Pauschalisieren ist eigentlich nie gut.

Der ehemalige US-Präsident Barack Obama hielt Anfang dieser Woche einen Vortrag bei einem privaten Event zum Thema "Leadership" in Singapur. Dort argumentierte er, dass Frauen die besseren Führungskräfte wären – doch ist diese Aussage wirklich pauschal tragbar?

Die britische Rundfunkanstalt "BBC" zitiert den 58-jährigen Ex-Präsidenten: "Frauen, ich will, dass ihr wisst; ihr seid nicht perfekt, aber ich kann unbestreitbar sagen, dass ihr besser als wir (Männer) seid".

Er ergänzt die Aussage mit dem Gedanken, dass wenn jedes Land der Welt für zwei Jahre von einer Frau regiert werden würde, man Verbesserungen in allen Bereichen des Lebens beobachten würde. Er findet, dass einer der größten Probleme der Welt alte Männer sind, die nicht aus ihren Machtpositionen treten wollen. "Politische Führungskräfte müssen merken, dass sie […] nicht in dieser Position sind, um das eigene Selbstwertgefühl zu pushen", so Obama.

Diese Aussagen sind zwar empowering für Frauen auf der ganzen Welt, die danach streben, Führungspositionen einzutreten. Sie ermutigen auch diejenigen, die sich durch das Patriarchat unterdrückt fühlen, indem es sie als Hoffnung der Zukunft hervorheben. Trotzdem ist die Aussage schwierig – und nicht in den richtigen Kontext gesetzt.

Im Kern von Obamas Aussage steckt ein nachvollziehbarer Ansatz: Frauen werden oft dazu erzogen, empathischer zu sein und weniger aggressiv zu handeln. Führungskräfte mit diesen Eigenschaften schätzt Obama in diesem Sinne als erfolgreicher ein, weil sie das Wohl aller in Betracht ziehen, nicht nur ihr Eigenes. Die Schlussfolgerung: Menschen mit diesen Eigenschaften sind erfolgreicherer Führungskräfte, und es sind vermehrt Frauen, die diese Eigenschaften vertreten.

Nur sagt Obama das nicht so. Obama pauschalisiert alle Frauen und alle Männer und reduziert den Menschen auf sein Geschlecht, und differenziert ihn nicht anhand seiner Persönlichkeitsattribute.

Frauen wurden aufgrund ihres Geschlechts in der Vergangenheit von Führungspositionen häufig ausgeschlossen, aufgrund von Vorurteilen, die mit ihrem Geschlecht verbunden sind. Sie jetzt aufgrund ihres Geschlechts hervorzuheben, ist eine genauso platte Argumentation.

Sexismus bedeutet nicht gleich Unterdrückung der Frau

Sexismus bedeutet, Menschen aufgrund ihres Geschlechts zu definieren. Und genau das betreibt Obama mit der Aussage, dass Frauen bessere Führungskräfte wären. In seiner Rede stellt er die Aussage dabei nicht in den Kontext von Persönlichkeitsattributen, er redet pauschal über Geschlechter und wie das Geschlecht ein Faktor von Erfolg ist, was meiner Meinung nach nicht stimmt. Die Faktoren vom Erfolg einer Führungskraft sind bestimmte menschliche Eigenschaften, die Männer sowie Frauen haben können. Menschen sollten für ihre Qualitäten bewertet werden, nicht wegen ihres Geschlechts.

Trotzdem ist es wichtig, dass Obama diese Aussagen macht. Denn vielleicht muss man Menschen, die sich aufgrund ihres Geschlechts unterdrückt fühlen, zuerst ein bisschen hervorheben, um Veränderung in der Gesellschaft zu provozieren. Erst dann können alle auf einem Level miteinander verglichen werden. Ohne in Betracht zu ziehen, was für eine Form ihr Körper wohl angenommen hat.

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  • Quelle:
  • Noizz.de