Ich bin eher so #TeamSatan.

Als Kleinkind hat es für mich immer dazugehört, an Weihnachten in die Kirche zu gehen. In Bayern ist man ja in weiten Teil noch immer religiös. Und so bin ich mit meiner Familie vor der Bescherung in die kleine Kirche im Dorf spazierst. Nur um während des Gottesdienstes bei jedem Kirchenlied in der Broschüre nachzuzählen, wie viele Lieder noch gesungen werden müssen, bis ich endlich nach Hause und meine Geschenke auspacken darf.

Die Kirche hatte für mich immer etwas mit Zwang zu tun. Ich musste während der Kommunion ständig ins Gotteshaus, wurde zum Ablegen der Beichte gedrängt (ohne gab's keine Kommunion) und wollte mich auch an Weihnachten nie zwischen den Rest der Menschen aus den umliegende Dörfer drängen, um mir Geschichten anzuhören, die so spannend und relevant sind wie der Plot der neusten Folge "Lindenstraße".

Als Teenager mussten ich dann zum Glück nicht mehr in die Kirche gehen. Denn meine Eltern hatten keinen Bock mehr, jede Weihnacht vom Pfarrer in seiner Predigt dafür geshamt zu werden, dass sie nur am 24. Dezember in die Kirche gehen. Und das lächerliche Krippenspiel der immer gleichen Erwachsenen aus dem Dorf hat das Ganze auch nicht besser gemacht. Doch trotzdem musste ich meine pubertierende Energie kurz zusammenhalten, wenn mein Bruder am Heiligabend eine Stelle aus dem neuen Testament vorlas, die Geschichte der Geburt Jesu, natürlich.

Mit 19 oder 20 konnte ich nicht mal das mehr ertragen und hab auch dieses religiöse Ritual in meiner Familie abgeschafft. Denn über die Jahre habe ich mich von allem, was mich nur annähernd an die Kirche erinnert, entfernt. Als ich für das Gospel-Konzert einer Arbeitskollegin vor einigen Jahren das erste und einzige Mal in eine Kirche in Berlin musste, habe ich mich so unwohl gefühlt, dass ich gar nicht klargekommen bin. Der Pfarrer, der durch den Abend führte, hat immer wieder Stellen aus der Bibel zitiert und mit jedem Wort ist das ungutes Gefühl immer mehr in mir hochgestiegen.

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Wenn ich an die Kirche denke, dann denke ich auch heute noch daran, dass ich nie Freude daran hatte. Ich denke an all die Skandale, die ständig in der katholischen Kirche aufgedeckt werden. Ich denke daran, dass diese Religion gegen Abtreibungen oder die gleichgeschlechtliche Ehe ist und das Leben von Menschen zerstören kann.

Man sagt ja immer, dass Menschen in schlechten Zeit Halt in Glaubensgemeinschaften finden. Das finde ich auch vollkommen okay. Doch mir gut es gut, zum Glück, und ich möchte auch am Heiligabend einfach nichts mit der Kirche zu tun haben. Denn um Nächstenliebe und Dankbarkeit zu würdigen und zu leben, brauche ich keinen Pfarrer und keine Psalme.

Die Gegenposition von einem NOIZZ-Kollegen Till kannst du übrigens hier lesen: 7 Gründe, warum du an Weihnachten in die Kirche gehen solltest

Quelle: Noizz.de