Joe Biden benennt Kamala Harris als Vizekandidatin. Sie wäre nicht nur die erste Frau und die erste Person of Colour, die ein solches Amt innehat, sondern steht genau für das, wofür Donald Trump nicht steht. Die heiße Phase des amerikanischen Wahlkampfs hat begonnen.

Im November wird in den USA abgestimmt und der neue Präsident gewählt. Die Staaten entscheiden mit der Wahl, wie die nächsten vier Jahre der USA aussehen könnten. Es geht unter anderem darum, ob man sich auf die Seite eines Coronavirus-Verhamlosers stellt, der mit seiner Gesundheitspolitik für die höchsten Infektionszahlen weltweit gesorgt hat, oder diesen abwählt. Es geht auch darum, wo die USA in der #BlackLivesMatter-Debatte stehen und ob die landesweite Spaltung weiter aufgeheizt wird – oder es endlich jemand mit Einigkeit versucht.

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Bisher wirkte Joe Biden, der Präsidentschaftskandidat der Demokraten, bei all diesen Diskussionen blass bis unsichtbar. So richtig von sich Reden machte er nicht. Es gab bereits Sorge, dass er in den politischen TV-Debatten neben einem Stumpfsinnigkeiten krakeelenden Trump komplett untergehen würde.

Ein kluger Schachzug Bidens also, sich nun Kamala Harris an seine Seite zu stellen. Sie repräsentiert eine Wählerschaft und einen Teil der Bevölkerung, der sich in den letzten vier Amtsjahren Trumps ganz gut vernachlässigt gefühlt haben dürfte: Jüngere Menschen und natürlich ungefähr alle, die nicht straight, weiß und reich sind. Darüber hinaus ist sie als Senatorin Kaliforniens politisch kein unbeschriebenes Blatt und hat sich schon häufiger Wortgewand für ihre Vorhaben eingesetzt.

Sie steht aber nicht nur für eine ganz bestimmte Bevölkerungsschicht Amerikas, sondern ist in allem, was sie kann, ist und anstrebt, der absolute Anti-Trump. Wir unterfüttern das hier mal mit fünf prägnanten Beweisen.

Trump hat Geld, Harris Bildung

Donald Trump ist Sohn des Immobilien-Moguls Fred Trump. Seine Familie ist insgesamt dominiert von Geld und weißer Männlichkeit. Entsprechend regiert Trump auch Amerika und walzt durch die Corona-Pandemie: Es geht immer darum, wirtschaftliche Interessen zu stützen – ganz egal, wie sich das auf die ärmere, vielleicht nicht ganz so weiße Bevölkerung auswirkt.

Kamala Harris hat einen komplett anderen Hintergrund: Ihr Vater ist ein aus Jamaika stammender Wirtschaftsprofessor, die Mutter eine aus Indien stammende Krebsforscherin. Eines ist sicher: Wenn Harris mit Wissenschaftler*innen über Corona spricht, dürfte sie diese ernst nehmen und nicht hinterfragen, inwiefern Zahlen und Fakten Quatsch sind, weil sie nicht zu den wirtschaftlichen Interessen passen.

Als Harris zur Schule ging, wurde noch über Rassentrennung diskutiert. Die junge Frau brachte es aber trotz aller Widerstände zu einer beachtlichen Karriere: Sie ist Juristin, Politikerin und seit 2017 kalifornische Senatorin.

Bei Trumps regelmäßiger Kundgebung im Weißen Haus sieht man am 11. August auf dem Screen ein Bild von Kamala Harris.

Politik? Was ist das?

Wo wir direkt beim nächsten Punkt sind: Trump hat keine Ahnung von Politik. Wie auch? Er ist Immobilienhai, kein Politiker. Immer wieder blamiert er sich damit, wie wenig er über außen- oder innenpolitische Tatsachen weiß. Als er zur Präsidentschaftskandidatur antrat, machte er daraus keinen Hehl: Er verkündete schon 2016, dass er die USA leiten wolle, wie einen Konzern.

Hat medium gut geklappt: Die Wirtschaft ist – auch dank Corona – auf einer Talfahrt, die Zahl der Arbeitslosen in Amerika steigt, die USA ist eines der am stärksten betroffenen Länder in puncto Pandemie und nicht nur die #BlackLivesMatter-Debatte spaltet das Land.

Harris hat sich auf politischem Parkett längst behauptet. Sie ist seit 2003 politisch tätig. Sie ging neben Joe Biden ins Rennen um die Präsidentschaftskandidatur und galt kurz sogar als Favoritin. Durch fehlende Stimmen und Spendengelder musste sie jedoch klein beigeben. Seither gilt sie als Top-Vizekandidatin. Zurecht.

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Harris kann politische Diskussionen –auch ohne Beleidigungen

Ganz Amerika reagierte auf die Ernennung Harris'. Natürlich ließ es sich Trump auch nicht nehmen, die Wahl Bidens zu kommentieren. Via Twitter nannte er die 55-Jährige eine "nasty woman" – also eine gemeine Frau. Das ist eine von Trumps Lieblingsbezeichnungen für weibliche Personen, die ihm nicht in den Kram passen. Etwa kritische Journalistinnen oder Hillary Clinton. Kamala Harris, eine eloquente kluge Frau, fällt für Trump natürlich in eben dieses Raster der "nasty woman".

Donald Trump behauptete mal, "alle Wörter zu kennen", weil er eine so gebildete Person sei. In seinen Reden und Diskussionen macht er davon jedoch selten Gebrauch. Seine letzte Glanzleistung: Eine Diskussion mit dem US-Journalisten Jonathan Swan über die Corona-Zahlen in Amerika. Trump behauptet, dass die Corona-Fälle in Amerika niedriger seien als auf der ganzen Welt. Als Swan ihn korrigiert, kontert Trump mit einem hilflosen "Das können sie nicht machen." Und ignoriert jedes Argument gegen seine Behauptungen.

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Anders Harris: Sie tritt als Senatorin häufig in den Diskussionsring. Hierzulande dürfte besonders die Vernehmung Brett Kavanaughs 2018 in Erinnerung geblieben sein. Harris grillte den jetzigen Richter am Obersten Gerichtshofs ordentlich. Aber auch sonst ist Harris eine wortgewandte und toughe Rednerin. Kann und konnte man von Trump noch nie behaupten.

Trump ist gegen alle, Harris möchte Gemeinsamkeit

Als Kamala Harris im Januar 2019 in der US-Show "Good Morning America" eröffnete, dass sie als Präsidentschaftskandidatin ins Rennen gehen würde, sprach sie davon, dass eine ihrer höchsten Prioritäten die nationale Sicherheit ist. "America First", oder was? Ganz und gar nicht: Harris möchte die Amerikaner*innen und ihre Sicherheit schützen, indem sie die Diplomatie stärkt und gezielt mit Verbündeten arbeitet.

Ohne Trump direkt zu nennen, sagt sie, dass die USA bis vor Kurzem noch eine moralisch wichtige Instanz auf der Welt waren. Sie sind es nicht mehr: Untersuchungen des Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung besagen, dass die Übereinstimmung zwischen den USA und deren Verbündeten unter Trump um 7 Prozent gesunken ist.

Der Austritt aus der WHO und die ständige Kritik an der UNO tun da ihr Übriges. Trump fackelt mit seiner "America First"-Strategie alle Brücken ab ... und baut Mauern zu Mexiko. Ihm geht es eher um Isolation und tiefe Gräben – nicht nur in den Staaten, sondern auch drum herum – als um Einigkeit.

Joe Biden spricht im Rahmen seines Wahlkampfs in Delaware über systematischen Rassismus und Gerechtigkeit. Dürften auch Harris' Anliegen sein.

Klimawandel: Trump leugnet, Harris handelt

Harris ist bereits seit Jahren als Unterstützerin des "New Green Deal" in Erscheinung getreten. Der Deal verfolgt mit unterschiedlichen Konzepten eine Kehrtwende der Industrie, um so weiterhin erfolgreich zu bleiben, dabei aber die Umwelt zu schonen.

Trump hingegen behandelt den Klimawandel wie alles, was mit Fakten belegbar ist, ihm aber nicht in den Kram passt: Er ignoriert oder leugnet das Problem. Sein Motto ist: "Was nicht sein darf, gibt es auch nicht." Man hat bei der Corona-Pandemie schon gesehen, wie gut das funktioniert.

US-Wahlen: Trump gegen Harris?

In der US-Wahl selbst werden natürlich Donald Trump und Joe Biden gegeneinander antreten – nicht Kamala Harris. Allerdings dürfte Biden sich mit Harris eine starke Gegnerin Trumps ins Boot geholt haben.

Spekulationen wurden nach der Ernennung der Politikerin auch laut: Joe Biden ist mit seinen 77 Jahren ein besonders alter Präsidentschaftskandidat. Sollte er gewählt werden, im Laufe seiner Kandidatur aber nicht in der Lage sein, sein Amt zu bekleiden, tritt direkt Harris auf den Plan. Eine PoC und eine Frau – eine Person also, die im heutigen Amerika vermutlich niemals direkt gewählt werden würde. Obwohl es längst an der Zeit ist, dass sich in dem einst so großen und freiheitsliebenden Land etwas tut.

Quelle: Noizz.de