Die besten Reaktionen zu seiner wahnwitzigen Raumfahrt-Mission!

Es ist ja so eine Sache. Mit Ministern, die Dinge fordern, meine ich. Oder, noch schlimmer, die Sachen versprechen. Im Wahlkampf, auf Wählerstimmenfang, wie der Rattenfänger, der scheußliche Musik spielt, nur, um ordentlich Lärm zu machen. Und am Ende ist es eine Falle.

Für mich zum Beispiel macht das Meiste, was der bayerische Ministerpräsident Markus Söder (CSU) so sagt, wenig Sinn. Ich fühle mich dann immer so ein bisschen wie vor der versteckten Kamera, oder, wie bei „Verstehen Sie Spaß?“.

Denn beim Söder, tja, da denke ich mir oft: Hat der jetzt nicht gesagt! Hat der jetzt NICHT. WIRKLICH. GESAGT. Und jetzt, aktuell, denke ich mir auch: Hat er nicht wirklich geplant. Hat er nicht wirklich gemacht?!

Das Neueste, was Markus Söder jetzt vorschlägt, klingt für meinen eher irdischen Geschmack zum Beispiel wieder total abgespacet: Der Bayer möchte eine eigene Raumfahrtmission aus und für das bayerische Bundesland. Aha.

Einen Namen hat sich der Politiker auch schon ausgedacht: Bavaria One soll die Raumfahrtstrategie made in Bayern heißen. Abgesegnet ist das schon:

Die Staatsregierung von Bayern findet diesen Griff nach den Sternen nicht überzogen, das Kabinett hat am Dienstag beschlossen, den Standort galaktisch auszubauen: Mehr als 700 Millionen Euro, protzt Major Söder, äh, Major Tom, sollen in seine Raketen-Idee investiert werden. Ja, Europas Nummer eins der Luft- und Raumfahrt soll aus dem südlichen Bundesland Deutschlands kommen. Völlig losgelöst von der Erde, äh, dem Rest Deutschlands. Hmm.

Bisschen abgehoben für meinen Geschmack – und auch das Internet hat da so einiges zu spotten:

Kritik gibt es für die „größenwahnsinnige“ Idee an sich …

… an der Wahl des Ministerpräsidenten Markus Söder selbst, inklusive Zweifel an seinem Menschenverstand.

Häme gibt es online vor allem für das XXXL-Werbeplakat mit seinem eigenen Grinse-Gesicht in gefühlter Größe des Mondes.

Nicht sehr überzeugt von dem Plan, Bayern zum Place-to-be für die Forschung nach fernen Planeten zu machen, sind nicht nur die Opposition und Politiker. Auch die Menschen und potenziellen Wähler sind größtenteils verschreckt. Sogar, wenn sie aus Bayern kommen und eine Investition in ihre Heimat an sich nicht schlecht finden.

So wie meine Kollegin Juliane Reuther. Sie ist 24 und hat stolze 18 Jahre in dem Bundesland (Marktgraitz, Nähe Kronach) gelebt und gearbeitet, in dem ihr Ministerpräsident jetzt einen neuen Super-Coup Richtung Mond und Mars starten will.

Sie sagt mir: „Unser neuer Ministerpräsident Markus Söder gibt mir jetzt echt den Rest. Denn der Markus ist so wie ich in „Frangen“ geboren und sorgt nun bei mir für einen Schamausbruch mit jedem R, dass ich aus Versehen rolle.“

Der Grund: Das Schaulaufen des vor Selbstvertrauen strotzenden Söders, das sie gefährlich an Donald Trumps peinliche Präsidenten-Parade erinnert.

Juliane: „Als Donald Trump vor einigen Wochen von seiner Space Force erzählte, habe ich mich kaputtgelacht. Ich hatte ja keine Ahnung, dass da wohl schon Bavaria One in den Startlöchern stand. Mit seinem sympathischen Logo toppt Söder doch tatsächlich Chaospräsident Trump, denn nicht einmal der ist so eitel, dass er sein eigenes Mondgesicht einer wirtschaftlichen Aktion aufdrücken würde.“

Mich erinnert Markus Söder langsam eher an Elon Musk und seine wirren Tweets, unfassbar geschmacklosen Aussagen und irren Ideen für die Menschheit. Der Tesla-Chef hat zwar auch verständliche Pläne in seinem Kopf, wie Raumfahrten als Tourismus. Das klingt zwar nach Zukunft 10.0, aber auch die will ja irgendwann mal geplant werden. Trotzdem schießt sich auch Musk immer wieder mit Fauxpas und Fails selbst ins Aus.

[Mehr dazu: Wegen Pädo-Beleidigung: Rettungstaucher verklagt Tesla-Chef Elon Musk]

Laut der Astrologin meines Vertrauens, Jessica Lanyadoo, ist jetzt der Planet Venus in Retrograde, also rücklaufig, das heißt für Horoskop-Banausen mal einfach: Es gibt Beef, Konflikte und komische (oder kosmische) Missverständnisse, vor allem in Beziehungen, zwischen Menschen und der Kommunikation.

Na, das erklärt das ja vielleicht. Hoffentlich. Irgendwie.

Ansonsten kann ich nur annehmen, dass ein Alien, das sich mit den wirklichen Themen auf der Welt momentan überhaupt nicht auskennt – Krieg, Klimawandel, Kinderarmut, Rentendebatte, Pflegemisere, Fachkräftemangel und und – in den Körper von Söder geschlüpft ist.

Außerdem haben wir doch schon einen Deutschen vom Fach oben im All, der so viel sympathischer, kompetenter und beliebter ist als Markus Söder: „Unser“ Astronauten-Ass Alexander Gerst. Er ist der erste deutsche ISS-Kommandant. Und er ist cool. Er spielt zum Beispiel Musik von Kraftwerk in seiner Kabine. Er erklärt bei der „Sendung mit der Maus“ altersgerecht Kindern, warum das Lernen für einen Job in der Physik und Astronomie total lohnenswert ist.

Und er kennt sich aus im Weltraum. Er hat eine Message: Der Weltraum ist wundervoll, aber die Erde ist ein Teil ebendieses Universums und sollte besser beschützt werden von unserer Bevölkerung.

[Mehr zu dem Thema: Fotos aus dem All zeigen: So vertrocknet ist Deutschland]

Deshalb finde ich, unser Ministerpräsident Markus Söder sollte sich mal wieder mit der Erde verwurzeln und tief Luft holen, bevor er das nächste Mal über Luftfahrt redet. Wenn er denn so gerne sein Gesicht im Zusammenhang mit dem Weltall sieht, soll er sich doch bitte nicht auf ein Werbeplakat für eine zum Scheitern verurteilte Mission aufdrängeln, sondern lieber mit der NASA-App seine Selfies im Pseydo-Weltall schießen.

[Guck mal: Mit deser NASA-App kannst du Selfies im Weltall machen]

Falls nicht, muss ich mir wohl widersträubend doch schon mal einen Platz in der ersten Sonde zu einem anderen, fernen Planeten reservieren und mich schon mal in dieser Studie zur Schwerkraft der NASA für 16.500 Euro anmelden.

Ansonsten wie geplant: Wir schießen Söder zum Mond. Oder auch zum Mars. Je nachdem, was weiter weg ist.

Quelle: Noizz.de