Wir waren bei einem ukrainischen Wunderheiler

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Er verspricht bei seinen "Heilungsgottestdiensten" die Hilfe Gottes ...

Wer Krebs hat, wird geheilt, wer Probleme mit dem Knie hat, ist wieder gesund und so weiter und sofort.

Am Sonntag wollte der selbsternannte Apostel Vladimir Muntjan solche Wunder in Berlin vollbringen – NOIZZ war für euch dabei!

Zehn Jahre und acht Stunden am Tag betete der selbsternannte Wunderheiler bevor er 2006 die göttliche Eingebung bekam: Der Herr selbst hat sich herabgelassen, ihn in seinem Zimmer zu besuchen und ihm die allheiligste Botschaft zu überbringen: "Der Heilige Geist war in meinem Zimmer und hat mich berührt. Dann bin ich in den Gottestdienst und zwanzig Menschen sagten mir danach, dass sie von ihren Krankheiten geheilt wurden", sagt der Apostel.

In der Pressekonferenz vor dem "Heilungsgottesdienst" am Sonntag erzählte Muntjan, wie denn die göttliche Arbeit in seiner Heimat, der Ukraine, aussieht: "Ich besuche Behindertenheime und Altenheime. Wir, also die die Gemeinde, bezahlen sogar für Medikamente und Operationen von Senioren." Auf die Frage, mit welchem Geld denn diese Operationen bezahlt werden, antwortet er nur, dass er sich nicht mit Finanzen beschäftige, denn das gehöre sich nicht als Apostel.

Drei Frauen schwören auf die Heilkräfte des Wundermannes Foto: Angelique Geray / Noizz.de

Der gesandte Gottes trägt einen glänzenden Siegelring, die Haare kurzgeschoren und einen schneeweißen Anzug. Seine Dolmetscherin Maria, 20, ein hautenges Volant-Kleid.

Schon weit im Voraus kündigte der Veranstalter – das geistliche Zentrum Vozrozhdenie – an, dass Munjan in der Estrel Congress Center Berlin-Neukölln (Kosten: rund 26.000 Euro) Wunder vollbringen will – Experten warnten vor seiner Predigt.

Zwar verspricht der Wunderheiler nicht, selbst Menschen zu heilen, sondern nur durch die Hilfe Gottes, doch seine Selbstinszenierung grenzt schon an Gotteslästerung.

Schon vor Beginn des Gottesdienstes warten und drücken die rund 1000 Zuschauern vor den Toren – voller Träume und Hoffnungen, vielleicht bald wieder gesund zu sein.

Die meisten ukrainischer oder russischer Herkunft, oft von weit gereist.

Eintritt kostet die angeblich heilige Messe nichts, auf den Sitzplätzen liegen aber schon Briefumschläge für die Ablassbitten bereit. Nach einer etwa dreieinhalbstündigen Ansprache des Wunderapostels scheint es endlich in die Wunderheilungs-Phase überzugehen: "Kein Gottestdienst ohne Wunder", sagt der selbsternannte Apostel.

Dann: Menschen stehen auf, strecken die Hände in die Luft, weinen und murmeln russische Gebete. Gegen Ende kann zwar niemand gehen, der vorher auch nicht laufen konnte, doch das Team rund um den Apostel Munjan ist vergnügt.

Wie viel Spenden sie dieses mal von den Gläubigen und Kranken bekamen, wollten sie nicht sagen, doch das göttliche Geschäft muss gut laufen.

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