... und ich weiß nicht, warum ich so fühle.

Als ich meiner Mutter kürzlich in absoluter Meme-Euphorie einen Post (der bekannten Meme-Instagram-Seite "Galeria Arschgeweih") zuschickte, in dem Nadja Abd el Farrag höchst verwirrt auf die Begrüßung eines Moderators antwortet – und dann nur ein müdes "Hä, okay" zurückbekam, konnte ich es kaum fassen. Wieso zur Hölle überkommt meine Mutter bei diesem Juwel von einem Meme nicht die gleiche irrationale Extase wie mich?! Wie kann man ein so großartiges Stück Meme-Kultur bitteschön verschmähen?! Die Antwort liegt wohl irgendwo zwischen unserem Altersunterschied, ihrer Internet-Affinität- und meiner Abhängigkeit.

Ich finde keine Connection zu Baby Yoda

Was soll ich sagen, nur Tage später ist der Apfel ganz nah an den Stamm herangefallen – und ich stecke in derselben Situation wie meine Mutter. Meine Kollegin Juliane vertaggt mich unter einem Baby-Yoda-Meme nach dem anderen – und ich? Ich finde keine Connection zu diesem Stück Meme-Kultur. In den Memes zur jüngeren Version des "Star Wars"-Charakters aus der neuen Disney+-Serie "The Mandalorian" geht es meist darum, wie man als Kind etwas getan hat – und dabei so zuckersüß in die Gegend schaut wie eben Baby Yoda.

"Ich mit sieben Jahren, wie ich mich im Auto wundere, warum uns der Mond die ganze Zeit folgt" lockt mich allerdings genauso wenig hinter dem Ofen hervor wie "Ich im italienischen Restaurant, während der Kellner mein Gericht mit Parmesan bedeckt". Die Dots connecten sich schlichtweg nicht. Baby Yoda ist meine Nadja Abd el Farrag. Wie konnte es soweit kommen? Eine Bestandsausnahme (die mit der nötigen Ernsthaftigkeit zu genießen ist).

>> 21 Baby-Yoda-Memes, die dir deinen Lebenswillen zurückgeben(, findet meine Kollegin Juliane)

Eigentlich spricht alles für Baby-Yoda – oder doch nicht?

Fangen wir beim Kindchenschema an, das Baby Yoda so großartig bedient: Große Kulleraugen, riesige Segelohren, die sich wie Adlerflügel vom Kopf des grünen Aliens in die Welt spannen, das viel zu große Outfit, der kleine Körper zum Ballonkopf. Sü-ßer geht's nicht. Finde ich auch.

Weiter zur wiederkehrenden Meme-Struktur: Dieses niedliche Baby-Alien steht in jedem Posting für mein jüngeres Ich, das alltägliche Dinge erlebt – und dabei unglaublich süß aussieht. Ein einwandfreies Konzept, gegen das sich wenig Argumente aufbringen lassen. Oder doch? Will ich denn überhaupt Memes sehen, die mir ein "Awwww" entlocken? Wenn ich darüber nachdenke: Nein. Geht es bei einem Meme nicht prinzipiell darum, sich über andere oder sich selbst lustig zu machen? Gesellschaftskritische Aussagen in popkulturelle Zusammenhänge zu bringen?

Call me crazy, aber kann es sein, dass Baby Yoda das weltweit erste Meme ist, das auf Cuteness abzielt? Möglicherweise ist das mein Problem. Das ist nicht mehr meine Meme-Kultur. Baby Yoda, nein Danke.

>> Baby Yoda trinkt Suppe – das Internet explodiert, wieder

Quelle: Noizz.de