Deutschrap ist nach wie vor sexistisch af, und zum 1.000 Mal darüber zu schreiben, ist keinen Deut spannender, als zum 1.000 Mal davon zu lesen. Muss trotzdem sein. Capis neuer Song macht klar, dass sich auch 2020 nichts geändert hat: Deutsche Rapper kennen Frauen nur als optisch ansprechende Sammlung dreier Löcher, in die sie ihren Penis stecken wollen.

Es ist ein bisschen wie mit der "Black Lives Matter"-Bewegung, beziehungsweise Instagram-Posts über strukturellen Rassismus: Ja, so richtig viel Kraft haben wir alle nicht mehr, aber dabei geht es halt nicht um Entertainment, sondern um politischen Aktivismus und den Kampf gegen strukturelle Diskriminierung. Deshalb posten engagierte IG-User*innen weiter Storys über Rassismus, und deshalb prangern wir weiter Deutschrapper an, die auch im August 2020 immer noch nicht verstanden haben, wie man einen Songtext schreibt, der ohne frauenfeindliche Zeilen auskommt.

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Capis neuer Song zeigt, wo wir auch 2020 noch im Deutschrap stehen: Da, wo wir immer schon standen – Seite an Seite mit dem Sexismus

"Ich kauf die Wohnung deiner Bitch und sie muss ausziehen – oder sich ausziehen und dann auch ziehen. Doch ich glaub, sie will nicht ausziehen – sie will sich ausziehen und dann auch ziehen." – der neue Song von Capital Bra "Ausziehen" könnte eigentlich ein richtig nicer Song sein, wenn es im Kern nicht wieder um die Diskriminierung von Frauen und die Reduzierung auf ihre "Fickbarkeit" gehen würde.

>> Warum Deutsch-Rap der neue Schlager ist

"Ich bin so reich, ich kauf die Wohnung deiner Freundin, nur um dich zu dissen, und entweder, deine Freundin zieht sich aus und und nimmt Drogen mit uns, oder sie kann abhauen", ist die Quintessenz dessen, was Capi da von sich gibt, und ganz egal, ob er sich darüber bewusst ist oder nicht, das ist lupenreiner Sexismus.

Und jetzt? Spoiler alert, so geht es weiter: Jeder Mensch mit mehr Empathie als ein Handyladekabel sieht das ganz genau so und kann vermutlich ebenso so wenig fassen wie wir, dass deutsche Rap- und Pop-Superstars immer noch solche Texte schreiben (dürfen).

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Also schreiben wir einen Artikel darüber, dass der Text sexistisch ist, ärgern uns, diskutieren darüber, wie das immer noch sein kann, mühen uns zum x. Mal mit dem Thema ab, bringen den Meinungstext schließlich raus und – kassieren den Shitstorm von Rap- (und in diesem Fall Capi-)fans, die mit den immer gleichen und leider auch immer gleich dummen Kommentaren zeigen, wie sehr sie Fraktion Handyladekabel sind:

"Rap war schon immer so, hört halt keinen Rap", "Das ist Kunstfreiheit", "Haltet eure Schnauze", "Capi ist kein Sexist", "Verpisst euch", "Wenn ihr das schon schlimm findet, dann ist euch echt nicht mehr zu helfen", "Ihr habt Hip-Hop nicht verstanden" und so weiter, und so weiter.

>> Loredana kopiert Destiny's–Child–Hit: Warum geklaute Songs im Deutschrap so gut funktionieren

Kollegah oder Capi, Kool Savas oder Bausa – Sexismus im Deutschrap hat nichts mit einer bestimmten Generation zu tun.

Sexismus im Deutschrap – nicht nur die Rapper selbst sind verantwortlich

Vielleicht gibt es dann noch ein paar Reaktionen von anderen Journalist*innen auf Twitter, in Podcasts oder in anderen Medien, ein paar Kommis hier und da, und dann: Stille. Bis zum nächsten sexistischen Song eines Superstars. Stille, bis wir an irgendeinem Freitag (vermutlich in sieben Tagen) wieder nicht glauben können, was deutsche Rapper von sich geben.

Aber wisst ihr was? Dann ist das wohl so. So lange, bis deutsche Labels, Manager*innen oder einfach die Rapper selber anfangen, keine sexistische Musik mehr auf den Markt zu bringen – so lange callen wir sie eben out, so nervig das für alle Beteiligten ist.

Ich könnte mir tatsächlich schönere Freitage vorstellen, als wieder und wieder 26 Buchstaben zu Sätzen zu basteln, die mit immer neuen Beispielen davon erzählen, was für ein diskriminierender Haufen Scheiße Deutschrap ist.

Zum Beispiel Freitage ohne neue diskriminierende White-Male-Toxicity-Deutschrapsongs.

Quelle: Noizz.de