine weitere Verdeutlichung von Alltagsrassismus und sogenannten Mikroaggressionen, mit denen People of Color hierzulande immer wieder konfrontiert werden. Das Antidiskriminierungsbüro Mannheim nennt die Diskussion um die Sarotti-Werbung deshalb zurecht ein "Paradebeispiel von wiederkehrender Alltagsdiskriminierung".

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  • Quelle:
  • Noizz.de