Apple Music ist natürlich vieeel besser als alle anderen da draußen!

Apple-CEO Tim Cook kann mich mal. Was ist das für ein Mensch, zu dessen Firma ein Musik-Streaming Dienst gehört, aber der sich trotzdem vorbehält, alle anderen Musik-Streaming Dienste anhand der Grundlage ihres Geschäftsmodells zu dissen.

In einem Interview behauptet der CEO nämlich, er sorge sich, dass Algorithmen zur Erstellung von Playlists die „Menschlichkeit aus der Musik saugen“. Er macht hier eine Referenz zum Konkurrenz-Giganten Spotify, der solche Algorithmen benutzt für die Kuration Nutzer-spezifischer Playlists.

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Zur Klarstellung: Namentlich hat Cook den Streaming Dienst Spotify nicht genannt. Da Spotify aber sein größter Konkurrent auf dem Musik-Streaming-Markt ist, und Spotify bekannt für seine Algorithmen-Nutzung, will ich nicht so tun, als wüssten wir nicht alle, wen Cook anspricht, wenn er sagt, dass Algorithmen Musik nur noch auf eine berechenbare Formel reduzieren.

Apple Music hingegen zu Spotify hat tatsächlich eine Musik-Redaktion, die aus Menschen anstelle von Rechnern besteht. Das stimmt. Aber so zu tun als wäre Apple Music noch das letzte jungfräuliche Heiligtum der Musikindustrie geht eindeutig zu weit.

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Apple Music spekuliert wie jeder andere Streaming-Dienst auch auf die Ökonomie der Nutzer, die für möglichst wenig Geld möglichst viel Musik hören wollen. Unter diesem Geschäftsmodell leiden Musiker zunehmend. Tim Cooks Vorwand, man würde ohne die Nutzung von Algorithmen der Musik viel mehr Respekt zuschreiben, ist nichts mehr als ein moralisches Feigenblatt.

Cook versucht sich abzuheben, sich zwanghaft selber zu überlegen, wieso eigentlich sein eigener Musik-Streaming-Dienst besser sein soll als alle anderen. Wahrscheinlich hat er darauf selber keine gescheite Antwort gefunden und muss deswegen seine Kunden an den letzten emotionalen Fäden aus dem Konkurrenz-Sumpf ziehen. Da kann das schon mal passieren, dass Apple Music am Ende wie der heilige Papst Franziskus im Vatikan dasteht und Spotify wie eine 75-Dollar Hochzeit in der Little Vegas Chapel am asphaltiertem Straßenrand von Nevada.

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Cooler wäre eine offene Kritik an dem Gesamtkonzept aller Streaming-Dienste gewesen – auch gegen seinen eigenen. Damit hätte er wahre Differenzierfähigkeit bewiesen, die nicht bedingt wird durch wettbewerbsgetriebene Gewissens-Propaganda. Und er wäre im Endeffekt vielleicht sogar als Ehrlicher Botschafter von Statten gegangen. Jetzt wirkt er nur wie der heuchlerische Läster-Onkel aus dem wohlhabenden Hause Apple.

Quelle: Noizz.de