Von "Ein echter Indianer erkennt einen Scherz" bis "Abgefüllt & Mitgenommen".

Die Werbung der Smoothiemarke True Fruits hat schon lange nichts mehr mit witzigen Wortspielen zu tun. Wie Umweltaktivistin und Influencerin Daria Daria in einem Post auf Instagram kürzlich schrieb: "Etwas zu verharmlosen und es damit salonfähig zu machen ist nicht witzig, sondern verdammt gefährlich."

Dank Community-Gegenwind angestiftet von Madeleine Alizadeh, wie Daria Daria bürgerlich heißt, und "Feuchtgebiete"-Autorin Charlotte Roche gibt es bereits Supermärkte wie Migros in der Schweiz, die die kontroversen Smoothies von True Fruits aus dem Regal nehmen wollen.

>> Charlotte Roche gegen True Fruits: So boykottiert ihre Community die kontroversen Smoothies

True Fruits' Kommentar zu der Kritik: "Wir haben die Kommentare wahrgenommen, sie als völlig hirnrissigen Pseudo Moralapostel Bullshit eingestuft und nach langem Lachen entschieden, dass auch nur der Hauch einer ernsthaften Antwort die völlige Verschwendung wertvoller Lebensenergie wäre."

Die Reaktion von True Fruits ist genauso geschmacklos wie die True-Fruits-Werbungen selbst. Um zu verdeutlichen, dass das Gefühl für diskriminierende Werbung kein "Pseudo Moralapostel Bullshit" ist – und für alle, die noch immer nicht wissen, warum man die Smoothies boykottieren sollte – haben wir die True-Fruits-Werbungen hier einmal nach Geschmacklosigkeit sortiert.

10. "Fett bist du geworden"

Fatshaming degradiert Menschen auf ihr Äußeres und ist ein Auslöser für Essstörungen, mit denen Betroffene jahrelang kämpfen. Den Spruch "Fett bist du geworden" als Werbung für einen Smoothie zu benutzen verharmlost die Beleidigung und verbreitet einen verletzenden Jargon in der Gesellschaft – ein Jargon, der unter anderem dazu geführt hat, dass alleine in Deutschland jede dritte 16-jährige eine Essstörung hat.

9. "Blindverkostung"

Auf der Flasche steht: "Hast du schonmal einer hässlichen Freundin, die aber totaaal lieb ist, ein Date besorgt? So fühlen wir uns gerade mit dem white, unserem wohl leckersten Smoothie, der aufgrund seiner blassen und unfruchtigen Optik leider viel zu selten in den Genuss eines knisternden Rendezvous mit dir kommt. Was blieb uns also anderes übrig, als das Licht auszuknipsen, damit du dich einzig und alleine auf seine inneren Werte konzentrieren kannst."

Lieb gemeint ist das nicht. Es schürt eher die Erwartung, dass du als Frau hübsch sein musst, um von anderen akzeptiert zu werden. Dieser sogenannte Lookism zeichnet ein Bild einer Gesellschaft, indem als "schön" angesehene Menschen Liebe finden – und die als gesellschaftlich "hässlich" eingestuften Menschen sich lieber verstecken sollten.

8. "Ein echter Indianer erkennt einen Scherz"

Das Wort "Indianer" ist problematisch, da damit ursprünglich mehrere Ur-Bevölkerungen aus Amerika fälschlicherweise zusammengefasst worden sind. Der Begriff entstand, weil Kolumbus bei seiner Entdeckung Amerikas davon ausging, er wäre in Indien angekommen. Seitdem etablierte sich der Begriff und meinte ganze 562 verschiedene indigene Völker (in Nordamerika alleine).

Der Begriff existiert also nur wegen einer rassistischen Dummheit aus dem 15. Jahrhundert, und wird nun von True Fruits benutzt, um einen Smoothie zu bewerben – mit Federn und Freundschaftsarmband, um nochmal richtig in die Kerbe zu hauen. Mehr Cultural Appropriation geht eigentlich gar nicht.

7. "Wir möchten die absurde Forderung nach totaler Genderisierung entschieden zurückweisen"

Gendersprache ist ein umstrittenes Thema. Sprache formt Denken – das war schon das Ergebnis zahlreicher empirischer Forschungen, aus denen die berühmte Sapir-Whorf-Hypothese stammt, die genau diese Aussage wissenschaftlich hinterlegt. Sprache, die auf eine maskulin-geprägte Gesellschaft ausgelegt ist, kann durch aktive Bemühungen umgestaltet werden, um alle Geschlechter zu inkludieren. True Fruits zieht auf dieser Smoothie-Flasche das ernste Thema in eine unnötig alberne Überspitzung, indem sie auf ihre Flasche schreiben: "Wir möchten die absurde Forderung nach totaler Genderisierung entschieden zurückweisen und werden unsere schwarze Johannisbeere nicht in die weiße Johannabeere, die Himbeere nicht in die Herbeere und die Mango nicht die Fraugo umbenennen".

6. "Wir haben krumme Dinger gedreht"

Diese Werbung benutzt die Sexualisierung von Frauen, um einen billigen Witz über die Form einer Banane zu machen. Was wie Kindergartenkram wirkt, ist eigentlich das Ergebnis einer Gesellschaft, die Frauen Jahrhunderte lang systematisch auf ihre Fickbarkeit reduziert hat. Sorry True Fruits, not buying into that joke.

5. "Unser Quotenschwarzer"

Alltagsrassismus ist kein Witz, mit dem man püriertes Obst verkauft. An Minderheiten gerichtete Beleidigungen zu verharmlosen, ohne einen aufklärenden Kontext zu geben desensibilisiert die Gesellschaft für diskriminierende Begriffe wie "Quotenschwarzer".

4. "Besser oben ohne"

Siehe Platz 6: Frauen werden reduziert auf ein äußeres Erscheinungsbild und ihr Potenzial, als Sexualpartner für den Mann zu fungieren. "Eine Frau gewinnt an Wert, wenn sie ihre Brüste zeigt" – diese Aussage impliziert True Fruits mit dieser Werbung und streut damit Salz in die Wunde einer von Rape-Culture gezeichneten Gesellschaft.

3. "Noch mehr Flaschen aus dem Ausland"

Eine in der Öffentlichkeit stehende Firma muss in einer nach Rechts rückenden Gesellschaft nicht weiterhin eine Sprache Salon-tauglich machen, die genau diese Gesellschaft spaltet. Einen Menschen mit einem Objekt zu vergleichen ist nicht witzig, sondern absolut abscheulich. Wer kann über sowas eigentlich lachen?

2. "Ich nehme sie am liebsten von hinten"

"… man weiß ja nie, wer sie schon vor mir hatte".

Das steht geschrieben auf einem Smoothie von True Fruits. Meint indirekt, dass eine Frau verunreinigt wird, wenn sie mit jemandem schläft. Es macht die Frau zu einem passiven Lustobjekt, dass nach der Verlust der Jungfräulichkeit gleich weniger wert ist. Wow.

1. "Abgefüllt und mitgenommen"

"This is how i like my hoes" – so kommentierte True-Fruits-Founder und Marketing-Chef Nicolas Lecloux die Werbung, die mit den Worten "Abgefüllt und mitgenommen" betitelt ist. Sie war es, die Mitte August 2019 erneut die Diskussion um den Smoothie und seine billigen Werbesprüche aufflammen ließ. Es ist kein Witz, Rape-Culture zu bewerben. Frauen und Männer die eine Vergewaltigung erlebt haben, sind oft ein Leben lang traumatisiert. Verdienter Platz Eins dieses traurigen Rankings.

Mit Erniedrigung, Degradierung, Beleidigungen und Rassismus bewirbt True Fruits für seine Produkte. Und mittlerweile ist zum Glück klar: Nur weil ein Produkt aufgrund seiner Werbung in aller Munde ist, heißt das nicht, dass sich das positiv auf den Verkauf des Produkt auswirkt. Denn der Boykott gegen True Fruits zeigt erste Früchte und erweckt in immer mehr Beobachtern der Diskussion um die True-Fruits-Werbung ein Bedürfnis, den Smoothie-Hersteller nicht weiter zu unterstützen.

Und wir haben hoffentlich gerade weitere 10 Gründe geliefert, warum ihr euch diesen Leuten anschließen solltet. 

Quelle: Noizz.de