Unsere Sex-Kolumnistin beantwortet Fragen der NOIZZ-User.

In ihrer wöchentlichen Kolumne SEX VOR NEUN schreibt unsere Autorin Julie Schmidt regelmäßig über – dreimal darfst du raten – Sex. Und wenn sie nicht an ihrem Schreibtisch sitzt? Dann plaudert sie über die schönste Nebensache der Welt. Mit ihren Arbeitskollegen, mit ihren Mädels, mit ihrem schwulen besten Freund und jetzt auch mit den NOIZZ-Lesern!

Denn ab sofort kannst du Julie Schmidt deine Fragen zum Thema Sex stellen – jederzeit und komplett anonym! Schreib ihr dazu einfach eine Message auf Tellonym. Die beste Frage beantwortet sie auf NOIZZ.

Diese Woche: Wie kann ich einen Typen von mir überzeugen? 

Liebe Julie,

wie kann ich einen Jungen von mir überzeugen?

Liebe Unbekannte,

eigentlich beantworte ich keine Fragen, in denen es um Gefühle und Beziehungen geht. Weißt du warum? Weil ich da genauso planlos bin, wie alle anderen Singles. Schon Samantha Jones hat in "Sex And The City" gesagt: "Das ist als ob eine Blinde einem Blinden über die Straße helfen will."

Trotzdem möchte ich in diesem Fall zumindest versuchen, dir ein paar Gedanken zu dem Thema mit auf den Weg zu geben. Denn natürlich habe auch ich mich in meinem Leben schon viel zu oft gefragt, wie ich einem Typen endlich klar machen kann, dass wir beide füreinander bestimmt sind. 

Ich habe schon alles ausprobiert: die Unnahbare, die Entspannte, die Sexgöttin, die Unabhängige, die Liebevolle. Ich bin dabei immer wieder in Rollen geschlüpft, die alle irgendwie ich waren, aber immer nur Teile von mir in den Fokus rückten. Wenn ich einem Typen meine sexy Seite zeigt habe, wurde ich als Fuckbuddy abgestempelt, habe ich die Entspannte gemimt, bin ich in der Friendzone gelandet, und als Unnahbare ist der Typ gar nicht erst auf die Idee gekommen, dass er eine Chance bei mir hätte.

Ich weiß, das klingt jetzt ziemlich bescheuert, aber teilweise habe ich sogar alle drei Situationen mit ein und demselben Typen durch.

Was dabei rumgekommen ist? Rein fucking gar nichts … außer vielleicht ein gebrochenes Herz und ein paar bittersüße Kolumnen. Fakt ist: Man kann niemanden von sich überzeugen, der nicht überzeugt werden will.

Hätte ich diese Erkenntnis schon vor ein paar Jahren gehabt, wäre mir wirklich viel Kummer und Herzschmerz erspart geblieben. Du kannst noch so sehr versuchen, einer Person zu gefallen, du kannst dich verstellen, du kannst 15 Kilo abnehmen, du kannst eine Maske aufsetzen und versuchen, die mit irgendwelchen Aufreißer-Tipps in sein Herz zu katapultieren – ES BRINGT ALLES NICHTS!  

Diesen Fakt zu akzeptieren, ist eine der schwersten Aufgaben, die uns das Leben stellt. Denn in allen möglichen anderen Bereichen können wir mit mehr Fleiß und Arbeit dafür sorgen, dass wir einen Erfolg erleben – allerdings nicht in zwischenmenschlichen Beziehungen. Es tut mir leid, wenn ich jetzt mit einem sehr ausgelutschten Satz um die Ecke komme, aber: Dein persönlicher Traumpenis wird genau zur richtigen Zeit kommen – alle anderen Penisse und ihre Anhängsel sollen dir bis dahin nur eine Lehre sein.

Damit du allerdings nicht so lange auf den Traumpenis warten, dich in der Zwischenzeit mit Ben and Jerrys vollstopfen und dir heulend zum vierhundertsten Mal einen Nicolas-Sparks-Film reinziehen musst, gibt es jetzt hier drei elementare Tipps, die dazu führen, dass der richtige Typ dich eben nicht in eine der oben genannten Schubladen stecken wird. 

1. Sei du selbst

Ich wollte es ja selbst lange nicht glauben, aber tatsächlich ist der effektivste Weg, das Interesse von einem Typen auf sich zu ziehen, ist einfach authentisch zu sein. Verstell dich nicht, nimm keine Rolle ein und zeige ruhig deine guten sowie negativen Seiten – wenn man wirklich eine ernsthafte Beziehung führen will, bekommt der Partner die sowieso irgendwann mit.

2. Setze Grenzen

Das ist meine ganz persönliche Achillesferse. Achtung, es folgt Julie-Schmidt-Deeptalk at its best: Ich habe mich jahrelang nicht getraut, einfach mal eine Grenze zu setzen. Wenn ein Typ mich zum dritten Mal versetzt hat und ich ihn wirklich toll fand, dann habe ich es ihm immer wieder verziehen. Wenn er mich scheiße behandelt hat – habe ich es verziehen. Wenn er sich nicht für mich entscheiden wollte? Ich habe es verziehen. Was mir das gebracht hat? NICHTS. Denn wenn Typen einmal das Gefühl haben, dass sie mit dir machen können, was sie wollen, werden sie das auch tun und immer wieder den einfachsten Weg wählen. Überschreitet er eine von dir persönlich gesetzte Grenze, kannst du nicken, winken und gehen – und zwar ohne Wenn und Aber!

3. Sei geduldig

Ich bin ja der ungeduldigste Mensch dieses Planeten: Wenn ich etwas will, dann will ich es JETZT SOFORT UND AUF DER STELLE! Blöderweise läuft das so allerdings nicht – schon gar nicht mit Männern, und wenn ich ganz ehrlich bin, dann geht es mir, wenn ein Typ genauso drauf ist wie ich, dann doch auch irgendwie immer etwas zu schnell. Deshalb kann ich dir nur raten, wenn du es auf jemanden abgesehen hast: Mach Piano – auch wenn sich die Schmetterlinge in der Vagina zu einem Eurofighter formieren! Wenn er dich wirklich will, dann werdet ihr beide schon zueinander finden – und zwar zum richtigen Zeitpunkt.

In diesem Sinne: Komm bitte schnellstmöglich von dem Gedanken los, dass du einen Typen auch nur in irgendeiner Weise von dir überzeugen kannst oder musst. Das hast du gar nicht nötig. Wenn dein aktuell angebeteter Lieblingsschwanz das nicht von alleine erkennt, dann ist er es sowieso nicht wert.

XOXO Julie Schmidt  

Quelle: Noizz.de