Star-Koch Attila Hildmann will sich von der Presse nicht in die rechte Ecke stellen lassen, wie er selbst sagt. Nun posiert der Veganer offenbar mit Anhängern der Grauen Wölfe. Also einer rechtsextremen Gruppierung. Uns fallen mehr Fragen als Antworten ein.

Attila Hildmann ist längst zu einem der Gesichter der Corona-Pandemie geworden. Allerdings in höchst besorgniserregenden Ausmaßen: Er glaubt an Verschwörungen, daran dass Bill Gates die Welt kontrollieren will und dass die Politik Corona nur instrumentalisiert, beziehungsweise überhaupt erst erfunden hat. Vor Kurzem verkündete er mehrfach, in den Untergrund ziehen zu wollen, im Kampf gegen das Etablissement auch sein Leben geben zu wollen und ähnlich heroische Aussagen, die definitiv eine auf dem Kinder-Keyboard eingespielte Hymne verdient haben.

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Verschwörungstheorien und rechte Gesinnung

Nicht erst seit Corona werden Verschwörungstheorien schnell mit rechten Gesinnungen verknüpft. Kein Wunder: Antisemitismus und Flüchtlingshass sind hier oft auch Teil der allgemeinen Aussagen. Hildmann nannte die Flüchtlingsaufnahme 2015 eine "Selbstverstümmelung deutscher Werte und Kultur" – diese Aussage könnte auch von Xavier Naidoo oder einem der Reichsbürger stammen.

2016 sprang Hildmann noch wie ein junges Reh durch "Let's Dance" – aktuell erinnert er eher an ein aufgescheuchtes Huhn, das wiederum mit grauen Wölfen sympathisiert. So langsam kommen wir nicht mehr hinterher.

Nun will Hildmann aber offenbar nicht in die rechte Ecke gedrängt werden – seiner Meinung nach kämpft er ja auch immer noch für Demokratie und möchte nicht von Bill Gates als Diktator regiert werden. Seine Weisheiten und Weltanschauungen kann er neuerdings allerdings nicht mehr via Instagram raushauen – hier wurde er gelöscht.

Attila Hildmann und die Grauen Wölfe

Allerdings sendet er weiterhin fröhlich in seiner Telegram-Gruppe. Diese hat mittlerweile beeindruckende 42.800 Mitglieder. Dort postete er auch ein Bild von sich innerhalb einer Gruppe junger Männer. Darunter schrieb er: "Diese Presse Wichser sollen mich nur noch einmal in die rechte Ecke stellen...!" Er dekorierte seinen Post mit drei Emojis: ein Wolfskopf, die türkische Flagge und zwei Säbel. Es ist anzunehmen, dass sich bei einigen Männern aus der Gruppe neben Hildmann um Vertreter der ultranationalistischen Bewegung "Graue Wölfe" handelt. Vor allem die genutzen Emojis weisen darauf hin – die Identifikation der Personen auf dem Bild lässt sich nicht eindeutig durchführen.

Politikwissenschaftler Ismail Küpeli ordnet das Bild auf Twitter ebenfalls derart ein: "Es ist an Absurdität kaum noch zu übertreffen, wenn #AttilaHildmann sich gegen die Vorwürfe, dass es ein Rechter ist, dadurch "wehren" will, indem er sich als Anhänger der rechtsextremen/faschistoiden "Grauen Wölfe" zu erkennen gibt."

Hat Attila Hildmann keine Ahnung oder ist das Satire?

Gut – dass Hildmann sich seine ganz eigenen Wahrheiten macht (wie eigentlich alle Verschwörungstheoretiker), das wissen wir ja nun bereits. Dass er rechts und links unterscheiden kann, hätten wir ihm jetzt allerdings schon noch zugetraut. Oder wollte Hildmann einfach nur witzig sein? Mal bisschen Humor unter seine bierernste Aluhut-Anhängerschaft streuen?

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Oder aber Hildmann wollte seine wachen Schafe testen und warten, bis irgendwer merkt, dass Hildmann, der Demokratie-Kämpfer, sich gerade zu denjenigen stellt, die an die Überlegenheit der türkischen Rasse glauben, Sexismus und unerbittlichen Kampf propagieren. Nicht ohne Grund hatte der nordrhein-westfälische Verfassungsschutz bereits 2004 auf problematische Ideologie-Verbreitung der Grauen Wölfe hingewiesen.

Attila Hildmann und die Grauen Wölfe – oder ist das nur Satire?

Der Rassismus der Grauen Wölfe richtet sich vor allem gegen Armenier, Kurden und Juden, wie man bei der Bundeszentrale für Politische Bildung nachlesen kann. In Attilas Telegram-Gruppe sprechen ihm allerdings auch Letztere ihre Unterstützung aus – zumindest wenn man den Posts von Privatpersonen in der Telegram-Gruppe glauben darf:

User sprechen Attila Hildmann ihre Unterstützung aus.

Ist also nicht so eindeutig, was Attila und seine Armee nun möchte: Rassismus? Turkismus? Veganen Burgerismus? Terrorismus? Anarchie? Vielleicht sind wir Schlafschafe auch einfach zu sehr gefangen in zu starren Kategorien. Vielleicht bildet sich im gemeinsamen Hass gegen Bill Gates und Pizzakeller ja eine neue Einheit, in der alle gemeinsam die Mainstream-Politik und -Presse doof finden.

Kann man das dann schon als positiven Nebeneffekt dieses ganzen Verschwörungszirkus bezeichnen? Wir sind uns unsicher und hoffen einfach, dass keine extremeren Taten durch Hildmann und seine Aktionen folgen. Sein eigenes Unternehmen nämlich scheint er aktuell mit vollem Einsatz zu demontieren. Hildmanns Produkte werden aus den Sortimenten von Supermarkt-Ketten und Biomärkten gestrichen.

Quelle: Noizz.de