Warum du WhatsApp sofort löschen solltest

Alexej Hock

Politik, Musik & Soziales
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Und welche Alternativen es gibt.

Mit WhatsApp gibst du ungefragt die Handynummern deiner Freunde weiter, verrätst deine Lebensgewohnheiten und nutzt eine Verschlüsselung, bei der du gar nicht genau weißt, wie sicher sie eigentlich ist.

Dabei ist die Weitergabe von Telefonnummern, der du mit den AGBs zugestimmt hast, illegal. Oder hast du von all deinen Kontakten die Erlaubnis eingeholt, dass du ihre Nummer weitergibst? Wohl kaum. WhatsApp sichert sich damit ab, dass sie dies voraussetzt. Doch das weiß und macht NIEMAND. Und verstößt somit gegen deutsches und EU-Recht.

Dabei gibt es genug Alternativen zu WhatsApp, die besser sind!

Wir zeigen dir in einer neuen NOIZZ-Reihe, wie du Stück für Stück deine Privatsphäre zurückgewinnen kannst: Beim Surfen, Mailen und auf dem Smartphone. Beginnen wir mit Messengern.

WhatsApp

Die Liste der Sicherheitsmängel von WhatsApp ist lang. Und doch: Er ist der beliebteste Messenger in Deutschland. Für junge Leute bis 19 Jahre ist WhatsApp die wichtigste App überhaupt auf dem Smartphone.

Damit hat WhatsApp einen tiefen Einblick in dein Privatleben. Nicht erst seit der Messenger zu Facebook gehört, greift sich das Unternehmen Unmengen von Daten ab.

Auch Stalker kommen auch auf ihre Kosten: Wie NOIZZ berichtete, ist es sehr einfach, das Verhalten eines Menschen anhand von WhatsApp-Daten zu analysieren. Auch mit dem zweiten Messenger aus dem Hause Facebook – den Facebook-Messenger – lässt sich der Schlafzyklus der User tracken.

Wer Facebook seine Daten nicht lesen lassen möchte, kann durchaus auf andere Messenger zurückgreifen. Generell gilt jedoch: Je sicherer eine App ist und je weniger Daten man mit ihr preisgibt, desto weniger verbreitet ist sie – leider.

Wir haben für dich einige Alternativen zusammengestellt – aufsteigend nach Sicherheit. Mindestvoraussetzung ist, dass die Messenger Ende-zu-Ende-Verschlüsselung beherrschen. Damit ist idealerweise vorausgesetzt, dass eure Nachrichten niemand mitliest.

Telegram (Android, iOS, andere Plattformen)

Diese russische App ist Open Source, der Quellcode also offen einsehbar. Das ist gut, denn so können Programmierer aus aller Welt den Messenger auf Herz und Nieren testen und prüfen, ob der Dienst nicht heimlich Informationen abgreift.

Doch das mit der Offenheit stimmt laut IT-Blogger Mike Kuketz nicht so ganz: Was auf dem Server passiert, weiß man nicht. Teilweise können Nachrichten unverschlüsselt auf den Servern liegen.

Kritisiert wird von Experten auch, dass Telegram die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung nicht standardmäßig anschaltet. Das lässt viele Nutzer im Irrglauben, zu verschlüsseln, auch wenn die Funktion nicht angestellt ist. Außerdem vertrauen Programmierer dem hauseigenen Verschlüsselungsprotokoll nicht.

Promofoto des Schweizer Messengers Threema. Foto: Promo / Threema GmbH

Threema (Android, iOS)

Vielleicht sagt dir dieser Messenger ebenfalls etwas; immer wieder wird der Schweizer Dienst als Alternative für WhatsApp gehandelt. Dass die Server in der Schweiz stehen, weckt auch erst mal Vertrauen.

Die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung wurde auch von einem externen Gutachter bestätigt. Daher sind die Bedenken ein Meckern auf hohem Niveau.

So veröffentlicht Threema den Quelltext der App nicht. Da die Begutachtung versionsabhängig ist, müsste sie eigentlich nach jedem Update stattfinden, was natürlich nicht passiert.

Wire (Android, iOS, andere Plattformen)

Diesen Messenger von der Wire Swiss GmbH aus der Schweiz gibt es erst seit Dezember 2014. Er ist plattformübergreifend und bietet auch die Möglichkeit von Gruppentelefonaten und Video-Telefonie.

Bei dieser App ist der Quelltext offen zugänglich. Anders als bei den bisherigen Messengern jedoch beginnt der Anbieter, auch den Code des Servers zu veröffentlichen, was ein riesiger Schritt hin zu mehr Transparenz ist.

Anfangs zeigte sich Kuketz auf seinem Blog skeptisch und riet von Wire ab. Nach dem Schritt schrieb er: „Der Messenger wird vielleicht noch interessant.“

Signal (Android, iOS, andere Plattformen)

Der Messenger von Open Whisper Systems ist komplett Open Source, selbst für die Verschlüsselung wird ein freies Signal-Protokoll verwendet. Deswegen ist auch der US-Whistleblower Edward Snowden großer Fan des Dienstes.

So konnte der Messenger 2016 von einem Universitäten-Team analysiert werden. Die Wissenschaftler kamen ebenfalls zum Schluss, dass am Protokoll nichts auszusetzen ist.

Einziger Makel: Auch die Push-Nachrichten, die du auf dein Handy bekommst, müssen über einen Server laufen. Dafür nutzt Signal wiederum den Gigangen Google und lässt ihn damit Metadaten, also Informationen über Merkmale eine Nachricht, mitlesen.

Conversations (Android) bzw. ChatSecure (iOS)

Wer richtig sicher sein möchte, sollte auf diese zwei Messenger zurückgreifen. Der Clou: Statt dass man sich mit einer Telefonnummer bei einem Anbieter registriert, verfolgen diese Apps einen dezentralen Ansatz.

Man registriert sich über eine Art Email-Adresse bei vertrauenswürdigen Anbietern wie etwa dem hauseigenen conversations.im oder den deutschen Seiten mailbox.org oder ccc.de. Die Liste der Server ist lang. Damit verhindert man, dass die Kontrolle bei einem einzigen Anbieter liegt.

Statt im Telefonbuch zu stöbern, muss man also E-Mail-Adressen austauschen, bevor man loschatten will. Das ist umständlich – aber sicher.

Das diesen Apps zugrunde liegende XMPP-Protokoll kann auch plattformübergreifend verwendet werden. Für Desktop-PC gibt’s die Programme Gajim oder Pidgin.

Die Verschlüsselungstechnologie OMEMO, die Conversations und ChatSecure verwenden, ist gleichzusetzen mit dem Signal-Protokoll, also ebenfalls nachvollziehbar und sicher.

Fazit

Normalerweise gilt, je sicherer der Messenger, desto umständlicher ist er zu handhaben. Das trifft auf Conversations/ChatSecure zu: Sicher ist er, aber zum Beispiel telefonieren kann man damit nicht. Auch die Registrierung benötigt einige Schritte mehr als Telegram oder Threema.

Eine bessere Mischung aus Sicherheit, Design und Funktionen bieten die zwei Messenger Wire und Signal. Schau doch einfach mal, welche der beiden Apps auch deine Freunde benutzen – manchmal sind es mehr als man denkt.

Es schadet auch gar nicht, zwei oder mehr Messenger gleichzeitig zu benutzen. Aber lass die Finger von WhatsApp!

Wie man sich nicht nur von WhatsApp und Facebook befreit, sondern auch Google auf dem Smartphone abschütteln kann und sogar sollte, verraten wir im nächsten Teil dieser NOIZZ-Reihe.

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