Mit diesem Experiment war er nicht ganz so scheiße wie befürchtet ...

Mit Minirock und Gips in die Antarktis - diesen Film müsst ihr euch wirklich nicht antun. Zugegebenermaßen, meine Erwartungen beim Betreten eines Schweighöfer-Films waren sowieso nicht sehr positiv. Zumal das ganze einen Namen trägt, der vom Kreativitätsgrad her dem gleichen Kaliber wie „Keinohrhasen“ und „Vaterfreuden“ entspringt.

Der Plot ist schnell erklärt - Marleen, gespielt von Jella Haase, ist Anfang 20 und ohne Ambitionen. Ein kleines Abenteuer soll ihr helfen.

Die Eröffnungsszene: Marleen kauft ein Ledersessel. Die Aussage, die ihr entgegnet wird: „Du musst dich entscheiden zwischen Erwachsenwerden und einem Sessel“. Aha, also der Sessel ist nur ein Symbol, wer hätte DAS gedacht…

Doch bei diesem Satz hören die kitschigen kleinen Poesie-Alben Sprüche nicht auf.

„Guck mal wie schön du wirst, wenn du ja sagst“

„Früher dachte ich, dass diese Fabriken Wolken herstellen“

„Du sollst in deinem Leben nicht nur eine, sondern viele Sachen machen“

Das Ding ist, wenn das Ganze ein gut durchdachter Film wäre und nur die Dialoge von Finn Christoph Stroeks zum gemeinschaftlichen Würg-Fest einladen würden, dann könnte man darüber auch gerne hinwegschauen. Dem ist aber leider nicht so. Denn dann wäre da noch der schon zigtausend mal gesehene Plot Twist in den ersten fünf Minuten, die Slow-Mo Glühwürmchen Wiese, die Vogelperspektive des ziellos fahrenden VW Busses, der tumblr Sonnenuntergang am Hamburger Hafen, die aufgedrehte Youtuberin und der ulkige polnische LKW-Fahrer und – und das ist nun wirklich das aller, allerschlimmste –

Matthias Schweighöfer mit angeklebten Dreadlocks, Holzohrringen und Tribal Tattoos – wer hat dem Ganzen bitte sein OK gegeben? Denn Mathias Schweighöfer als den Mittzwanziger Traveller Boy zu karikieren ist ja nun wirklich eine Verletzung der deutschen Filmkultur. Ach, und da ist sie ja auch schon: Cindy aus Marzahn, hinterm Steuer eines Seniorenausflugsbusses. War ja klar.

Obwohl die Idee an sich den Zeitgeist dieser Generation trifft: das Gefühl, dass alle um einen herum einen Plan haben und Sachen erleben und man selber bei seinen Eltern auf dem Dachboden chillt, ohne große Kraft und Ambition. Eine ansteckende Gesellschaftsdepression, in der einem die Anzahl an begehbaren Wegen in ihrer Unendlichkeit überfordern.

Also: schöne Momente in einem Marmeladenglas festhalten? Na gut, versuchen wir das ganze Mal.

Ein kleines Experiment.

Kaum aus dem Kino raus schnappen wir uns ein leeres Glas, einen Notizblock und ein Stift und fragen die Mädels vorm Kino: Welchen Moment eures Lebens würdet ihr in euer Einmachglas machen? Zurück in der Redaktion öffnen wir unser vollgestopftes Glas. Und obwohl Kitsch eigentlich nicht so unser Ding ist… sind die Zettel leider doch ein bisschen süß.

„Wenn das Enkelkind geboren wird, welch ein Glück“

„Heiße Croissants“

„Treffen mit den besten Mädels zum Weltfrauentag“

„Als ich bei meinem Freund war und wir einfach nur Zeichentrickserien geguckt haben und glücklich waren“

Der Beweis - wir habens wirklich getan. Foto: Luisa Hemmerling / Noizz.de

Da können wir doch schon einmal ein kollektives „awww“ vergeben, und der Film scheint gleich ein bisschen weniger scheiße. Aber auch wirklich nur ein bisschen und auch nur weil die Leute so lieb waren und auch nur, weil wir trotz des klebrigen Durcheinanders von Film herzlich lachen mussten – weil manche Sachen wirklich so schlecht gemacht sind, dass sie schon wieder lustig sind.

Quelle: Noizz.de