Rund 50 Prozent der Menschen haben eine, doch wenn sie mal Thema ist, dann werden alle plötzlich rot und finden die absurdesten Synonyme für das schönste Organ der Welt: die Vagina. Hier die Wahrheit über das glorreiche Geschlechtsorgan.

Ich dachte nie über meine Vagina nach, bis ich in einem (in vergewisserter Privatsphäre angeklickten) Artikel über Frauen* las, die unzufrieden mit dem Aussehen ihrer Vagina waren. Bis dahin war mir nie bewusst, dass Vaginas irgendeinem Schönheitsideal entsprechen könnten, ich war einfach noch nie mit dem Gedanken konfrontiert gewesen. Dann fing ich an zu überlegen: Sind meine Schamlippen zu groß? Zu klein? Zu faltig?

Mit meinen Freunden redete ich nie darüber, ich hatte Angst, dass es ihnen unangenehm wäre, obwohl wir auch sonst über alles reden, doch darüber eben nicht. Doch so lange noch nicht mal Frauen* untereinander offen über ihre Vaginas reden können, kannst du nicht vollkommen stolz auf deinen Körper sein. Zwischen deinen Beinen befindet sich ein wandelndes Tabu-Thema – doch jetzt ist Schluss damit. Wir wollen unsere Vaginas jetzt mal literarisch enthüllen und mal sagen, was gesagt werden muss. Von Ausfluss bis aufgescheuerten Schamlippen – das ist der ehrlichste Text über Vaginas, den du heute lesen wirst.

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Sabine: "Ja, ich rede hier von wunden, aufgescheuerten Schamlippen"

Eine Vagina und damit auch eine Vulva zu haben, ist eine wundervolle Sache, stellt einen anatomisch aber manchmal auch vor einigen Herausforderungen. Insbesondere, wenn man – so wie ich – eher stärker ausgeprägte innere Schamlippen hat. Ich weiß, niemand redet gerne darüber, wie ihre Schamlippen denn so aussehen, geschweige denn, wie sie sich anfühlen. Aber sie sind ein Teil von mir und manchmal treiben sie mich in den Wahnsinn.

Ja, ich rede hier von wunden, aufgescheuerten Schamlippen. Kann passieren wegen zu wildem, exzessiven und vor allem mehrmaligen Sex kurz hintereinander, aber auch wenn du einfach mal zu enge Hosen oder verdammt sexy Unterwäsche trägst, die aber einfach nicht für deine scheinbar riesige Vulva inklusive Schamlippen gemacht ist. Du hattest nie das Problem? Lucky you! Es brennt, es kratzt, es ist wund. Manchmal blutet es sogar leicht.

Fahrradfahren wird zur Qual, am liebsten würde man nur noch weite Sachen da unten tragen oder für immer in der Badewanne bleiben. Deine Schamlippen kommen dir auf einmal vor wie ein vertrockneter, eingeschrumpelter Mini-Lappen. Was also dagegen tun? Man kann ja schließlich nicht alles auf und um die Vulva schmieren. Vaseline macht einen weiteren eventuellen späteren Kondomgebrauch unmöglich, weil es das Latex porös machen könnte. Zinkcreme verbindet sich zusammen mit deinem Ausfluss zu einem ekligen Konglumarat, das niemand gerne da unten hat. Andere Möglichkeit: Kamillensud auftupfen. Kühlt und ist entzündungshemmend. Thank me later.

Mit ein bisschen Pflege geht das sogar, mit den aufgescheuerten Schamlippen

Alisha: "Blut und Geschlechtsverkehr schließen sich für viele immer noch kategorisch aus"

Wer eine Vagina hat, der hat sie vermutlich auch schon blutig gesehen. Ist die Periode eigentlich einsam? Ich glaube ja. Denn richtige Freunde hat sie keine. Ein Teil hält sie für eklig und will am liebsten so tun, als existiere sie gar nicht. Ein anderer Teil ist wegen Menstruationsschmerzen, Stimmungsschwankungen, Wassereinlagerungen und der Vorurteile, die andere ihr gegenüber haben, auch nicht besonders gut auf sie zu sprechen.

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Besonders verhasst ist die Periode aber, wenn es um Sex geht – denn Blut und Geschlechtsverkehr schließen sich für viele immer noch kategorisch aus. Dabei gibt es schon lange Hilfsmittel, die ermöglichen auch während der Menstruation Sex zu haben, ohne dabei mit Blut in Kontakt zu kommen – beispielsweise Periodenschwämmchen oder extra flache Menstruationstassen.

Ironisch und traurig zugleich, dass wahrscheinlich viel mehr Menschen um diese Hilfsmittel wüssten, wenn nicht so ein Tabu um das gesamte Thema Periode(-nsex) bestehen würde. Perioden sind normal und gehören zu deiner Vagina und ihrem (Sex-)Leben dazu. Get over it.

Wieso ist Blut nur eklig, wenn es aus einer Vagina kommt?

>> Der ehrlichste Text, den du diese Woche über Perioden lesen wirst

Juliane: "Manchmal ist Ausfluss echt lustig, wenn ein Typ denkt, er hätte dich so unfassbar geil gemacht, obwohl deine Genitalien gerade einfach nur Reinschiff machen"

Ausfluss – wann hat schon mal eine Person dieses Wort in den Mund genommen? Als Teenager kam mir das sicher nicht über die Lippen. Und selbst jetzt mit 26 Jahren habe ich das Gefühl, kaum darüber reden zu können, ohne mich ein bisschen peinlich berührt zu fühlen. Dabei ist es doch verdammt cool, dass sich Vaginas selbst reinigen und damit immer sauber sind. That’s some future shit.

Trotzdem habe ich als Teenie regelmäßig meine Unterhose ganz schnell ausgezogen und zusammengeknüllt auf den Boden geworfen, damit mein Freund ja nicht sieht, dass sich in der Spitze der ein oder andere Fleck befindet. Doch für mich, alle anderen Frauen* und zukünftige Generationen will ich heute mal klarstellen: Ausfluss zu haben ist ganz normal, nicht peinlich und nicht schlimm. Und manchmal auch echt lustig, wenn ein Typ denkt, er hätte dich so unfassbar geil gemacht, obwohl deine Genitalien gerade einfach nur ReinSchiff machen.

Es wäre gelogen zu sagen, dass es nicht manchmal nervt, wenn man sich gerade erst eine nice Unterhose angezogen hat und dann ein paar Minuten später dieses feuchte Gefühl spürt. Oder wenn eine viel zu enge Jeans ohne Stretchanteil einfach dauerhaft Ausfluss auslöst. Aber so ist das halt, wenn man ein Mensch mit einer Vagina hat. Solange das Ganze nicht unangenehm riecht – das deutet auf einen Pilz oder eine Infektion hin und sollte behandelt werden – kann man irgendwie schon damit leben. Noch schöner wäre das, wenn die ganze Welt endlich wüsste, dass Ausfluss das Normalste der Welt ist.

Deine Vagina braucht Ausfluss – deswegen sollten wir uns nicht dafür schämen

Lisa: "Meiner Schamlippe zur Rechten blieb buchstäblich die Luft weg"

Ich bin mir ziemlich sicher, dass man als Nicht-Vagina-Träger nie im Leben auf die Idee kommen würde, dass die Selbige einschlafen kann. Ich selbst, hätte mir dieses Kribbelerlebnis der besonderen Art nicht erträumen lassen, wäre es mir nicht eines Tages selbst passiert.

Schuld an der Obdormition, so nennt man das Einschlafen von Körperteilen als Profi, war eine Hose. Eventuell eine Nummer zu klein für meine Oberschenkel gewählt. In jedem Fall eine einschneidende Belastung im Sitzen. So eng jedenfalls, dass selbst meine rechte Schamlippe davon Wind bekam. Während eines Meetings, in dem ich besagte Hose trug, und die Beine für längere Zeit übereinandergeschlagen hatte, blieb meiner Schamlippe zur Rechten buchstäblich die Luft weg, der Druck auf den Nerv war zu groß, das große Kribbeln begann.

Für jeden, der weiß, wie befremdlich sich ein eingeschlafener Fuß anfühlt: Lass dir gesagt sein, eine eingeschlafene Schamlippe is a whole different Level.

Ja, auch deine Schamlippen können einschlafen

Luisa: "Es ist für mich absolut befremdlich, meine Schamlippen anzuheben, um ihre Innenseite zu rasieren"

Zwischen Rasieren und wachsen entscheiden zu müssen ist wie zwischen Pest und Kolera entscheiden zu müssen. Wie jeder verunsicherte Teenie griff ich anfangs zum Rasierer, doch davon wollen meine Schamhaare natürlich nichts wissen. Rasiere ich mich abends, sind morgen schon wieder stoppeln da, alles juckt und piekst mich, wenn die Haare in Millimeter-Arbeit sich wieder auf den Kampf an die Oberfläche machten.

Außerdem ist es für mich absolut befremdlich, meine Schamlippen anzuheben, um ihre Innenseite zu rasieren. Außerdem hört es nie auf. Egal, wo du mit deinem Rasierer entlangfährst, es sind immer wieder neue Haare in den Klingen. Ein Ende gibt es nie, nur den Entschluss, aufzuhören. Nach der Rasur formen sich rote Pickel, du musst dich ständig in der Öffentlichkeit jucken und mit einer Pinzette an eingewachsenen Haaren herumstochern, bis sie bluten.

Schlussendlich sind alle Vaginas unterschiedlich – wir müssen nur darüber reden können

Mit 17 ging ich das erste Mal mit meiner besten Freundin zur Kosmetikerin im Wachs-Studio. Ich war traumatisiert davon, mich komplett ausziehen zu sollen, und nickte blind ab, als sie mich fragte, ob sie "auch meine Pofalte machen" sollte – als ich mich dann auf den Bauch legen sollte, bereute ich meine Entscheidung sofort. Es tat höllisch weh, das Einzige, was mich anspornte, waren die versprochenen vier Wochen Haarlosigkeit. Pustekuchen. Nach einer Woche hatten es meine treuen Schamhaare wieder geschafft, mir persönlich einen guten Morgen zu wünschen. Nach einigen Jahren Wachsen wurde der Schmerz erträglicher, doch noch heute kann ich gerne darauf verzichten, nach einem Wiedersehen mit meiner mittlerweile liebgewonnen Kosmetikerin auf meiner Kloschüssel sitzend an festgeklebten Wachsresten zu zupfen. Deswegen habe ich die Schamhaare auf meiner Vulva mittlerweile gelernt, zu begrüßen. Und die Besuche bei meiner Kosmetikerin werden immer seltener.

>> Die Wahrheit über die Klitoris

  • Quelle:
  • Noizz.de