Ein Bekenntnis.

Ich bin mittlerweile ziemlich gut im Zigarettendrehen. Deswegen fällt es auf Partys eigentlich gar nicht auf, wenn ich draußen in der Ecke stehe und mir freudig einen Filter nach den anderen in den Mundwinkel schiebe, während ich mit Papier und Tabak rumjongliere. Ich wäre ein ganz normaler Teil jeder Rauchergruppe. Wäre da nicht dieser eine Satz, den ich davor immer loswerden muss:

„Hey, kann ich mir eine drehen?“

Mein Leben lang schwebte ich in dem Glauben, das wäre völlig in Ordnung, so ab und zu mal nach Dreh-Zeug zu fragen. Oder eine Kippe zu schnorren. Denn ich, weiblich, 20, bin Party-Raucherin.

Bisher bereitete mir dieses Dasein keine großartigen sozialen Probleme. Ganz im Gegenteil, ich hatte einen validen Grund, bei diversen Partys auch mal aus dem lauten, stickigen Innenraum in die klare Abendluft herauszugehen und Gespräche zu führen, die nicht zur Hälfte aus „Was hast du gesagt?“ bestehen. Diese Momente machten Partys für mich genießbar, und schließlich habe ich immer mein eigenes Feuer dabei – das ist doch schon mal was, oder etwa nicht?

Doch letztens erfuhr ich durch Zufall, dass es ganz und gar nicht in Ordnung ist, immer nach einer Zigarette zu fragen. „Party-Raucher“ sind angeblich der missbilligte Gegenstand jeder abendlichen Veranstaltung. Scheiße ist das, so richtig scheiße – so überhörte ich es in einem Gespräch mit meinen Freunden, den Rauchern. Denn meine Freunde, die Raucher, HASSEN Party-Raucher wie mich! Und mit dieser Realisation brach mein ganzes Weltbild in sich zusammen.

„Party-Raucher sind noch viel schlimmer als die Dampfer“

Das war der erste Diss, den ich während diesem vernichtenden Gesprächs erhielt. Der hat mich auch wirklich hart getroffen. Denn Dampfer (die Leute, die immer an ihren Vaporizern hängen und jungfräulich weißen Rauch in die Atmosphäre schicken) sind nun wirklich die Blondierten unter den Blonden. Nichts Halbes, nichts Ganzes, irgendwie süchtig, aber mit dem Vorzeigeschild, welches besagt, man sei doch eigentlich, fast, aber dann doch nicht so wirklich, aber schon so ein bisschen gesund. Das stimmt leider nicht.

Bescheuert sieht das auch noch aus, und süchtig bist du trotzdem. James Dean hätte bestimmt nie eine E-Zigarette angefasst, und von seinem Stil sollte man sich immer eine Lookbook-Seite herausreißen.

Dass ich als Party-Raucherin noch viel schlimmer sein sollte als diese Dampfer, wollte ich gar nicht glauben. Doch hier hörten die Beleidigungen gegen Party-Raucher nicht auf.

„Dann kauf dir doch deine eigenen Kippen!“

Ich verstehe den Ärger hinter dieser Aussage. Einseitige Schnorrer sind schließlich nie geladene Gäste, und wenn ich 15 Euro für einen Kasten Bier übrig habe, dann habe ich auch fünf Euro für eine Packung Kippen übrig. Doch im Endeffekt werde ich an einem Abend nie 20 Zigaretten wegqualmen. Und dann wird die Schachtel mit 17 Kippen bei mir zuhause rumliegen, bis ich vergesse, dass sie existiert.

Oder noch viel schlimmer: Ich erinnere mich an ihre Existenz und krame in einem verzweifelten Moment die Schachtel hervor und rauche eine Zigarette abseits einer Party oder eines Treffens. Und dann wäre alles verloren. Mein Party-Raucher-Dasein, mein Vorsatz, nie alleine zu rauchen, meine Ehre, mich von nichts und niemandem abhängig zu machen: Das alles wär dahin.

Deswegen kaufe ich mir lieber gar keine Zigaretten – zum Leidwesen meiner Freunde, den Rauchern. An dieser Stelle eine fette Entschuldigung und der Vorsatz, meinen treusten Zigaretten-Spenderinnen und Spendern demnächst einen Drink auszugeben.

„Diese Party-Raucher denken auch, dass sie gesünder leben als wir!“

Ich verspreche euch, meinen lieben Freunden, den Rauchern: Ich würde nie auf eure gesundheitlichen Entscheidungen hinabschauen. Im Gegenteil, ich genieße es, wenigstens ein paar Mal im Monat mit euch einen Kreis der Verbundenheit herzustellen und gemeinsam zu genießen, dass wir unausweichlich ungesund sind.

Auch außerhalb meines Party-Rauchertumms lebe ich nicht gesünder als ein gewöhnlicher Raucher. Schon durch das gelegentliche Qualmen sind die Schäden getan, dessen bin ich mir bewusst. Mein Cholesterinspiegel und Bluthochdruck sind im Arsch, und dennoch plagt mich eine Beschwerde nicht so sehr wie meine Raucher-Freunde: das Gewissen. Denn wenn ich die Party verlasse, so verlässt mich auch das Rauchen. Ich lasse jegliche Anzeichen einer sich anbahnenden Sucht dort, wo Wodka auf den Boden kleckert und Bässe Trommelfelle foltern.

Ich bin eine Party-Raucherin. Das ist mein Bekenntnis.

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Quelle: Noizz.de