Was für eine Scheiße ist das bitte – mit Attila Hildmann? So lange haben wir Normalo-Veganer*innen um unseren Ruf gekämpft und jetzt das: Hildmann zieht uns mit seinen wirren Verschwörungstheorien wieder in die Schmuddelecke.

"Veganer und Verschwörungstheorien – das passt zusammen", schreibt die "Welt" gewollt provokativ und erreicht damit genau das, was sie will. Dass ich mich darüber aufrege und nun gezwungen bin, Stellung zu beziehen. Ich will doch nur in Ruhe Social Distancing betreiben, genüsslich eine Schale Gras knuspern und schnell mal googlen, ob gepflücktes Obst wirklich vegan ist oder doch Mord. Doch was lese ich da im Internet, wenn ich das Wort vegan in die Suchmaschine meines Vertrauens eingebe? Attila Hildmann hier, Aluhut da.

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Jahrelang mache ich mich stark für Durchschnittsveganer*innen, die gerne mal um 2:00 Uhr morgens Pommes und Falafel in den Mund schaufeln, beim Pizzaessen mit Freund*innen auch mit einer "Vegetaria ohne Käse" happy sind und auch sonst massentaugliche Werte vertreten. Die ganze mühselige Aufklärungsarbeit? In nur wenigen Tagen dahin. Natürlich schon wieder wegen dem Arsch vom Dienst in der Community, Attila Hildmann, dem alten Fahrer von protzigen Autos mit Ledersitzen, dessen Kochbücher du spätestens jetzt bei ReBuy für 3,78 € oder weniger verkaufen werden sollten.

Veganer*innen sind ganz normale, vernünftige Menschen, wirklich

Es mag Kritiker*innen und Unruhestifter*innen wie der "Welt" vielleicht komisch erscheinen, aber ich behaupte jetzt einfach mal: der Mehrheit der Veganer*innen ist sich durchaus bewusst, dass das Coronavirus existiert, Angela Merkel nicht die Mutter von Annett Louisan ist und ein Impfstoff mit bewiesener Wirkung und keinen erheblichen Nebenwirkungen eine gute Idee ist. Aber irgendwie wird man gerade von Menschen, die sich mit dieser Form der Ernährung noch nicht einmal richtig beschäftigt haben, immer öfter in diese negativ konotierte Öko-Hippe-Ecke gedrängt. Als würden wir alle Hand-in-Hand mit Homöpathie-Verfechter*innen in Pluderhosen bei der Hygiene-Demo in Berlin stehen.

Veganer wollen auch nur Burger essen, gesund bleiben und ihre Basis chillen

Bei veganer Ernährung geht es aber eigentlich halt doch nur darum, dass man auch leckeres Essen und ein gesundes Leben haben kann, wenn man sich nicht von hormonell belasteten Milchprodukten oder Schweinesteaks vom Diskounter ernährt und damit viel Tierleid auslöst. Es geht dabei um Umweltschutz, Gesundheit und das Ende von grausamen Lebensbedingungen und Toden für Millionen von Tieren.

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Mit Verschwörungstheorien und Politikverdrossenheit hat das per se nichts zu tun. Das wegen einer Person direkt als logischen Zusammenhang auch nur zu suggerieren ist halt- und respektlos und versucht einen komplexen Diskurs stark zu vereinfachen und sorgt dafür, dass dieser damit verfälscht wird. Und das bringt in diesen Zeiten einfach niemandem etwas – außer ein paar Klicks.

Quelle: Noizz.de