Unzählige Unternehmen müssen wegen Corona Insolvenz anmelden. Amazon jedoch meldet Rekordverkäufe. Jetzt muss der Chef des Onlineunternehmens, Jeff Bezos, seine Marktmacht sogar vor dem US-Kongress verteidigen.

Die Corona-Pandemie hat Geschäfte auf der ganzen Welt zum Schließen gezwungen – doch wo es Verlierer gibt, gibt es natürlich auch (einen) Gewinner: Amazon. Seit Anfang der Krise hat Amazon zweistellige Milliardenbeträge an Profit gemacht. Unvorstellbar, wenn man bedenkt, dass Politiker*innen auf der ganzen Welt um eine bevorstehende Wirtschaftskrise bangen. Bei Amazon verdoppelten sich die Anzahl der Einkäufe allerdings. Und das zum Unmut (fast) aller.

Amazon-Verkäufer*innen leiden

Selbst Verkäufer*innen auf Amazon sind unzufrieden mit der Macht des Online-Riesens. Das US-Magazin "Time" berichtet beispielsweise von Charlene Anderson. Sie ist seit 20 Jahren Verkäuferin auf Amazon. Von Charlene werden 30 Prozent aller Einnahmen und eine monatliche Verkaufsgebühr von 40 Dollar verlangt, dafür, dass sie auf Amazon ihre Bastelartikel anbietet. Zudem weigerte sich das Unternehmen, während der Pandemie manche ihrer Artikel zu verkaufen, ohne ersichtliches System. Oft passiert es auch, dass Amazon die falschen Artikel liefert. Das negative Feedback bekommt dann nicht das Unternehmen selbst ab – sondern Charlene. Und wenn Charlene sich wehren wollen sollte und Amazon den Rücken zukehrt, dann ist ihr ganzes Business kaputt, und Amazon findet einfach den oder die nächsten Verkäufer*in.

Die Pandemie hat die Marktmacht Amazons nur verstärkt. Viele finden, Amazon hätte sich längst ein Markt-Monopol aufgebaut. Dagegen muss sich nun Amazon-Chef Jeff Bezos vor dem US-Kongress verteidigen. Der profitiert von Amazons Erfolgen natürlich am allermeisten. Es wird vermutet, dass er bis 2026 der erste Billionär der Welt werden wird.

Amazon-Chef Jeff Bezos ist der reichste Mann der Welt.

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Hunderttausende Einzelhändler*innen müssen wegen Corona schließen

Die Geschichte von Einzelhändler*innen, die nach einer Wirtschaftskrise an Käufern gewinnen, ist lang. In den Zwanzigerjahren war es Proctor and Gamble, Anfang des 21. Jahrhunderts Target. Die Vermögensverwaltungsbank "UBS" geht davon aus, dass es bei Amazon nicht anders sein wird. Diese Entwicklung kann aber auch zur Schließung von bis zu 100.000 Offline-Einzelhandelsunternehmen führen – die dann womöglich auf Amazon angewiesen sind, um Profit zu machen. Und die können ihre Verkaufsbedingungen wiederum selber bestimmen.

Charlene und ihr Business sind davon nur ein Beispiel. Noch viel härter geht es zum Beispiel beim Verkaufen von Anzeigen auf Amazon zu. Anzeigen kosten jetzt dreimal mehr als noch vor zwei Jahren.

In der USA kann man bald ganz bequem per Smartphone bei Amazon seinen Einkauf bestellen

Für Konsumenten ist dieser ganze Rattenschwanz, der an ihren einfachen Amazon-Bestellungen hängt, kaum ersichtlich. Doch tatsächlich füttert jede Bestellung, die du auf Amazon machst, die wachsende Wirtschaftsmacht des Online-Verkäufers. Echte Läden in deiner Umgebung müssen schließen, weil das Einkaufen von der Couch aus gemütlicher ist. Die Kaufkraft wächst zwar weiterhin, doch geht zum größten Teil nur noch an eine Firma, dessen Chef immer reicher wird – während andere Insolvenz anmelden. Und die Corona-Pandemie beschleunigt diesen Prozess nur.

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Quelle: Noizz.de